rheinische ART
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rheinische ART 02/2015

Archiv 2015
TRÜMMERFOTOGRAFIE

Durch Ruinen-Wüsten

 

Es sind apokalyptische Bilder. Endlose Ruinensilhouetten, Turmstümpfe, Häuserwracks, Steinhaufen, Baumgerippe, dunkel und verbrannt vor gewitterdräuendem Himmel, mit Normal- oder Weitwinkelobjektiv fotografiert: Hermann Claasens Bilddokumente aus dem Köln der ersten Nachkriegsjahre sind Ikonen der Trümmerfotografie.

 

Hermann Claasen Köln, Hohenzollernbrücke ca. 1947 © LVR-LandesMuseum Bonn

 

Mit der Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“ erinnert das LVR-LandesMuseum Bonn an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor nunmehr 70 Jahren. Die Ausstellung stellt zwei bedeutende Fotografen der unmittelbaren Nachkriegszeit einander gegenüber. Den gebürtigen Kölner Hermann Claasen (1899-1987) und den Schlesier und Wahldresdner Richard Peter Sen. (1895-1977), dessen aufrüttelnde Bilder aus der zerstörten Elbemetropole weltberühmt wurden.

 

Hermann Claasen Köln, Blick vom Dom ca. 1947 © LVR-LandesMuseum Bonn

 

Dokumentationen Beide Fotografen verarbeiteten ihre Bildzeugnisse aus den chaotischen Nachkriegsjahren in Fotobüchern. Hermann Claasens „Gesang im Feuerofen“ erschien 1947 und zeigt das unvorstellbare Ausmaß der Zerstörungen in der Stadt Köln. Richard Peters Dresden-Dokumentation wurde 1950 unter dem Titel „Dresden - eine Kamera klagt an“ veröffentlicht. Beide Bildbände sind in zahlreichen Neuauflagen erschienen. Die Fotografien prägen bis heute in hohem Maße die öffentliche Wahrnehmung der zerstörten deutschen Städte des Zweiten Weltkriegs.


Hermann Claasen war zwar kein formal ausgebildeter Fotograf, erwarb jedoch 1936 den Meistertitel zur Berufsausübung. Der wegen einer Beinverletzung „Wehruntaugliche“ hatte bereits während des Krieges, teils offiziell im Auftrag der Stadtverwaltung aber auch illegal wegen des strikten Fotografierverbots, die gewaltigen urbanen Zerstörungen seiner Heimatstadt Köln abgelichtet. Claasen war damit einer der wenigen Dokumentare, die unter hohen persönlichen Risiken das Geschehen in Köln bis 1945 in Bildern erfasste.

     Sein Atelier einschließlich eines Archivs in der Brückenstraße wurde bei dem großen sogenannten Tausend-Bomber-Angriff in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 vernichtet. Bis 1945 wurden Claasen und seine Lebensgefährtin, die Fotografin Ria Dietz (1902-1995), fünf Mal ausgebombt.

 

Hermann Claasen Köln, Rathausplatz © LVR-LandesMuseum Bonn

 

Hermann Claasen Köln, Madonna in den Trümmern, Kolumba-Kirche 1947 © LVR-LandesMuseum Bonn

 

Nach dem Ende des Krieges arbeitete Hermann Claasen gezielt aber zunächst ohne Auftrag an der fotografischen Erfassung des verwüsteten Köln. Er konzentrierte sich vor allem auf öffentliche und kirchliche Architekturen sowie zerstörte Details. Aus diesem Motivbereich wurde insbesondere seine „Trümmermadonna“ aus der Kolumba-Kirche (mehr) berühmt, die bis heute als eine Symbolfigur des Kölner Wiederaufbau- und Überlebenswillen angesehen wird.


Trümmerfotograf Im November 1947 zeigte Claasen erstmals seine Arbeiten öffentlich unter dem Ausstellungstitel „Tragödie einer Stadt“. Die Fotografien gingen 1949 in den berühmten Bildband „Gesang im Feuerofen“ ein. Die Publikation machte ihn weit über die Grenzen des Rheinlandes hinaus bekannt. Ein Jahr später war er in der ersten von L. Fritz Gruber (mehr) initiierten Kölner Photo-Kino-Ausstellung - der späteren photokina - mit Arbeiten vertreten. Claasen wurde mit seinen Nachkriegsbildern der bekannteste „Trümmerfotograf“ in der Domstadt. Neben ihm zählten vor allem August Sander (mehr), Karl Hugo Schmölz (mehr) und der Fotojournalist Walter Dick zu jenen Fotografen, die den verheerenden Zustand der Stadt in Bilddokumenten beeindruckend festhielten.
      Eine der wohl bemerkenswertesten Würdigungen der fotografischen Leistungen Claasens war die Aufnahme in die Teilnehmerliste der internationalen Bildersammlung „The Family of Man“. Die Kollektion wurde vom Initiator Edward Steichen, damals Direktor der Fotoabteilung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), zusammengestellt. Sie wurde 1955 erstmals präsentiert und bestand aus 503 Fotografien von 273 Fotografen aus 68 Ländern, ausgewählt aus mehr als zwei Millionen Einreichungen. „The Family of Man“ ist als Portrait der Menschheit in der universellen Sprache „Fotografie“ zu verstehen und wurde 2003 in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Die Bilderschau beinhaltet auch berühmte Arbeiten von Fotografengrößen wie Margaret Bourke-White (mehr), Robert Capa (mehr) oder Henri Cartier-Bresson (mehr).


Richard Peter Sen. Der Tod in Dresden, 1945 © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

 

Richard Peter Sen., vier Jahre älter als sein Kölner Kollege, war in Sachen Fotografie Autodidakt. Der gelernte Schmied arbeitete als junger Mann zeitweise in der Räderschmiede der Essener Krupp-Werke und nutzte seine Freizeit für Motivsuche und Laborarbeiten. Mit Anfang Zwanzig trat Peter in Halle der USPD bei, mit 25 Jahren der KPD. Im Zuge der politischen Radikalisierung durch die Wirtschaftskrise begann er vermehrt, mit versteckter Kamera soziale Verwerfungen zu fotografieren und war unter anderem in Dresden als sogenannter „Arbeiterfotograf“ bei der AIZ (Arbeiter Illustrierte Zeitung) tätig.

     Nach dem Krieg fand Peter eine Tätigkeit bei der KPD-Bildstelle in Dresden, 1946 wurde er Redakteur beim Verlag „Der freie Bauer“. Aus dieser Zeit stammten jene Fotografien, die er 1950 unter dem Titel „Dresden - eine Kamera klagt an“ als Bildband herausgab. Das Werk galt als das erfolgreichste Fotobuch der DDR. Richard Peter wurde ähnlich wie Claasen mehrfach ausgezeichnet. So 1961 mit dem Ehrenpreis für Fotografie vom Kulturbund der DDR; 1970 verlieh ihm die Internationale Föderation für künstlerische Fotografie (FIAP) den Titel "Excellence FIAP".

 

Plakat zur Ausstellung mit einem Motiv von Richard Peter: Dresden, Blick vom Rathausturm nach Süden, 1945

 

Ost- und Westsicht Die Schau im Bonner LandesMuseum des LVR zeigt 200 Vintage Prints, Kontaktbögen und Dokumente aus den Nachlässen beider Fotografen. Sie verdeutlicht, wie die Lichtbildner ihre Bücher komponierten, auf welches Bildmaterial sie zurückgreifen konnten und wie sie die jeweiligen Bildausschnitte festlegten. Gleichzeitig wird erstmals die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte dieser Fotobücher rekonstruiert, die eines deutlich macht: Claasen und Peter gingen mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen durch die Ruinen-Wüsten. Hermann Claasens Buch, das überwiegend Trümmermotive von Kölner Kirchen und öffentlichen Bauten zeigt, beschreibt die Zerstörung der Stadt aus katholisch-rheinischer Sicht als Gottesgericht an einer vom Dämon beherrschten Welt. Richard Peters Werk nimmt neben Trümmerszenarien auch den Menschen nach der Katastrophe in den Blick und wirbt ganz im Sinne der antiimperialistischen Friedensarbeit des Kalten Krieges für die Notwendigkeit des sozialistischen Aufbaus.

K2M

 

Die Ausstellung wurde vom LVR-LandesMuseum Bonn gemeinsam mit der Deutschen Fotothek in der SLUB Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg erarbeitet. Die drei Institutionen verfügen nicht nur über bedeutende Fotosammlungen, sondern bewahren auch umfangreiches Archivmaterial zu den jeweiligen Fotografen als Grundlage einer vertiefenden Erforschung auf. Die Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“ eröffnet eine „Aus den Archiven“ genannte jährliche Präsentation, die die Bedeutung des Bewahrens, des Erschließens und der wissenschaftlichen Arbeit mit fotografischem und archivalischem Material deutlich machen soll.

Nach Bonn wird die Ausstellung anschließend im Stadtmuseum Dresden gezeigt. Zusätzliches Material stammt aus dem Archiv Hermann Claasen, Brühl.

 

Die Ausstellung „1945 – Köln und Dresden, Fotografien von Hermann Claasen und Richard Peter Sen.“ ist bis zum 7. Juni 2015 zu sehen.

LVR LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16
53115 Bonn

Tel. 0228-20700

Öffnungszeiten

DI – SO 11 – 18 Uhr

SA 13 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  

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