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rheinische ART 06/2014

Archiv 2014

VON KAFKA BIS KIPPENBERGER
Unter der Erde

 

Im Untergeschoss des Ständehauses, dem K21 in Düsseldorf – von dessen Fenster aus man knapp über die Wasseroberfläche des Teiches hinweg sehen kann – ist eine Ausstellung zu sehen, die sich dem Unterirdischen widmet. Unter Rekurs auf Kafkas Erzählung „Der Bau“ werden tier- und menschengemachte Anlagen und Landschaften gezeigt.

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN

ENTFERNT.

 

Installationsansicht: Gregor Schneider, KINDERZIMMER (No. 2), Rheydt, 2008 Courtesy der Künstler und Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf, © VG-Bild Kunst, Bonn, Foto: © Achim Kukulies, Düsseldorf Foto © Kunstsammlung NRW

 

Von Kafka… Obwohl in allen Begleittexten zur Ausstellung stets auf die literarische Vorlage Kafkas verwiesen wird, sind in die Ausstellung keinerlei literarische Produkte und Zeugnisse integriert. Selbst Kafka und seine Erzählung „Der Bau“ sind nur als Verweis präsent. So erschließt sich das Konzept der Ausstellung denn auch erst nach der Lektüre von Kafkas Text. Daher ist diese dringend empfohlen! Denn was zunächst als eine Ansammlung von nicht oder kaum zusammen passenden, geschweige denn miteinander interagierenden Objekten anmutet, erhält im Kontext der Erzählung Struktur.
     Der Ausstellungsraum erscheint dann als ein „Bau“, in dem sich der Besucher auf Gängen und Plätzen einnisten und zum Herrn des Baus aufschwingen kann – analog zum in sich selbst und seinen Bau verliebten tierischen Bauherrn in Kafkas Geschichte. Doch anders als bei Kafka ist die Ausstellung kein von einem Individuum gegrabener Bau; und der Bauherr hält auch keinen endlos langen Monolog. Die Sachen selbst sollen wirken.

 

Installationsansicht: Mike Kelley, Sublevel 1998, Eric Decelle, Bruxelles, Foto: © Achim Kukulies, Düsseldorf Foto © Kunstsammlung NRW

 

Der Bau/Die Bauten Gezeigt werden vielmehr Bauentwürfe – Mike Kelley (1954-2012) bietet als „Sublevel“ (1998) ein rechtwinkliges, more geometrico konstruiertes, an Ort und Stelle, ohne Dach und Boden, schwebendes Schachtsystem. Daneben gibt es fertige Bauten und Bauten in progress zu bestaunen, die in die Erde führen und/oder komplett unterirdisch angelegt sind: Roni Horn (*1955) zeigt eine „Ant Farm“ (1974-75), einen hinter Glas gesetzten Ameisenbau, an dem die Tiere stetig weiterarbeiten und in dessen Gangsystem man durch die vordere und hintere Glasfront hineinsehen kann.

 

Roni Horn, Ant Farm, 1974 – 75, Installationsansicht „Roni Horn aka Roni Horn“, Tate Modern, London, 2009 Courtesy the artist and Hauser & Wirth Foto: Stefan Altenburger Photography Zurich, © Kunstsammlung NRW


Des Weiteren werden Ein-, Durch- und Ausgänge zu natürlichen und von Menschenhand gestalteten Zweckbauten aus unterschiedlichsten Perspektiven kontrastiv zueinander gesetzt. Ein Beispiel hierfür ist der vornehmlich in den Farben Rot und Schwarz ausgeführte Bunker-Zyklus von Thomas Schütte (*1954). Ein vollständiges „Bunker Modell“ (1984) ist ebenso zu sehen wie diverse Bunker-Ein-/Ausgänge wie zum Beispiel in „Auf Wiedersehen“ (1981). Doch nicht nur einzelne Bauten, sondern auch (ganze) Landschaften werden inszeniert. Der „Grotte“ (2006) von Thomas Demand (*1964), die die natürlich gewachsene Architektur einer Tropfsteinhöhle widerzuspiegeln scheint, in Wahrheit aber ein quasi pointilistisch zu einem Ganzen Zusammengesetztes ist, wird die imaginäre, stalagmitenhaft in den Himmel wachsende Fabelwelt von Max Ernst, repräsentiert durch „Les peupliers“ (1939) und „Le fascinant cyprès“ (1939), entgegen gesetzt.

 

… zu Kippenberger Dem Untertitel der Ausstellung entsprechend fungiert Martin Kippenberger (1953-97) als finaler Gegenpol zu einer Entwicklung, an deren Anfang Kafka gesetzt ist. Interessant ist, dass und wie einzelne Installationen von ihm neu arrangiert und zu einer eigenen Erzählung kombiniert und komponiert wurden.

 

Installationsansicht: Martin Kippenberger, Installation Tiefes Kehlchen, 1991, Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain / Sammlung Grässlin, St. Georgen, Foto: © Achim Kukulies, Düsseldorf, Foto © Kunstsammlung NRW


Als zentraler Platz fungiert die erstmals 1990 in der Galerie Anders Tornberg in Lund, Schweden gezeigte Birkenwald-Geschichte, die in Reimform vorgetragen wird: „Jetzt geh‘ ich in den Birkenwald / denn meine Pillen wirken bald“. Geradewegs auf den Wald per Elektromobil zuzufahren scheint „heavy Burschi“, ein Dummy mittleren Alters im Anzug – wohl Kippenbergers alter ego. Ursprünglich war „Tiefes Kehlchen“ 1991 in einen unbenutzten Wiener U-Bahn-Schacht zwischen zwei Stationen (die unter anderen als Geburt und Tod gelesen werden können) eingelassen. Flankiert und begleitet wird der Fahrer auf seiner eingleisigen, finalen Fahrt rechter Hand vom „Broken Kilometer“ (1990), einer Reihe hintereinander gesetzter gleichlanger Schachteln, in die Harzstücke eingesetzt sind, die immer kürzer werden. Auch dieses Arrangement spiegelt nicht nur unsere optische Wahrnehmung, sondern auch die Zeiterfahrung: Das Schwinden der eigenen Lebenszeit genauso wie des Lebens an sich als Zufahrt auf den Tod.

     Überhaupt widmet sich die Ausstellung mehr dem hintergründig Düsteren als dem vordergründig Zweckrational-Vernünftigen des going underground in unsere diversen Schutz-„Bauten“.

Georg Simet

 

Die Ausstellung "Unter der Erde – Von Kafka bis Kippenberger"  ist bis zum 10. August 2014 im Rahmen der Quadriennale zu sehen.
Kunstsammlung NRW
Ständehaus K21
Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
Tel. 0211 / 8381 204
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr

 

Die Quadriennale 2014 ist ein Festival der Bildenden Kunst in der Landeshauptstadt Düsseldorf und steht unter dem Motto „Über das Morgen hinaus“.

 

 

 

 

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