rheinische ART
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rheinische ART 03/2013

 

ARCHIV 2013

Kunstsammlung der Bundesrepublik Deutschland

 

„Nicht nur Amtsstubenschmuck“

 

Stef Heidhues, Madonna, 2007, Fahrradketten, 120 x 25 x 14 cm © Stef Heidhues und Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

 

 

Seit 1970 sammelt die Bundesrepublik Deutschland kontinuierlich Werke von Künstlern, die in Deutschland leben und arbeiten. Zuständig für den Ankauf ist eine Kommission, die alle fünf Jahre vom Staatsminister für Kultur und Medien neu berufen wird. Im Jahr 2011 endete die Periode der letzten Kommission. Eine repräsentative Auswahl ihrer Sammlungstätigkeit ist nun in der Bonner Schau „Nur hier“ in der Bundeskunsthalle zu sehen.

 


DIE wechselnden Kommissionen entwickeln dabei ihre eigenen Sammelstrategien, ohne den ideellen Anspruch, aktuelle gesellschaftliche oder politische Zustände durch die Interpretation der Künstler in ihrer Kunst nachhaltig erfahrbar zu machen, aus den Augen zu verlieren. Konkretes Ziel ist die Bereicherung der Bundeskunstsammlung durch Arbeiten, welche die zeitgenössische nationale und internationale Kunstproduktion in Deutschland repräsentieren.
    Um aus der Fülle des Kunstmarktes jene Künstler heraus zu spüren, deren Werk innovativ ist und Qualität besitzt, braucht es zum Fachwissen vor allem Bauchgefühl. Dass dies der Auswahl auch stets eine subjektive Prägung verschafft, versteht sich von selbst. Aus diesem Grund entscheidet eine fünfköpfige Kommission über die Ankäufe, die vornehmlich bei deutschen Kunsthändlern und auf den international relevanten Messen in Köln und Basel, doch auch bei so namhaften Hotspots für zeitgenössische Kunst wie der Frieze Art Fair in London, getätigt werden.

 

Förderung der deutschsprachigen Kunstszene

 

Dabei orientiert sich die Kommission weniger am Hype des Kunstmarkts. Vorrangig geht es um die Entdeckung anderer, auch junger Künstlertalente – ein Umstand, der nicht nur (aber auch) eine Frage des Budgets darstellt.
    Yilmaz Dziewior, Direktor des Kunsthauses Bregenz, nennt hierzu konkrete Zahlen: Von einem jährlichen Budget von circa 500.000 Euro bleiben zum effektiven Ankauf ungefähr 300.000 Euro übrig, da ein beträchtlicher Teil von Lagerungs- und Transportkosten verschlungen wird. Für einen Gerhard Richter oder Georg Baselitz reicht das nicht, aber das, so Dziewior, sei auch gar nicht notwendig: „Diese heute kaum bezahlbaren Künstler sind teilweise schon vor Jahrzehnten angekauft worden und bereits in der Sammlung vertreten. Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, noch weniger namhafte Talente zu fördern und dadurch die Sammlung zu bereichern.“ Dabei stellt sich stets von neuem die Frage: Was wird unter welchem Gesichtspunkt erworben?

 

Ausstellungsansicht "Nur hier" Foto: David Ertl, 2013
© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

 

Fragen der aktuellen Kunst

 

„Den ursprünglichen Ansatz der Sammlung, Dekoration für die Amtsstuben der Ministerien zu sein, haben wir längst überwunden“, so Anne-Marie Bonnet, Professorin am Kunsthistorischen Institut in Bonn. Sie nennt unter anderem ein starkes historisches Interesse als Hauptantrieb der Sammlungstätigkeit der vergangenen Jahre.

 

Björn Braun, Ohne Titel (Nest), 2010 , Bindfaden und Wolle, 11 x 28 x 20 cm © Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

 

   Dies bedeutet: Wie geht aktuelle Kunst mit Traditionen um? Dass die Debatte zwischen Tradition und Moderne noch immer von Interesse ist, beweist etwa Stef Heidhues mit ihrer „Madonna“ aus Fahrradketten, die sie gleich einer strahlenden Mandorla über einen Nagel hängend drapiert. Auch die Reflexion über den Begriff der Moderne oder die Frage der Autorenschaft sind, so Bonnet, maßgebliche Themen heutiger Kunstproduktion und spiegeln sich in den Schwerpunkten der Ankaufspolitik. Gerade die Autorenschaft - seit Marcel Duchamp ein kunsthistorischer Dauerbrenner -, ist auch in der gegenwärtigen Kunst ein zentrales Thema. Beispielhaft nennt Bonnet Björn Brauns farbiges Nest von 2010, das auf der Frieze Art Fair in London erstanden wurde. Der Künstler ließ einen Vogel das Nest bauen – aus vorgefärbten Materialien. Das Ergebnis, Readymade und Naturprodukt zugleich, wirkt überzeugend: „Diese Fragilität kann kein Mensch erzielen.“

Quintessenz aus fünf Jahren

 

Von den rund 1500 Werken der Sammlung sind nur ungefähr 120 als Leihgaben in öffentlichen Museen zu bewundern, der Großteil stattet staatliche Einrichtungen wie Ministerien oder Botschaften aus oder schlummert bis zu seiner Verwendung in Depots. Die Bonner Schau vereint 100 der 234 Werke, die seit 2007 erstanden wurden und gewährt somit nicht nur einen Einblick in eine Sammlung, die der Öffentlichkeit zumeist verborgen bleibt, sondern bildet vor allem die Quintessenz einer fünfjährigen intensiven Auseinandersetzung mit aktueller Kunst in Deutschland.

Robert Woitschützke

 

Von 2007 bis 2011 waren Anne-Marie Bonnet, Professorin am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn, Hans-Jörg Clement, Leiter Kultur der Konrad- Adenauer-Stiftung sowie Kurator und Geschäftsführer des Else-Heiliger-Fonds Berlin, Yilmaz Dziewior, Direktor des Kunsthauses Bregenz, sowie Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, für die Ankaufsempfehlungen verantwortlich. Mit fast zwei Millionen Euro ausgestattet, haben sie 234 Werke empfohlen, die dann für die Sammlung erworben wurden.


Die Ausstellung „Nur hier - Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland - Ankäufe von 2007 bis 2011“ ist bis zum 14. April 2013 zu sehen.

Bundeskunsthalle

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 9171–0

Öffnungszeiten
DI + MI 10 – 21 Uhr
DO - SO 10 – 19 Uhr

 

 

 

 

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