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rheinische ART 07/2014

Archiv 2014

AACHENER DOM
Karls Kirche

 

Der Aachener Dom ist eine Kirche der Superlative. Mit der Pfalzkapelle oder Marienkirche Karls des Großen, die den karolingischen Kern des heutigen Doms ausmacht, weist der Aachener Dom das besterhaltene Baudenkmal der Karolingerzeit überhaupt und den einst höchsten kuppelüberwölbten Bau nördlich der Alpen auf. Sein bleiverglaster Chor ist ein Meisterwerk gotischer Baukunst.

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN

ENTFERNT.

 

Der Aachener Dom Im Laufe der Jahrhunderte avancierte der Dom zur historisch wichtigsten Kirche Deutschlands. Er wurde als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Das Foto zeigt den Aachener Katschhof mit Blick auf den Dom. Foto: Stadt Aachen /Copyright: Jörg Hempel, Aachen

 

Wir schreiben den 28. Januar 814. Karl der Große liegt mit hohem Fieber in seiner Kaiserpfalz in Aachen zu Bett. Wo ihm heute Antibiotika hätten helfen können, ist die Situation vor 1200 Jahren ohne Hoffnung. Karl der Große verstirbt im Laufe des Tages: Als mächtigster Herrscher des Abendlandes und nach einer außergewöhnlich langen Regierungszeit von 46 Jahren. Wie alt er geworden ist, ist nicht genau bekannt. Vermutlich kam er am 2. April 747, möglicherweise auch erst 748, in einer der Residenzen seines Vaters Pippin zur Welt. Begraben wurde er noch an seinem Todestag im Januar 814 in der Aachener Marienkirche. (Die Bezeichnungen Marienkirche und Pfalzkapelle werden synonym verwendet. A.d.R.)

 

Der Karlsschrein – Ansicht Stirnseite
© Domkapitel Aachen, Foto: Ann Münchow

 

     Als Kaiser Friedrich I. Barbarossa ihn 350 Jahre später heilig sprechen ließ, wurden seine Gebeine in ein vorläufiges Reliquiar und 1215 schließlich in den Karlsschrein umgebettet, der sich heute in der Apsis der gotischen Chorhalle befindet. Sein Sarkophag, in dem er ursprünglich beigesetzt wurde, wird in der Domschatzkammer verwahrt.
     Nachdem Karl der Große Aachen anfänglich nur in den Wintermonaten aufgesucht hatte, um dort die heißen Thermalquellen zu nutzen, hielt er sich seit 794 fast ununterbrochen in dieser Stadt auf und machte sie zum Mittelpunkt seines europäischen Reiches. Das war insofern ungewöhnlich, als die mittelalterlichen Könige nicht von einer (Haupt-)Stadt aus regierten, sondern umherreisten, um den persönlichen Kontakt zu ihren Vasallen zu halten.

 

Karlsbüste © Domkapitel Aachen, Foto: Andreas Herrmann

 

     Karls Entschluss, in Aachen zu residieren, bleibt rätselhaft, aber wir verdanken ihm heute das besterhaltene Baudenkmal der Karolingerzeit. Denn Karl der Große ließ die väterliche Pfalz, die dem reisenden König bislang als (Wohn-)Stützpunkt diente, zu einer monumentalen Palastanlage ausbauen. Dazu gehörte für einen christlichen König auch eine Kirche. Er ließ die Marienkirche über dem Altar eines Vorgängerbaues errichten, der aus der Zeit seines Vaters Pippin stammte, und unter dem sich einst vermutlich eine römische Therme befunden hatte. Karl der Große, im Besonderen der Bildung und den Künsten zugewandt, schuf eine Kirche, die ihn unvergessen macht.

 

Das Welterbe Aachener Dom hier mit der Innenansicht des Oktogons
© Stadt Aachen, Foto: Andreas Herrmann

 

Der höchste gewölbte Innenraum Der Hauptraum der Pfalzkapelle beschreibt ein regelmäßiges Achteck, das von einem sechzehneckigen Umgang mit Emporengeschoss umfangen wird, das auch die Kaiserloge aufweist. Damit ist die Aachener Pfalzkapelle ein Zentralbau.

     Das ist insofern von Bedeutung, als Karl der Große dadurch nicht nur an römische Kirchenbauten anknüpfte, sondern auch an byzantinische Palastkirchen. Als mögliche Vorbilder werden immer wieder San Vitale in Ravenna sowie unterschiedliche Kirchen in Byzanz genannt, darunter die Kirche der Heiligen Sergius und Bacchus in Konstantinopel. Mit diesen Architektur-Zitaten sowohl der ost- als auch der weströmischen Bautradition spielten Karl und sein Baumeister Ode von Metz in einem weiteren Schritt auf die damalige politische Situation an: Auf die Koexistenz zweier römischer Reiche innerhalb der christlichen Welt.


Die Baudaten der Pfalzkapelle sind nicht genau überliefert. Fest steht, dass der Rohbau noch vor dem Jahre 800 vollendet wurde. Papst Hadrian ermächtigte Karl in den Jahren 786 und 787, Marmor aus Italien nach Aachen zu überführen. 798 wurden kostbare antike Säulen in der Kirche aufgestellt, die möglicherweise – nach alten Protokollen sogar wahrscheinlich - aus St. Gereon (einem spätantiken Ovalbau mit säulenumstelltem Atrium) in Köln stammen. Der Überlieferung nach ließ Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts weitere antike Spolien, also Säulen, die aus anderen oder abgebrochenen Gebäuden stammen, aus Rom und Ravenna zur weiteren Verwendung in Aachen heranschaffen. 805 wurde die Pfalzkapelle eingeweiht. Dass dies durch Papst Leo III. geschah, ist wohl eher im Reich der Legenden anzusiedeln.

     Das Innere des Oktogons wird mit einem achtteiligen Klostergewölbe gekrönt, das sich aus Wangen zusammensetzt, die auf den Umfassungsmauern des polygonalen Baus aufruhen. Es sollte aus der Pfalzkapelle für vier Jahrhunderte den höchsten kuppelüberwölbten Bau nördlich der Alpen machen. Für die Innenausstattung schufen karolingische Werkstätten Spitzenerzeugnisse, von denen noch Bronzegitter und die große Portaltür (Wolfstür) im Westbau der Kirche zeugen.

 

Wallfahrtskirche und Krönungskirche In gotischer Zeit wurde die Aachener Marienkirche aufgrund ihrer zahlreichen Reliquien zu einem bedeutenden Wallfahrtsziel. Im Marienschrein (1200-1239) werden mit vier textilen Heiligtümern die Großen Aachener Reliquien aufbewahrt: Die Windeln und das Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers. Noch heute findet alle sieben Jahre die Heiligtumsfahrt statt, die letzte im Juni 2014. Die Pilgerströme machten im Mittelalter bauliche Veränderungen an der Marienkirche erforderlich, um das bedrohliche Gedränge zu entzerren. Zugleich galt es, einen repräsentativen - sprich modernen gotischen - Rahmen für die Krönungen zu schaffen. Denn als Otto I. im Jahre 936 Aachen als Ort seiner Krönung bestimmt hatte, eröffnete er damit die 600 Jahre dauernde Geschichte der Aachener Krönungen. Über 30 Könige bestiegen in den folgenden sechs Jahrhunderten diesen Thron. Im Jahre 1002 wurde Kaiser Otto III. auf seinen Wunsch hin in der Kirche Karls des Großen beigesetzt. 

 

Der legendäre Königsthron geht auf die Zeit Karls des Großen zurück. Der Thronsitz selber ist karolingisch und aus kostbaren Marmorplatten zusammengefügt. Foto ©Stadt Aachen, Andreas Herrmann

 

Atemberaubend der gotische Chor 1355 beschloss das Stiftskapitel den Bau eines neuen Chores. Nach rund 60 Jahren Bauzeit wurde der Chor fertiggestellt, der aufgrund seiner großartigen Bleiglasfenster mit über 1000 Quadratmetern Glasfläche das „Glashaus von Aachen“ genannt wird. Zuvor musste dort ein karolingischer Vorgängerbau, der rechteckige Chor, niedergelegt werden. Der neue gotische Chor, der die Pariser Sainte-Chapelle (1243/48) zum Vorbild hat, misst 37 Meter in der Länge, ist 21 Meter breit und 33 Meter hoch. Seine Außenwand ist weitestgehend in Fenster aufgelöst. Atemberaubend schmal sind die Strebepfeiler, die außen den enormen Schub aus Dach und Gewölbe tragen: Eine Meisterleistung gotischer Baukunst. 

     Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden sukzessive fünf gotische Kapellen, die sich an den Umgang der Pfalzkapelle anschließen. Sie dienten als Sakristei, Archiv, Eingangshalle, Friedhofskapelle und Sonderräume für den Pilgerbetrieb. Im Barock, von 1756-1767, wurde die Ungarische Kapelle angebaut, um die ungarischen Pilger besser betreuen zu können. Damit waren die stilprägenden Anbauten des Doms größtenteils abgeschlossen.

 

 

Erstes deutsches Denkmal Seine heutige Gestalt erhielt der Dom im Laufe von mehr als 1200 Jahren. Das bedeutet, dass sich ein romanischer Kern mit einem gotischen Chor und gotischen Kapellen sowie einer barocken Kapelle und einem neugotischen Glockenturm zu einer spannenden baulichen Einheit verbindet. Aus dem Hauptwerk der karolingischen Architektur sollte die historisch wichtigste Kirche Deutschlands und eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler von europäischem Rang werden: 1978 wurde der Aachener Dom als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Seit 1930 schon ist der Aachener Dom die Kathedralkirche des neu errichteten Bistums Aachen.
Marion Lisken-Pruss

 

Aachener Dom
Domhof 1
52062 Aachen
Tel. 0241 / 477090
Öffnungszeiten des Doms
April – Dezember täglich 7 bis 19 Uhr, Januar – März täglich 7 bis 18 Uhr mit Ausnahme der Gottesdienst-Zeiten.
Öffnungszeiten der Schatzkammer
April – Dezember MO 10-13 Uhr, DI - SO 10-18 Uhr
Januar – März MO 10-13 Uhr; DI - SO 10-17 Uhr

 

 Aktuelle Ausstellung in der Schatzkammer: „Verlorene Schätze“ im Rahmen der Ausstellungstrias unter dem Titel "Karl der Grosse. Macht Kunst Schätze" (bis 21. September 2014).
www.karldergrosse2014.de

 

 

 

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