rheinische ART
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rheinische ART 03/2013

 

ARCHIV 2013

 

Steinmetz Josef Winden und sein Kollege Anton Dick auf dem Nordturm des Kölner Doms, 1931, Fotograf unbekannt

Lebenswirklichkeit im Bild

 

Kölner

 

Kaleidoskop

 

 

Kaum mehr als ein halbes Jahrhundert reichte, um aus der – Ende des 19. Jahrhunderts - noch mittelalterlich geprägten Stadt Köln eine moderne europäische Metropole zu machen. Das jüngst erschienene Buch „Köln vor dem Krieg“ aus dem Greven Verlag legt davon mit brillanten zeithistorischen Fotografien Zeugnis ab.


Kritiker mögen einwenden, dass über Köln alles Wesentliche bereits irgendwann einmal geschrieben wurde, dass alle Plätze, Winkel und Wege erfasst, alle Perspektiven und Darstellungsformen bildnerisch genutzt worden sind: auf Leinwand, in Zeichen- und Skizzenbüchern, in Öl, mit Rötel und Kohle – Köln gemalt, gezeichnet, gestochen, radiert und fotografiert. Und dennoch: Der opulente Bildband über die Rheinstadt zwischen den Jahren 1880 und 1940 ist anders. Er zeigt - das mag an der exzellenten Fotoauswahl wie ebensolchen Texten liegen - ein erstaunlich spannendes Bild der Lebenswirklichkeit jener 60 Jahre in dieser geschichtsträchtigen Stadt.

 

Gesellige Runde beim Bier in der Grünanlage "Volksgarten". Der innenstadtnahe Park wurde

1888-1890 auf dem Fort IV des alten Festrungsrings von Köln von dem Gartenarchitekten

Adolf Kowallek gestaltet. 1908, Fotograf unbekannt


„Die Gestalt einer Stadt wechselt rascher, ach! als das Herz eines Sterblichen“ (Charles Baudelaire 1860 über Paris im Gedicht Der Schwan)


Dem Leser öffnet sich das alte Köln als lebendige, imposante, attraktive und kulturell höchst aktive Metropole, als eine Stadt auf dem Weg in die Moderne. 425 Fotografien dokumentieren Kölner Leben im deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Die Autoren erfassen damit die Entwicklung der größten Kommune am Rhein vor den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.
 

Die Bastei vor St. Kunibert und Dom nach 1927. Das spektakuläre Restaurant am Rheinufer in Kölns Norden wurde von dem Architekten Wilhelm Riphahn entworfen. Fotograf unbekannt

   Neben der baulichen Dynamik zeigen die Fotos vor allem Kölner Kultur und Leben in frühen Life-Bildern. Es ist eine intime Mischung aus Tradition und großstädtischer Schnelllebigkeit, aus Veedel-Milieu, großbürgerlich-luxuriöser Präsenz und wirtschaftlich-politischer Expansion: Die Vollendung des Doms nach 632 Jahren Bauzeit, der Alltag am Rheinufer und am Neumarkt, die britische Besatzung in den 1920er Jahren, die Remilitarisierung und den Rosenmontagszug, die neue Stadtbahn.
    Unter den Bildreportern finden sich fast alle bekannten Namen der Zeit: die Fotografen-Ikone des 20. Jahrhunderts, August Sander, die Kölner Architekturfotografen Hugo und Karl Hugo Schmölz (mehr), der Bauhaus-Lehrer László Maholy-Nagy, der Porträtist Hugo Erfurth oder der Folkwang-Bildarchivleiter und Industriefotograf Albert Renger-Patzsch. Gleichwohl tragen zahlreiche Abbildungen den Vermerk „Fotograf unbekannt“. Zu gerne wüsste man, wem mit welchen technischen Mitteln 1931 das grandiose Nordturmbild des Kölner Doms mit den Steinmetzen in der Spitze gelang!

 

„Und in den Straßen spricht man Englisch, Französisch, Russisch und Jiddisch.“ (Joseph Roth, Reisebilder, über Köln 1923)

 

Der Volksschauspieler Peter Classen als knollennasiges, rustikales Kölner Original "Tünnes", um 1910, Fotograf unbekannt

 

Die Autoren, Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer, erweitern das Bild der Stadt mit bislang unbekannten Reportagen, die sie bei intensiven Recherchen in zahlreichen Archiven etwa in Paris, London und Stockholm regelrecht ausgegraben haben. Dazu zählen Texte zeitgenössischer Autoren, unter anderem von dem Kabarettisten und Schriftsteller Joachim Ringelnatz, dem französischen Journalisten Jules Huret, der Dichterin und Historikerin Ricarda Huch oder dem Prager Reporter und Schriftsteller Egon Erwin Kisch.
   Der österreichische Literat Joseph Roth charakterisiert in seinen Reisebildern von 1923 das große, bunte und lärmige Köln als äußerlich „geradezu amerikanisch“ und vermerkt eher verwundert das Polyglotte. Die Texte bieten die Möglichkeit, die Eindrücke der Fotografien zu den 60 Jahren Stadtgeschichte zu vertiefen. Einer blickte bereits vor über 80 Jahren nostalgisch zurück. Wilhelm „Willi“ Ostermann (1876-1936), Liedermacher, Kenner der rheinischen Seele und Zeitzeuge par excellence, hatte alles schon 1930 erkannt und kölsch-melancholisch in einen Klassiker verpackt: „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia…“*

Klaus M. Martinetz

 

* Ach was war das früher schön in Colonia …

 

 

Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer
Köln vor dem Krieg
Leben –Kultur- Stadt 1880-1940

384 Seiten
mit 425 schwarz-weiß oder vierfarbigen Abbildungen, Leinen mit Schutzumschlag
Format 24 x 29 cm
ISBN 978-3-7743-0482-6
Preis 49,90 Euro

 


Die Autoren
► Reinhard Matz (*1952) studierte nach einer Fotografenlehre Philosophie, Germanistik, Medienwissenschaft (M.A.) sowie künstlerische Fotografie. Er lebt seit 1975 in Köln und Berlin.
► Wolfgang Vollmer (*1952) studierte Geodäsie und Künstlerische Fotografie. Er arbeitet mit Fotografie als Künstler, Dozent, Kurator und Sammler und lebt seit 1975 in Köln.

 

 

 

 

Fotos (4) Greven-Verlag

 


 

 

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