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rheinische ART 12/2014

Archiv 2014

AUF ENTDECKUNGSTOUR
Das „heilige Köln“
und seine großen romanischen Kirchen

Von Simon Hopf

 

Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze. Oft genug wird hierbei die Latte aber dermaßen hoch gehängt, dass schon beim Anlauf klar wird, keines dieser selbstgesteckten Ziele je erreichen zu können. Da kommt der nun folgende Vorschlag kulturinteressierten Rheinländern möglicherweise wie gerufen: Wenn man denn schon Vorsätze fassen will, möge man sich doch einmal die zwölf großen romanischen Kirchen Kölns vornehmen – und zwar pro Monat nur eine.

 

Architektur, die beeindruckt: Das Innere von St. Maria im Kapitol. Foto © Greven Verlag/ F. Monheim

 

Damit hätte man sich von Januar bis Dezember ein bequem zu bewältigendes, gleichwohl hochspannendes und inspirierendes Programm geschaffen, dessen Einzelaspekte vom Architekturerlebnis bis zur spirituellen Erfahrung kaum alle zu benennen sind.

 

Die Bögen in der Vorhalle von St. Andreas erinnern an Bauwerke der Mauren und an Kirchen am spanischen Jakobsweg. Foto © Greven-Verlag/ F. Monheim

 

Der Chorumgang von St. Maria im Kapitol wird von spätgotischen Schranken abgegrenzt. Foto © Greven-Verlag/ F. Monheim

 

Bildband Einen wunderbaren Vorgeschmack auf diese Stadterkundung der besonderen Art gibt der im Greven Verlag Köln erschienene Bildband „Die großen romanischen Kirchen in Köln“ mit Texten von Jürgen Kaiser und Fotografien von Florian Monheim. Manche dieser oft überaus gewaltigen Gotteshäuser des Früh- und Hochmittelalters reichen mit ihrer Baugeschichte bis in die Spätantike hinein und stehen so für eine Kontinuität, derentwegen von Köln – der einstigen römischen Colonia Claudia Ara Agrippinensium – bis heute eine ungeheure Faszination ausgeht.

 

Inseln der Vergangenheit Doch muss man beim Gang von Kirche zu Kirche über etliche Dinge hinwegsehen, die das heutige Köln für Außenstehende mitunter rätselhaft, chaotisch und unattraktiv erscheinen lassen: Nachdem im nicht enden wollenden Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs die stolze Stadt an vielen Stellen förmlich pulverisiert worden war, wurde in der Zeit des Wieder- bzw. Neuaufbaus die Stadtstruktur oft so grundlegend verändert, dass es einfach schmerzt. So erheben sich also die meisten der rekonstruierten romanischen Kirchen als „Inseln der Vergangenheit“ in einem von Verkehrsschneisen durchzogenen Häusermeer, dessen ästhetischer Reiz hier nicht weiter diskutiert werden soll. Dem legendären Köln-Gefühl tut diese Beraubung heimatlicher Idyllen übrigens keinen Abbruch. Gott sei Dank!

 

Architektur Zurück zum Thema und damit in medias res. Das Buch behandelt die romanischen Architekturschätze in alphabetischer Reihenfolge – angefangen bei St. Andreas im Schatten des Doms über St. Kunibert und St. Maria im Kapitol bis zu St. Ursula, bei deren Besuch man an eine der Ursprungsstätten des Kölner Reliquienkultes zurückkehrt. „Mit dem Bau der ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung, die das nördliche Areal um St. Ursula miteinbezog, kamen zu Beginn des 12. Jahrhunderts plötzlich Hunderte menschlicher Skelette zum Vorschein“, liest man in dem entsprechenden Kapitel des Buches.

     Benediktinermönche aus der Abtei Deutz übernahmen die Ausgrabung und zeigten sich hierbei nicht nur fromm, sondern auch findig: Die Gebeine wurden von ihnen kurzerhand zu Überresten der Schar der elftausend Jungfrauen erklärt, die zusammen mit Ursula im von Hunnen belagerten Köln den Tod fanden, nachdem sie sich geweigert hatten, sich mit den Heiden einzulassen. Man mag dies für allzu weit hergeholt halten, für Köln war dieser plötzliche Reichtum an „heiligen Knochen“ (mehr) jedoch ein Wechsel auf die Zukunft: Der schwunghafte Handel spülte Geld in die Kassen – und schuf somit Voraussetzungen für weitere Bauprojekte.

 

Die Kirche St. Aposteln verfügt über den höchsten romanischen Kirchturm Kölns. Foto © Greven-Verlag/ F. Monheim

 

Die großen romanischen Kirchen in der Kölner Innenstadt, die zusammen oft als „Kranz“ bezeichnet werden, wollen mit Umsicht erkundet und entdeckt werden. Denn: Keine gleicht der anderen. In diesem Kontext sei noch einmal aus dem Buch zitiert: „Einzigartige Baulösungen von europäischem Rang wurden in Köln erfunden und auf monumentale Weise verwirklicht.“
     Die Romanik, wie sie sich dem heutigen Betrachter präsentiert, steht mit der Gestaltungssprache der Erbauungszeit freilich in herbem Kontrast: Zum einen sind viele Ausstattungsgegenstände über die Jahrhunderte zerstört worden oder verloren gegangen. Zum andern ist die Steinsichtigkeit des Äußeren eine Fehlinterpretation des 19. Jahrhunderts. Allein St. Maria Lyskirchen weist (wieder) einen Außenverputz auf, der das verwitterungsanfällige Gemäuer schützt. Und noch etwas: Dass auch die Innenräume einst in expressiver Farbigkeit erstrahlten, wird oft vergessen. Ja, man mag es sich kaum vorstellen, wie anders diese Kirchen gewirkt haben müssen! Kurzum: Auf den Spuren der Romanik durch Köln zu wandeln heißt auch, Klischees zu überdenken und sich auf überraschend Neues einzulassen.

 

 Übrigens: Gemeinsam mit der WDR Lokalzeit Köln und dem Förderverein Romanische Kirchen Köln hat der Greven Verlag eine DVD erstellt, die den Fotobildband „Die großen romanischen Kirchen in Köln“ nun um zwölf Fernsehessays ergänzt. Filmautorin Manuela Klein würdigt dieses weltweit einmalige Ensemble romanischer Gotteshäuser in zeitgemäßer Filmsprache.

 

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos)
Die großen romanischen Kirchen in Köln
herausgegeben vom Förderverein Romanische Kirchen Köln,
176 Seiten mit 177 Farbfotos
Seit November 2014 als Sonderausgabe inklusive DVD erhältlich.
ISBN 978-3-7743-0615-8. Gebunden mit Schutzumschlag, Format 24 x 21 cm, 38 Euro

 

 

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