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rheinische ART 12/2013

Archiv 2014

DER MALER K.O.GÖTZ
Götz, COBRA und die Franzosen

 

Kunst war schon immer grenzüberschreitend. Dass in den ersten Nachkriegsjahren ein deutscher Maler, zumal ein Ex-Jägerleitoffizier, Bilder in Paris ausstellen konnte, war jedoch ungewöhnlich. K.O. Götz, damals 33 Jahre alt, konnte es. Im Februar wird der Hauptvertreter des deutschen Informel, der „Rakelmeister“ und gebürtige Rheinländer, 100 Jahre alt!

 

Eine große Werkschau in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ist derzeit dem bedeutendsten noch lebenden deutschen Informel-Künstler gewidmet. Karl Otto Götz, als K.O.Götz bekannt, wurde am 22. Februar 1914 in Aachen geboren. Er lebt im Westerwald und arbeitete, zeitweise geschwächt und teilweise erblindet, noch bis 2012. Acht Jahrzehnte Kunstschaffen sind sein Leben. Die Ausstellung rückt mit seinem Œuvre auch eine vielschichtige, turbulente Kunstströmung wieder ins Bewusstsein, um die es lange Zeit ruhig geworden war: das europäische Informel als Pendant des amerikanischen abstrakten Expressionismus.

Über Götz´ Werdegang, seine heimlichen abstrakten Bildentwürfe als Frontsoldat, die Experimente mit der freien gestischen Malerei (mehr) und seine Rolle als Mitbegründer des deutschen Informels (mehr) ist viel geschrieben worden. Ebenso über seine Maltechnik, mit der er schwungvoll und blitzschnell gegenstandslose Formen in farbigen Kleistergrund schrieb. Sein meistgebrauchtes Handwerkzeug war das „Kratzeisen“, die Rakel. Es sind denn auch seine Rakelbilder, die ihm internationale Aufmerksamkeit verschafften und heute als ein bildhaftes Synonym für K.O. Götz betrachtet werden dürfen.

 

Grenzgänger Doch wie gestaltete der junge Götz seine malerische Zukunft? Vielleicht lag es an seiner Aachener Herkunft, also dem Dreiländereck, der Nähe zu Paris oder Brüssel, oder an beidem, dass der junge Künstler anders dachte und handelte. Es ist eine Tatsache, dass Karl Otto Götz nach dem Krieg neben Willi Baumeister (1889-1955) - dem er übrigens seine erste Einzelausstellung 1946 in Wuppertal verdankte - derjenige Künstler war, der gezielt länderübergreifende Gemeinschaften suchte und grenzenfreie Kunst wollte. Seine Mühen wurden belohnt. K.O.Götz, den Franzosen verbunden, war einer der raren deutschen Maler, die es kurz nach Kriegsende überhaupt schafften, international in Erscheinung zu treten. Die Präsentation von Werken 1947 in der Pariser Galerie des Deux-Îles und seine Aufnahme in die Künstlergruppe COBRA zwei Jahre später markieren dieses Streben, sind Alleinstellungsmerkmale dieses ein Jahrhundert alten Malers.

 

Königsförde - Celle - Paris 1945 verschlug es Götz in den Flecken Königsförde nahe Hameln. Es war eine schwierige Zeit. „Ich sehe mich gezwungen, mit Kaffeesatz auf Klosettpapier zu malen. Trotzdem, die Zeit ist für uns!“ schrieb er dem Kritikerpapst Will Grohmann. Rund 90 Kilometer entfernt in Celle war ein Kulturschutzoffizier der MFAA (mehr), der britische Major William Gear, stationiert. Seine Aufgaben: Sicherung und Rückführung von Kunstwerken, darunter auch NS-Raubkunst und „Entartete Kunst“, die beim Celler Schloss deponiert waren sowie die Förderung deutscher Avantgarde-Künstler. Gear war kein unbeschriebenes Blatt in der Kunstszene, keiner aus der zweiten Reihe. Der 32-Jährige hatte Kunstgeschichte in Edinburgh studiert, war selbst abstrakter Maler und konnte bereits auf diverse Ausstellungen verweisen. Als Stipendiat war er 1937 nach Paris gekommen und hatte sein Wissen bei Fernand Léger vertieft.

     Es ist heute nicht klar, wann genau Götz und Gear in Kontakt kamen. Auf jeden Fall förderte Gear den Gleichaltrigen, beschaffte begehrtes Arbeitsmaterial und reiste 1947 mit „eingerollten Monotypien von K.O.Götz im Gepäck nach Paris“, so der Kunsthistoriker Martin Schieder. Götz´ Arbeiten wurden dort mit Werken der Franzosen Henri Goetz und Hans Hartung sowie des Belgiers Michel Seuphor gezeigt. Das war ungewöhnlich genug. Immerhin - so muss man bedenken - gab es zeitgleich noch zwangsverpflichtete deutsche prissonier de guerre in französischen Kohlegruben oder auf Weinbau-Domänen.

 

Die COBRA-Zeit: Kunst im Aufbruch Die kleine Schau in Paris weckte das Interesse der holländischen Maler Karel Appel und Constant Anton Nieuwenhuys (alias „Constant“), die ein Jahr später den Künstlerkreis COBRA, eine der wichtigsten Gruppen der späteren Informel-Maler in Europa, mitbegründeten. Sie boten Götz die Mitgliedschaft an. Vermutlich war hier der Einfluss von William Gear von Bedeutung, der der neuen Gruppe nahestand. 1949, bei der ersten großen Exposition der Vereinigung im Stedelijk Museum Amsterdam, war K.O.Götz bereit als Mitglied gelistet und persönlich vor Ort. 

     Die COBRA-Ausstellung blieb allgemein unverstanden, war eine gewollte Provokation, ein Skandal, und daher für alle erst einmal ein Erfolg. Obschon sich der Kunstverbund bereits nach drei Jahren auflöste, wirkt der „Spirit of COBRA“ aber weiter und ist bis heute eine Inspirationsquelle für Kreative.
     Ab 1950 war K.O.Götz regelmäßig in Paris. Jeder Besuch der Stadt mit der dichten Kunstszene, so wird er zitiert, wirke wie eine „Kraftspritze“ auf ihn und er meinte, dass man „viel verpasse, wenn man drei Monate nicht in Paris war.“ Schlüsselerlebnis für seine künstlerische Konzentration auf das Informel war schließlich eine Schau abstrakter Expressionisten im März 1951 in der Pariser Kunsthandlung Nina Dausset. Das Haus zeigte unter anderem Werke der US-amerikanischen Maler und Action-Painting-Pioniere Jackson Pollock und Willem de Kooning. Für Götz ein „Paukenschlag“, für seinen Begleiter, den Maler Bernard Schultze waren es gar „Erdbeben-Bilder“. Im Jahr darauf gründeten Götz, Schultze und andere die Künstlergruppe Quadriga, die den Kern des deutschen Informel bildete.

 

Vielschichtiges Œuvre In der Berliner Schau geben etwa 70 Hauptwerke von K.O.Götz Einblick in sein vielschichtiges Œuvre. Götz´ Werk ist geprägt von der Suche nach unmittelbarer, freier Form, nach einem „poetischen Ausdruck im Ungegenständlichen“, wie er es selbst beschreibt. Die Ausstellung lenkt den Blick auf serielle Prozesse, auf Zufälligkeiten, aber auch auf wiederkehrende Bildideen und Rhythmen, die den Bildern von K.O.Götz die bestechende Dynamik und Ordnung verleihen. Dabei wird auch Götz’ Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen, wie auf seine Schüler an der Kunstakademie Düsseldorf Sigmar Polke oder Gerhard Richter, offenkundig. Es ist bedauerlich, dass diese Ausstellung nicht im Rheinland präsentiert wird.
 

 COBRA war eine der wichtigsten Künstlergruppen des Informel. Sie wurde im November 1948 in Paris auf Initiative des Dänen Asger Jorn (1914-1973) gegründet. Der Name kombinierte die Anfangsbuchstaben der Herkunftsstädte ihrer Gründer, Copenhagen, Brüssel, Amsterdam, und unterstrich das Internationale des neuen Trends. COBRA stand für einen experimentellen, spontanen Kunststil und war Triebfeder auch der informellen deutschen Malerei.
     Formale Charakteristik von COBRA-Kunst und Informel sind der vitale, dynamische und impulsive Malvorgang. Das Ergebnis sind abstrakt-figurative Bilder ohne erkennbaren Gegenstand. Für diese Kunst wurde 1995 das COBRA-Museum of Modern Art in Amstelveen bei Amsterdam gegründet.

Klaus M. Martinetz

 

Die Ausstellung „K.O.Götz“ wird bis zum 2. März 2014 gezeigt.
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50,
10785 Berlin
Tel. 030 / 2664 424242

Öffnungszeiten
DI, MI, Fr 10-18 Uhr
DO 10-20 Uhr
SA, SO 11-18 Uhr

 

Literaturhinweis und Zitatenquelle:
Martin Schieder, Stromprickelnd befeuert, K.O.Götz und die Pariser Kunstszene in den 50. Jahren. K.Ö.Götz zum 90. Geburtstag. (erstmals veröffentlicht in: K.O. Götz – Impuls und Intention – Werke aus dem Saarland Museum; hrsg. von Ralph Melcher, Saarbrücken 2004, S. 67–78.)

 


 

 

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