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rheinische ART 07/2014

Archiv 2014

KRUPP: 1949-1967

Wachstum, Wohlstand, Wirtschaftswunder

 

Was war das für eine Zeit? Rauchende Schlote lösten Glücksgefühle aus. Stahlkocher vor glühendem Erz wurden als Helden inszeniert. Blümchenkleid und Petticoat, Fernseher und VW-Käfer gehörten zu den Symbolen eines neuen Lebensgefühls im Nachkriegsdeutschland.

 

Eröffnung des Krupp-Konsums Essen-Steele, 1951 © Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung / Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Aber es gibt auch eine andere Seite: Bilder, die unglaubliche Zerstörungen in Städten und Unternehmen dokumentieren. Derzeit ruft die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit der Ausstellung „Wirtschaft! Wunder! Krupp in der Fotografie 1949-1967“ die Nachkriegsjahre in Erinnerung. Zu sehen sind 114 Bilder und einige Objekte in den Räumen der Villa Hügel in Essen. Der Großteil dieser Fotografien wurde noch nie ausgestellt, und sie stammen aus dem reichen Bestand des Historischen Archivs Krupp.

 

Die Fotos der 1950er-/1960er-Jahre vermitteln Aufbruch und Zuversicht Rund 300.000 Aufnahmen stellen hier einen bislang kaum bekannten Schatz dar und sind eine wichtige historische Quelle. Mit der Schau öffnet die Stiftung damit zum zweiten Mal nach 2011 ihr Archiv für eine Exposition. Seinerzeit beleuchtete der größte rheinisch-westfälisch Schwerindustriekonzern mit der Sonderausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ (mehr) unter anderem auch die Frage, wie Fotografie im Industriemilieu verwendet wurde und welchen Zwecken sie diente.

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

In der Schmiede und Gießerei der Firma Krupp, Essen, 1962. Foto © Erich Lessing / Lessing Photo Archive, Wien / Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Wiederaufbau Die Zeit des Wirtschaftswunders war widersprüchlich: Wachstum und Wohlstand standen gigantischen Kriegsschäden und schmerzhafter politischer Aufarbeitung gegenüber. Ein Spannungsfeld, auch und besonders für das Unternehmen Krupp. Rund siebzig Prozent des Kruppschen Industriebesitzes wurden während des Krieges vernichtet und nicht nur das – der Image-Schaden durch das Verhalten im Nationalsozialismus war immens.
     Doch ab 1950 wurden Krupps „Drei Ringe“ wieder als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft wahrgenommen. „Krupp Rises From War’s Ruins“ titelte die US-Wochenzeitschrift Newsweek, und das Wirtschaftsmagazin Fortune beschrieb das „Comeback of the House of Krupp“. Es war nicht zuletzt die Macht der Bilder, die die Botschaft vom Aufstieg aus Ruinen in alle Welt trug.

 

 

DAS BILD WURDE AUS

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Radsatzwerkstatt in den Krupp-Maschinenfabriken, August 1964. Foto: © Fritz Henle / Fritz Henle Estate, Virgin Islands USA / Historisches Archiv Krupp, Essen


Fotografische Experimente In den Nachkriegsjahren waren neben Werksfotografen erstmals renommierte Reportagefotografen bei Krupp zu Gast. Zu ihnen gehörten der Magnum-Fotograf Erich Lessing und international anerkannte Größen wie Rene Burri, Josef Heinrich Darchinger (mehr), Fritz Henle, Robert Lebeck, Hilmar Pabel oder Albert Renger-Patzsch, die eine neue Bildsprache prägten. Sie experimentierten mit ungewöhnlichen Einstellungen in Schwarz-Weiß und auch in Farbe. Die Aufnahmen zeigen die Produktion, Werkssiedlungen, Messen, ausländischen Besuch und die Mitarbeiter, vom Lehrling bis zum Chef. Sie vermitteln die Aufbruchstimmung jener Zeit, in der ein neues Bild des alten Unternehmens entstand.

 

Ausstellungsstand der Firma Krupp, Messe Hannover, 1961 © Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung / Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Zeitreise Die Fotografien dieser Zeit dokumentieren ein neues Freizeit- und Konsumverhalten, Modernität und Aufgeschlossenheit für Neuerungen und Veränderungen. Sie werfen Schlaglichter auf die rasanten gesellschaftlichen Brüche, den Strukturwandel der Arbeit oder neue Produktionsfelder. Die Kuratoren Manuela Fellner-Feldhaus, Ute Kleinmann und Ralf Stremmel haben die Ausstellung in vier Abteilungen gegliedert. Sie behandeln die Zeit des Wiederaufbaus und der Zerstörung, zeigen exemplarisch Arbeiten externer „Fotojournalisten im Werk“, werfen unter dem Titel „Neues Sehen“ ein Schlaglicht auf die Bildsprache dieser Zeit und schließen mit dem Thema „Menschen am Arbeitsplatz“.
K2M

 

Die Ausstellung „Wirtschaft! Wunder! Krupp in der Fotografie 1949–1967“ wird bis zum 23. November 2014 gezeigt.
Villa Hügel
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
Hügel 15
45133 Essen
Telefon: 0201 / 61 62 9-0
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr

 

 

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