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rheinische ART 03/2014

Archiv 2014

RETROSPEKTIVE AUF ATHENS 4. BIENNALE (29.09. - 01.12.2013)
AGORA – Und was jetzt?
Von Georg Simet

 

In Petros Markaris‘ letztem Krimi, „Abrechnung“ betitelt, der am Silvesterabend des Jahres 2013 beginnt, hat Griechenland die Euro-Zeit bereits hinter sich gelassen und schickt sich an, wieder in Drachmen zu rechnen – wie in den besseren: alten Zeiten. Auch die 4. Athener Biennale zollte der Drachme ihre Reverenz: aber nicht als Hoffnung auf Wiederkehr, eher als Totenkult.

 

Der Schriftzug „Börse“ steht, thront, noch über den Säulen

Hauptausstellungsgebäude war die alte Athener Börse. Ein imposanter Bau, doch recht schüchtern in ein Ensemble von Bürgerhäusern integriert. Ein Refugium, das vor sich hin rottet, ausgedient, allein mit sich, seit der Euro kam. Ein imposanter Leichnam, wie es im Katalog heißt, ein Schrein, (Die Ästhetik des Unsichtbaren. Der Schrein als Zeug" mehr) der eigens aus Anlass der Biennale wieder, noch ein letztes Mal geöffnet wurde.


Vergangen Doch von innen wirkt der Körper ausgeweidet, aus der Zeit gefallen, dunkel. Der Putz bröckelt. Die Fenster gähnen nackt und schmucklos. Null Renovierung, Verfall pur. Zudem kaum Trubel, schon gar keine Geschäftsleute, kein Stress. In Front, als Altarersatz quasi, leuchtet die Anzeigetafel mit den Kursbewegungen von einst (vom 26. Juni 2007).

 

 

Der Künstler Giorgos Harvalias hat sie wiederbeschafft, eigens für die Ausstellung zurückgeholt, neu installiert. Ein Menetekel. Die Zeichen sind stehen geblieben, sinnlos; sie zeigen, was war: Die erstarrte Bewegung längst versiegter Aktienströme vom letzten Tag vor der endgültigen Schließung des Hauses. Keine Apokalypse, keine Auferstehung in Sicht.

 

Ständig wurde gesprochen, konzentriert gearbeitet, wurde telefoniert, wurden über Handys, Laptops, Tablets Informationen hin und her getauscht, wurden Aktionen verabredet.“

 

„AGORA“, in lateinischen Großbuchstaben geschrieben, lautete der Titel der Biennale. „Agora“ heißt Markt. Mindestens drei Märkte hat Athen: den antiken griechischen und den antiken römischen für die Touristen und den von heute für die Griechen von heute. Im Herbst kam dann noch (mindestens) einer dazu, ein kurzzeitiger, ein künstlicher. Schon immer war der Markt der Ort, an dem man sich traf, um Geschäfte zu machen, Neuigkeiten auszutauschen und sich miteinander zu besprechen. Schon in sokratischen Zeiten wurden öffentliche, das heißt politische, Angelegenheiten auf dem Markt erörtert. Nicht von ungefähr bezeichnet Aristoteles den Menschen als politisches Tier, als ein Tier, das die Fähigkeit hat, sich mit andern sprachlich auszutauschen, Diskurse zu führen. Natürlich ist auch die Börse ein Markt, ein Markt von Geldwerten. Doch der steckt in der Krise. So wollten sich die Athener denn einen Gegen-Markt, einen Markt der Kunst, schenken. In der Kunst-Börse, einer Börse im Kleinen, der Börse in der Börse, wurde daher auch gehandelt, getauscht.

 

Ein Markt der Kunst. Der allabendliche "Gegen-Markt"

 

Gegen-Markt Doch die Geldscheine, die hier ertauscht werden konnten, sind Kunst, von Künstlern eigens für die Kunstbörse erschaffen. Jeden Abend aus Neue wurden sie illuminiert, per Beamer an die Leinwand geworfen und konnten gegen kleine Gaben, zum Beispiel Kaffee- oder Reisbohnen, getauscht werden. Allabendlich, die Wiederkehr des ewig Gleichen.

 

Trotz allem Überhaupt wurde die Agora ein Fest für Augen und Ohren, ein gelungenes, vielfältiges, vielstimmiges Kontrastprogramm gegen die Krise. Kuratoren und Macher, um die 30 Personen engagierten sich, um einen „lebenden Organismus“ zu kreieren. „Engagierte Subjektivität“ nannten sie ihr Konzept. Gleich hinter der Eingangstür hatten sie ihre Zentrale. Lange Tischplatten, stapelbare Einkaufskisten als Hocker, kreuz und quer. Leute kamen, Leute gingen. Ständig wurde gesprochen, konzentriert gearbeitet, wurde telefoniert, wurden über Handys, Laptops, Tablets Informationen hin und her getauscht, wurden Aktionen verabredet.

 

"Was nun?" Anregungen für die Zeit danach

 

     Es ist unmöglich alle Aktionen, alle Aktivitäten zu würdigen. Der Katalog listet um die 100 Künstler mit einem oder mehreren Exponaten auf. Was bleibt, sind eher die unauffälligen, beiläufigen Rahmenaspekte. „Was nun?“ lautete das Motto der Ausstellung. Anregungen für die Zeit danach wurden jedenfalls genügend gesammelt.

 

 Vom 26. März bis zum 3. August 2014 ist eine Ausstellung von 32 griechischen Künstlern im BOZAR in Brüssel zu sehen. Unter dem Titel „No Country For Young Men“ verspricht sie, einen Einblick in die Kunst Griechenlands in Zeiten der Krise zu geben. Hier wird Kunst politisch.

 

©Fotos (5) AGORA

 

 

 

 

 

 

 

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