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rheinische ART 02/2017

Archiv 2017

ÄRGER UM FOTO-ERBE

Streit bei Sanders


Mit einem ungewöhnlichen Vorgang um den Nachlass des bedeutenden deutschen Fotopioniers August Sander beschäftigt sich die in Köln ansässige SK Stiftung Kultur, die dessen fotografisches Erbe betreut. 

 

August Sander Zirkusartisten, 1926–1932 © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

 

Anlass ist eine Pressemitteilung der Galerie Hauser & Wirth, die bekannt gegeben hatte, dass sie seit Februar 2017 in Kooperation mit dem Urenkel des Fotografen, dem Kölner Galeristen Julian Sander, den Nachlass des Großvaters August Sander (1876-1964) vertrete. Der Mitbegründer der Galerie, Iwan Wirth, ließ verlauten, es sei „eine Ehre und Freude, gemeinsam mit Julian Sander als Hüter von August Sanders glanzvollem Vermächtnis zu wirken.“

 

Die Stiftung reagierte auf die Mitteilung „mit Unverständnis“. Sie und ihre Photographische Sammlung seien die „einzige legitime Repräsentanz dieses Nachlasses von August Sander“. Im Dezember 1992 war das Foto-Erbe von Sander (mehr) von der Kulturstiftung der Stadtsparkasse Köln, heute SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, erworben worden. Verkäufer des Nachlasses war damals Gerd Sander, Enkel des berühmten Fotografen und Vater von Julian Sander.
     Die Stiftung verwies darauf, dass das Konvolut 10.700 originale Negative, cirka 3.500 Vintages, die originale Korrespondenz, die Privatbibliothek sowie Mobiliar und Teile der fotografischen Ausrüstung umfasse. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur betreue diesen Nachlass – das August Sander Archiv – wissenschaftlich, stelle Exponate daraus für museale Kunstausstellungen und für wissenschaftliche Publikationen bereit.

     Des Weiteren sei das Konvolut zwischenzeitlich unter anderem um einige tausend Vintages erweitert worden. Ziel der Arbeit der Photographischen Sammlung sei es, das Gesamtwerk von August Sander umfassend zu erschließen, der Öffentlichkeit vorzustellen und für die Nachwelt zu erhalten. Die Stiftung betonte, sämtliche Nutzungsrechte am Werk von August Sander - örtlich, inhaltlich und zeitlich unbeschränkt - lägen in ausschließlicher Form bei der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur.


Urenkel Julian Sander hatte der Galerie Hauser & Wirth ein Konvolut an Modern Prints aus Familienbesitz übergeben, um sie künftig mit dem renommierten Galeristen gemeinsam zu vermarkten. Die amerikanische Galeriefiliale hatte die Kooperation mit dem Urenkel am 9. Februar 2017 wie folgt angekündigt: „Hauser & Wirth is pleased to announce its worldwide representation of the Estate of August Sander in collaboration with the artist’s great grandson Julian Sander of Galerie Julian Sander, Cologne.“ Zu sehen sind diese Sander-Werke bereits in der New Yorker Niederlassung der Galerie, im Rahmen einer Gruppenschau, die auch Arbeiten von Bernd und Hilla Becher enthält.

     Ob dieser Vorgang ein Mißverständnis und einer unbedachten Wortwahl geschuldet ist, wird sich zeigen.
rART/K2M


 

                     

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