rheinische ART
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rheinische ART 10/2013

Archiv 2014

TAPA-KUNST

Reise in die Südsee

 

Der Werkstoff Tapa ist in Ozeanien omnipräsent, seine Verwendung multifunktional, die Ausstellung darüber opulent. Über 250 Exponate - Gemälde, Kleidungsstücke, zeitgenössische Installationen, Ritualmasken – hat das Kölner Ratenstrauch Joest Museum (RJM) zusammengetragen, um die Nutzung von Tapa, dem Rindenbast, zu zeigen. Eine ungewöhnliche Schau über eine Kunst und Kultur beiderseits der Datumsgrenze.

 

Detailausschnitt einer masi kesa (Tapa aus Fidschi, vor 1905) 294,3 x 109,5 cm, Foto: Rheinisches Bildarchiv © Rautenstrauch-Joest-Museum

 

Was, so fragt das Kölner Museum, haben der Entdecker James Cook, die Bounty-Meuterer und 15 Millionen Südsee-Bewohner gemeinsam? Die Antwort lautet: Tapa. Denn sie alle waren oder sind Nutzer dieses stofflichen Naturprodukts – und das äußerst vielfältig und fantasiereich. Die Baumrinde oder genauer der Rindenbast vom Papiermaulbeerbaum, ist fürwahr ein besonderer, gar einzigartiger Stoff. Er gilt heute wie vor hunderten von Jahren als die materielle Ausdrucksform pazifischer Identität. Dennoch ist dieser faszinierende Werkstoff in Europa bisher eher nur Fachleuten in seiner Bedeutung bekannt.

 

Made in Oceania

Die Sonderausstellung „Made in Oceania: Tapa – Kunst und Lebenswelten“ schafft hier Abhilfe. Sie nimmt den Besucher mit auf eine Südsee-Reise der besonderen Art. Denn auf knapp 1.400 Quadratmetern Schaustellfläche werden einzigartige, in vielen Fällen in Europa noch nicht gezeigte Tapa-Kunstwerke und Verwendungsformen präsentiert. Die Exponate stammen aus den Beständen des Kölner Museums, teils sind sie Leihgaben des neuseeländischen Nationalmuseums in Wellington und des Australian Museum in Sydney.
       Die Zeitspanne der gezeigten Arbeiten reicht vom späten 18. Jahrhundert – der über 200 Jahre alten Cook-Sammlung – bis zu rund 35 Werken zeitgenössischer Künstler aus Polynesien und Melanesien. Die Cook-Exponate stammen aus den Südsee-Expeditionen des Weltumseglers James Cook (1728-1779) und dessen deutschem Mannschaftsmitglied, dem Naturforscher Georg Forster (1759-1794). Diese historischen Rindenbaststoffe sind dünn und fein wie Seide, ihre Muster verblasst. Auch Tapa-Umhänge der Bounty-Meuterer um Flechter Christian zeigt das RJM. Mit großem Aufwand hatte das Museum einen aus eigenem Bestand stammenden Tapa-Raumteiler aus dem Jahre 1892 für die Ausstellung restauriert. Das Stück, 60 Quadratmeter groß und von den Fidschi-Inseln stammend, kann ohne Übertreibung als eines der eindrucksvollsten Objekte der Schau angesehen werden.
       Die Kölner Ausstellung sei, so ihr Kurator Oliver Lueb, die erste auf europäischem Boden, die sich so zeit- und raumübergreifend diesem sehr speziellen Produkt namens Tapa widmet. „Die Tapa sind eine kulturelle Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln in einer globalisierten Welt“, betont Lueb mit Blick auf die Material-Renaissance.

 

Fester Stoff aus Bast 

Tapa ist der Rindenbast unter der äußeren Borke der Bäume. Er wird abgelöst, gewässert und durch Schlagen breitflächig ausgearbeitet. Durch die Verfilzung der Fasern entsteht ein fester Stoff, der wiederum zu Bahnen verbunden wird. Diese können farbig oder schwarz-weiß bemalt werden. In der Südsee wird Tapa traditionell zu Bekleidung – wie etwa auf Hawaii - verarbeitet, als textiler Stoff findet er weiter als Schlafunterlage, Vorhang oder Decke Verwendung. In einzelnen Regionen wie in Polynesien dienen verzierte Tapa-Stoffe als Leichentücher oder wertvolle Geschenkverpackung. Als repräsentative Ausstattung sind Tapa-Tücher wiederum bei Festen und Zeremonien auf den Tonga- und Fidschi-Inseln üblich, oder als Hochzeitsgabe in Samoa.

   In der gesammten Südsee haben die Baststreifen fast mystischen Charakter. Auf Tahiti, so ist überliefert, schälten Oberpriester bei Vollmond die Maulbeerbäume an ihren Kultstätten und ließen aus dem gewonnenen Tapa Kleidungsstücke für die Götterfiguren herstellen. Gleich viermal jährlich wurde geschält, und ebenso oft Statuen enthüllt, gesalbt und feierlich mit Tapa-Gewändern neu „eingekleidet“. Ein Ritus allerdings nicht fürs gemeine Volk, sondern allein nur für Priester und Eingeweihte.

 

Temporary Art und Tapa

 

Kasuar von Timothy Akis (1974), Siebdruck, Foto: Weltkulturen Museum Frankfurt a.M. © Sammlung Weltkulturen Museum Frankfurt a.M.

 

In der pazifischen Gegenwartskunst ist Tapa wieder ein vielbenutzter Stoff. In Köln sind mehrere großformatige und farbenfrohe Werke zum Beispiel des neuseeländischen Künstlers Fatu Akelei Feu’u zu sehen. Der 67-jährige Maler und Skulpteur gilt als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler im pazifischen Raum. Durchweg bedient sich die pazifische Temporary Art der alten Formen und Muster, füllt sie jedoch, wie der Installationskünstler Michel Tuffery mit einer großräumigen Arbeit unterstreicht, mit modernen Inhalten.

     Zurück zu den Wurzeln – dies ist in Ozeanien mittlerweile ein raumgreifendes Phänomen. So werden in Teilen von Papua-Neuguinea die Schüler zu einem wöchentlichen Kulturtag (cultural day) angehalten. Dann wird traditioneller Tapa getragen, und T-Shirt und Jeans verschwinden im Schrank.

 

Der Rolle von Tapa in der historischen Studiofotografie des 19.Jahrhunderts ist in Köln ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. Das in Europa zunächst unbekannte Material wurde für die Inszenierung und Exotisierung der porträtierten Inselbewohner genutzt. Hier kontrastieren ausgewählte Beispiele aus dem historischen Fotoarchiv des RJM mit Fotoarbeiten der neuseeländischen Künstlerin Shigeyuki Kihara, die 2008/09 eine Einzelausstellung im MoMA in New York hatte.

 

Als spezielles Schaustück mit Themenbezug hat das RJM die Fotoarbeit „Ocean III“ von Andreas Gursky gehängt. Gursky verwendet in dieser Arbeit hochauflösendes Satelliten-Material und ergänzt es mit verschiedenen Bildquellen aus dem Internet. Bei „Ocean III“ werden die Übergangszonen zwischen Land und Wasser sowie auch die weite Fläche des pazifischen Ozeans vollständig künstlich erzeugt. Damit veränderte sich die Perspektive, der Fotokünstler rückt ins Zentrum, was die traditionelle Kartografie eher am Rande behandelt: das Meer.
Klaus M. Martinetz

 

Die Ausstellung „Made in Oceania, Tapa – Kunst und Lebenswelten“ ist bis zum 27. April 2014 zu sehen.
Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt
Cäcilienstrasse 29-33
50667 Köln
Tel. 0221 / 221-31356
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr

 

 

 

 

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