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rheinische ART 10/2017

JOAN MIRÓs
Monsterwelt


„In der Plastik erschaffe ich eine wahrhaft traumhafte Welt lebender Monster.“

 

Joan Miró Fliehendes junges Mädchen, 1967, bemalte Bronze, Collection Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul-de- Vence, France © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 

 

Nein, sie leben nicht, die Monster des Joan Miró (1893 – 1983). Aber mit ein wenig Phantasie können sie leicht zum Leben erweckt werden. In einer imaginären Welt könnten die Monster und Mönsterchen durchaus ihre Bewohner sein.

 

Miró, der spanische Surrealist, der Maler und Bildhauer war, hat diese Geschöpfe geschaffen. Viele hat er in Bronze gegossen, etliche farbig bemalt und sie wirken wie mit einem intensiven Himmelblau, einem knalligen Ampelrot oder strahlendem Sonnengelb übergossen. Ihr Werdungsprozess begann mit einem Blick des Künstlers auf Alltagsgegenstände, die in seiner Vorstellung alles sein konnten: ein Körper, ein Kopf, Arme, Füße … und die einmal in Mirós Händen nicht mehr Bürste, Eimerdeckel, Absperrhahn oder Kiste sein mussten.

 

Die Ausstellung im Max Ernst Museum in Brühl entstand in enger Zusammenarbeit mit der Fondation Marguerite et Aimé Maeght (mehr), die im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence ein außergewöhnliches Museum moderner Kunst betreibt. Die meisten der in Brühl präsentierten Plastiken, Zeichnungen und Malereien stammen von ihr.

 

 

Joan Miró Ausstellungsansicht Foto © rheinische ART. 2017

 

Insgesamt sind es 67 Werke, die gezeigt werden. Dass die Fondation ein so großes Konvolut von Joan Miró zur Verfügung stellen kann, ist sicherlich auf die enge Freundschaft des Sammlerpaares mit dem Künstler zurück zu führen. Auch geschäftlich waren sie liiert, denn Aimé Maeght war nach dem Zweiten Weltkrieg der Pariser Galerist von Miró.

 

Joan Miró Ohne Titel, nach 1934, Collage und Übermalung auf Fotografie von Horacio Coppola, Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Successió Miró

 

Joan Miró Frau mit zerzaustem Haar, 1969, Bronze, Collection Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul-de-Vence, France © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Joan Miró Der Tagesanbruch I/III, 1964, Öl auf Leinwand, Collection Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul-de-Vence, France © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Der Katalane Miró, der sich vorzugsweise im Winter in Paris aufhielt und mit einigen Künstlerkollegen – hierzu zählen Hans Arp (mehr) oder René Magritte - am Montmartre praktisch Tür an Tür wohnte, traf hier zudem Max Ernst, mit dem er in den 1920er Jahren zusammen Bühnenbilder und Kostüme entwarf. In der französischen Kunstmetropole begegneten ihm bedeutende Kreative, gleich, ob sie denn Schriftsteller oder Maler waren. Alberto Giacometti zählt dazu, Man Ray (mehr), Alexander Calder (mehr) und andere. Pablo Picasso erwarb von seinem jüngeren Landsmann ein Selbstportrait und Ernest Hemingway das Gemälde Der Bauernhof (1921/22), in welchem Miró vermutlich erstmalig klassisch Gegenständliches mit Abstraktem verband. In Paris nahm Miró an mehreren Dada-Aktivitäten (mehr) um Tristan Tzara (mehr) teil und kam darüber zum Surrealismus.


Im Surrealismus endlich fand Miró seine eigene Bildsprache. Sie kommt mit erstaunlich wenigen Formen aus und am besten verdeutlicht dies Mirós Ausspruch: „Es gibt drei Formen, die mich ständig verfolgen: ein roter Kreis, der Mond und ein Stern.“
     Wer die unnachahmlichen Arbeiten Mirós, vorzugsweise in Keramik, in Saint-Paul-de-Vence schon einmal besichtigt hat, erlebt in Brühl einen weniger bekannten Miró aus diesem Hause. Rund 40 bis zu drei Meter hohe Plastiken bilden das Herzstück der Schau. Ihre formelle Leichtigkeit straft der Schwere ihres Materials, der Bronze, Lügen. Als Figuren sind sie Monster, die allerdings durch ihre Selbstverständlichkeit eine Unbeschwertheit in sich tragen, die, bei allem Ernst, viel Humoristisches ausstrahlen.

 

Joan Miró Ausstellungsansicht Foto © rheinische ART. 2017

 

Für Miró, den Surrealisten, gab es - erstaunlicherweise - keine Abstraktion. Alles sei ein Zeichen für etwas, wird Miró im die Ausstellung begleitenden Katalog zitiert, und er habe die erkannten Zeichen, ob sie ein „Mensch, Vogel oder irgendetwas“ waren, schlicht zusammengefügt.
     Der Künstler hat die Kombination von Dingen, die eigentlich nicht zusammengehören, zur Perfektion gebracht und seinen Gestalten, und damit sind wir wieder beim eingangs erwähnten „Leben“, ebendieses eingehaucht.
Irmgard Ruhs-Woitschützke


 Die offene Bildsprache des Joan Miró und seine Idee „Kunst für alle“ wird vom Max Ernst Museum mit Hilfe einer interaktiven App in unser digitales Zeitalter transportiert. Mit dieser können die Besucher mit ihrem Smartphone die den Werken beigefügten Aufkleber scannen, sammeln, zu einem virtuellen eigenen Monster ergänzen und zudem ein Selfie machen. Entwickelt wurde die App von der Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln.

 

Die Ausstellung „Miró. Welt der Monster“ ist bis zum 20.01.2018 zu sehen.
Max Ernst Museum
des LVR in Brühl
Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl
Tel. 02232 / 5793-0
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

Foto: Ausschnitt Flaschen,

Öl auf Leinwand, 2017

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

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