rheinische ART
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rheinische ART 01/2014

Archiv 2014

MULTIDISZIPLINÄR 
Mit alter Kunst im Dialog

 

Sarah Westphals Blick auf alte Kunst ist ein spezieller. Vorsichtig, die Geschichte erforschend, Wirkungen ausprobierend, auch erlebend, setzt sie sich mit ihr auseinander. Ihre überraschenden Arbeiten sind höchst aktuelle, zeitgenössische Resultate dieser Beschäftigung mit historischer Kunst.

 

Sarah Westphal (*1981 in Wermelskirchen) ist nun gleich zwei Mal zu sehen: im Kölner Wallraf Richartz-Museum und im Antwerpener Mayer van den Bergh-Museum.

 

Wallraf Richartz-Museum
Timpano Parallel zu der großen Sonderausstellung „Geheimnisse der Maler“ (mehr) präsentiert das Museum in seiner Mittelalter-Abteilung neun ausgewählte Arbeiten der in Gent und Berlin tätigen Künstlerin. Ihre Fotografien treten an die Stelle der in der Sonderschau gezeigten Hauptwerke wie der „Muttergottes in der Rosenlaube“ von Stefan Lochner. Eindrücklich thematisieren Westphals Arbeiten deren vorübergehende Abwesenheit.
   Die großformatigen, oft mehrteiligen Fotografien sind rätselhaft. Faltungen und Spiegelungen, Schleier und Vorhang sind wiederkehrende Motive. Tiefgründig lotet Westphal den Themenbereich des Verhüllens und Enthüllens aus. Ihre Arbeiten sollen die Meisterwerke nicht ersetzen, sondern auf ihr Fehlen, gleichsam einem „Fasten der Augen“, so die Künstlerin, hindeuten.

     Damit steht sie in einer langen Tradition: Der Ausstellungstitel „Timpano“ bezieht sich auf eine historische Gattung aufgespannter Textilien, die dem Schutz oder der Verhüllung kostbarer Gemälde dienten.

 

Museum Mayer van den Bergh
Allure Craquelure Die historische Sammlung aus der Innensicht der Gegenwartskünstlerin: In privatem Ambiente versucht Sarah Westphal, dem „Erbe“ des Sammlers Fritz Mayer van den Bergh „Leben“ einzuhauchen.

     Es ist eine geistige Begegnung des Sammlers mit der Künstlerin und Westphal lässt sich ganz real darauf ein, indem sie quasi als „Hausherrin“ in das Museum van den Bergh, dem „Zuhause“ des Sammlers, einzieht. Westphal räumt auf, macht Hausputz, verschiebt Möbel, schaut in Schränke, Kisten und Schubladen, blättert durch Fotoalben. Sie kommt den ausgestellten Kunstwerken sehr nahe, schmeichelt, erkundet und verändert, manipuliert und rekonstruiert - und verleiht durch neue Anschauungen neue Bedeutungen. Ihr Vorgehen hat etwas Experimentelles, auch Wagemutiges und distanziert sich von analytischer Rezeption. Westphals Blick ist ein persönlicher.

 

Sarah WestphalAllure Craquelure, Museum Mayer van den Bergh, Antwerpen

 

Zum Titel Mit „Allure Craquelure“, mit einem kurzen Reim – einer „Spielerei“ -, verweist die Künstlerin auf die Ausstrahlung des Museums als Haus von Artefakten: mit seinen zuweilen üppig ausstaffierten Interieurs, mit kunstvoll geschnitzten Vertäfelungen, farbenprächtigen Tapeten, Buntglasfenstern, stattlichen Kaminen und reichhaltig mit Ornamenten verzierten Treppen („Ein Museum mit Allüren“) und auf die Aura, die ein Kunstwerk umgibt („Eine Skulptur mit Allüren“).

     Auch das Imposante des Wortes „Allüren“ bringt Westphal zum Ausdruck. Mit einer Inszenierung aus Licht und Schatten versucht die Künstlerin, die Dramatik eines Gemäldes bis zum Äußersten zu intensivieren. Die große Madonnensammlung lässt sie zu einem einzigen geballten Bild der Frömmigkeit verschmelzen. Stücke aus glänzender und aufgeplatzter Haut und die abgewetzten Knie einer vielfarbigen Figurengruppe hingegen zeigen im Gegensatz zu den distinguierten Allüren die „craquelures“ der Kunstwerke. Die „Craquelures“ im Titel verweisen auf die Risse in Farbe oder Firnis der historischen Werke. Diese Kratzer und Risse bringen zum Vorschein, was darunterliegt: Firnis, Farbe, Vergoldung – weg. Schicht um Schicht tritt die Geschichte zum Vorschein.


„In ihrem multidisziplinären Werk erforscht Sarah Westphal die Beziehung zwischen Personen, Gegenständen und ihrer Umgebung. Im Zentrum steht die Frage danach, wie Eigenschaften von Raum und Architektur zu unserem menschlichen Erleben beitragen. [...] Sie begreift dieses Museum als großes Haus, in dem die Kunstwerke die Räume bewohnen und als 'Bewohner' sehr menschliche Allüren annehmen“, notiert das Museum zu Westphals Arbeit.

 

 Fritz Mayer van den Bergh (1858 – 1901) erwarb zu Lebzeiten eine Sammlung aus Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen sowie eine Vielzahl von Gegenständen aus der angewandten Kunst wie Möbel, Porzellan, Glaswaren, Textilien, Schmuck und Plaketten. Sein Interesse galt vor allem der Kunst der Niederlande aus dem späten Mittelalter und der Renaissance. Die Mutter Henriette gab der Sammlung ihres Sohnes nach dessem frühen Tod in dem eigens dafür gebautem Museum ein „Zuhause“.
Franziska Bradel

 
 

Die Ausstellung „Sarah Westphal. Allure Craquelure. Historische Sammlung zeitgenössisch ausgeleuchtet“ ist bis zum 21. April 2014 zu sehen.
Museum Mayer van den Bergh
Lange Gasthuisstraat 19
2000 Antwerpen
Belgien
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 17 Uhr

 

Die Ausstellung „Sarah Westphal – Timpano. Zeitgenössische Fotokunst trifft alte Meister“ war bis zum 2. Februar 2014 zu sehen.
Wallraf- Richartz-Museum
Obenmarspforten (am Kölner Rathaus)
50667 Köln
Tel. 0221 / 221-22119
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
DO 10 – 21 Uhr

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

(Foto: Ausschnitte

Öl auf Leinwand, 2017)

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

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