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rheinische ART 10/2017

POLNISCHE AVANTGARDE
Das Auge täuscht nie


Mit einer Präsentation früher moderner Fotografien der Zwischenkriegsjahre erinnert das Polnische Institut Düsseldorf an eine interessante Kunstphase seines Landes. Eine Fotosammlung mit Überraschungen.

 

Kazimierz Podsadecki Miasto młyn życia, (Stadt, Mühle des Lebens), 1929, Foto © z kolecji Muzeum Sztuki w Łodzi (Sammlung Kunstmuseum Lodz)

 

Anlass für die bemerkenswerte Foto-Galerie sind die Hundertjahrfeiern der Avantgarde in Polen und der 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit nach den Teilungen.


„Das Wort täuscht – das Auge nie. Die Moderne in der polnischen Fotografie 1918-1939“ heißt die Ausstellung; sie spiegelt jene zwei dynamischen Jahrzehnte, in denen in ganz Europa das Medium Fotografie geradezu explodierte.
     Zum einen wuchs die Amateurfotografie rasant, zum anderen waren es die professionellen Fotografen, die nach neuen Wegen suchten. Schwarz/Weiß-Fotos ergänzten mit ihrer visuellen Information immer mehr die bis dahin sehr textlastigen Presseerzeugnisse. Mit der Sprache der Bilder setzte sich schnell ein neues Phänomen durch: die bebilderte Massenzeitschrift.
     Wie überall galt auch in der polnischen Kultur- und Kunstszene der Zwischenkriegszeit die Fotografie als innovatives Mittel, das wie kein anderes für eine neue Art des Sehens und der Wirklichkeitsdarstellung geeignet war. Mit der experimentellen Fotografie wollte man die Moderne erfassen. Und diese Moderne hieß auch hier vor allem technischer Fortschritt, Industrialisierung und Urbanisierung, Stadtkultur und Fabrikarbeit.

 

Janusz Maria Brzeski Dwie cywilizacje, z cyklu „Narodziny robota”, 1933 (Zwei Zivilisationen, aus der Serie “Die Geburt eines Roboters”) Foto © z kolecji Muzeum Sztuki w Łodzi (Sammlung Kunstmuseum Lodz)

 

Die Ausstellung zeigt bekannte polnische Avantgarde-Künstler wie etwa den Grafiker, Fotografen, Kunstkritiker und Filmemacher Janusz Maria Brzeski (1907-1957). Durch Aufenthalte in Paris war Brzeski mit dem Dadaismus (mehr) in Kontakt gekommen und trat mit surrealistischen, teils politisch ausgerichteten Fotomontagen in der Tradition eines John Heartfield (mehr) an die Öffentlichkeit.

     Brzeskis bekannte Bildkomposition „Zwei Zivilisationen“ von 1933 zeigt etwa in einer Fotomontage die Büste des Dichters Virgil mit den Säulen und Ruinen eines alten Tempels, darüber einen bewölkten bis stürmischen Himmel, vor dem ein Doppeldecker heranfliegt. Diese populäre Montage wird nicht nur als Vorbote einer neuen Epoche interpretiert, sondern auch als Ahnung einer heraufziehenden Katastrophe namens Zweiter Weltkrieg.

 

Janusz Maria Brzeski Fotoquelle National Digital Archives, Polen

 

Brzeskis Schaffen stellte wie das seiner Kollegen Kazimierz Podsadecki und Stefan Themerson im polnischen Kontext eine singuläre Erscheinung dar, wie die Kuratoren des Instituts betonen. Weitere Fotografen, die mit den Kameras experimentierten, waren die Lichtbildner Jan Neuman, Witold Romer und Krystyna Gorazdowska.

     Sie alle gehörten der ersten Generation der polnischen Avantgarde-Künstler an, die mit den Protagonisten in Westeuropa eng verflochten war. Bereits 1932 wurde in Lodz eine Kollektion moderner internationaler Avantgarde-Kunst ausgestellt, darunter Werke von Arp, Calder, Ernst, Picasso und Schwitters und damit gleichzeitig die Basis für eines der ersten Museum weltweit gelegt, das sich der Kunst der Moderne verschrieb.

 

Krystyna Gorazdowska Na zakręcie (Auf der Wende), 1937, fotografia czarno-biała, kolekcja: Muzeum Sztuki w Łodzi

 

Die Fotografien sind teils verblüffend. Sie waren das Ergebnis von Versuch und Irrtum und der programmatischen Suche nach neuen Sichtweisen. Das Arsenal der Fotokünstler umfasste abstrakte, kameralose Fotografie, Fotomontage sowie eine Reihe von Kompositionsverfahren wie untypische Perspektiven oder Kadrierungen.

     Diese Tendenzen drangen bis in die Presse und Illustrationen vor. Der neue Blick auf die Welt und die innovative Art der Aufzeichnung sollte sowohl dem Durchschnittsrezipienten bei der Bewältigung der mit der Moderne einhergehenden Herausforderungen helfen als auch eine - den neuen Zeiten möglichst adäquate - Sprache schaffen. Eine Sprache, die bis heute genutzt wird und durch ihre Form und Prägnanz fasziniert.


Parallel und quasi als Ergänzung präsentiert das Museum Jerke in Recklinghausen Exponate zu moderner polnischer Typographie aus derselben Zeitspanne. Die Schau zeigt die für das Bild der Moderne in Polen wichtigen Tendenzen und Experimente auf dem Feld des Graphikdesigns.

     Im Mittelpunkt steht Władysław Strzemiński (1893-1952), der Urheber der Idee des funktionalen Drucks (der funktionalen Satzweise). Strzemiński war der führende Kopf der polnischen Konstruktivisten. Er hatte 1918 bei dem russischen Avantgarde-Meister Malewitsch in Moskau studiert und danach mit ihm an der Kunstschule Witebsk gearbeitet.

rART


Die Ausstellung „Das Wort täuscht - das Auge nie. Die Moderne in der polnischen Fotografie 1918-1939“ wird bis zum 15. Dezember 2017 gezeigt.
Polnisches Institut Düsseldorf (Galerie)
Citadellstr. 7
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 86696-0
Öffnungszeiten
DI, MI 11 - 19 Uhr
DO, FR 11 - 16 Uhr

 

Die parallele Schau „Die Moderne in der polnischen Typografie 1918-1939“ wird bis zum 15. Oktober 2017 gezeigt
Museum Jerke
Johannes-Janssen-Straße 7
45657 Recklinghausen
Tel. 02361 / 9096808
Öffnungszeiten
FR 14 - 18 Uhr
SA 11 - 15 Uhr

 

 

 

 


 

 

  

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bis 11.11.2017

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