rheinische ART
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rheinische ART 09/2017

DÜSSELDORFER MALERSCHULE
Andreas Achenbach


Sein neunzigster Geburtstag wurde von der Stadt Düsseldorf gebührend gefeiert, begeisterte Bürger säumten die Straße, als Andreas Achenbach mit seinen Töchtern in der Kutsche durch die Stadt fuhr. Die Schadow-Straße, in der das Achenbach-Haus stand, wurde festlich illuminiert und ein Feuerwerk gezündet.

 

Andreas Achenbach Zweige eines Laubbaums, Studie, Tivoli 1844, Öl auf Papier. Privatsammlung Museum LA8 Baden-Baden

 

Die Erhebung in den Adelsstand lehnte der Maler wiederholt ab und in der Festbeilage des damaligen Düsseldorfer Generalanzeigers stand über den Künstler zu lesen: „So wie sein ungewöhnlicher Weg und der Erfolg zur Höhe führt, er auch Düsseldorf als Kunststadt Weltruhm verschaffen half.“

 

Es ist das Museum Kunstpalast in Düsseldorf, das als Haus mit einer anerkannt einzigartigen Sammlung der Düsseldorfer Malerschule (mehr) dem Protagonisten jener Zeit, Andreas Achenbach (1815 in Kassel – 1919 in Düsseldorf) unter dem Titel Revolutionär und Malerfürst eine Schau widmet, von der es heißt, dass sie mit „ ...größtenteils unveröffentlichen Werken und Lebensdokumenten“ des Landschaftsmalers aufwartet.

 

Andreas Achenbach Twilight, 1859, Öl auf Leinwand. Privatsammlung © Museum LA8 Baden-Baden

 

Mag der Titel auch etwas pathetisch anmuten, inhaltlich ist er voll und ganz zutreffend. Andreas Achenbach wurde bereits im 19. Jahrhundert in den USA gezeigt, seine Arbeiten hingen in öffentlichen Ausstellungen in Paris und Prag. Sein Auftragsbuch war so voll, dass er seine Kunden manchesmal über ein Jahr vertrösten musste, bis er sie malerisch bedienen konnte. Seine Gemälde erzielten Höchstpreise, die ihm ein großbürgerliches Dasein gestatteten. Bereits zu seinen Lebzeiten zollte ihm die Kunstkritik Bewunderung: „Er ist in einem Sinne, wie es kaum jemals ein Maler war, auch Claude Lorrain oder Ruysdael nicht, der Herrscher über Land und Meer.“

 

Andreas Achenbach Ein ächter Volksvertreter, in: Düsseldorfer Monatshefte, 1848 – 49. Privatsammlung © Museum LA8 Baden-Baden

 

Der „Revolutionär“ im Titel meint eine eher unbekannte Seite Achenbachs. Der Künstler war gesellschaftlich interessiert und engagierte sich in dem ihm möglichen Rahmen - eben mit Stift und Pinsel - während der 1848er Revolution gegen den preußischen Obrigkeitsstaat. Seine bitterbösen, politischen Karrikaturen zeugen nicht nur von seinem Freigeist, sie brachten ihm ebenfalls den Ruf ein, ein deutscher „Daumier“ (mehr) zu sein. Ein Blick auf diese Zeichnungen ist in der Tat selten möglich.
     Zeit seines Lebens war Achenbach Maler, und diese Karriere nahm früh ihren Lauf. Bereits mit drei Jahren fing er an zu zeichnen und mit sechs Jahren, so ist es in dem Essay „Andreas Achenbach. Herrscher über Land und Meer. Lebensabschnitte eines Malerfürsten“ von Wolfgang Pfeiffer im Katalog der Ausstellung nachzulesen, „ … erklärte der Zeichenlehrer, habe Andreas ausgelernt und der Vater sagte, Andreas könnte alles“. In diesen Jahren lebte Achenbach in St. Petersburg. 1823 zog die Familie nach Düsseldorf.
     Bereits als Zwölfjähriger soll Achenbach an der Kunstakademie unterrichtet worden sein, ab dem Wintersemester 1830/31 wird er offiziell als Schüler im Fach Malkunst geführt, wo er auch die Landschaftsklasse von Johann Wilhelm Schirmer (mehr) besuchte. Dass die Liebe Achenbachs zum Meer, zum Wasser, aus seinen Jahren in St. Petersburg rührt, ist naheliegend. Auch das Licht, das er so magisch in seinen Gemälden in Szene zu setzen verstand und so manchen Betrachter zu frühimpressionistischen Eindrücken führt, mag hier seinen Ursprung haben.

 

Andreas Achenbach Die Bucht von Neapel mit rauchendem Vesuv, 1845, Öl auf Leinwand. Privatsammlung © Museum LA8 Baden-Baden

 

Eine Reise nach Italien, die ihn natürlich bis in die Spitze des Stiefels und nach Palermo auf Sizilien führte, hat wohl ebenfalls dazu beigetragen. Ausgestattet mit einer großen Neugierde auf die Natur setzte er seine Eindrücke oft in dramatischen Szenen um. Der Naturalismus war seine Passion und Achenbach zählte zu den Leitfiguren einer neuen Landschaftsmalerei. Die italienische Verführung hinsichtlich Licht und Farbe zeigt sich in einem unnatürlich anmutendem Blau des Himmels in „Die Bucht von Neapel mit rauchendem Vesuv“ von 1845. Es ist ein fast meditatives Stimmungsbild, das Achenbachs feine Gespür für die Natur, auch wenn diese nicht mit sturmgepeitschten Gezeiten oder mit tosenden Unwettern ihre Urgewalt aufzeigt, demonstriert.

 

Andreas Achenbach Zug der Künstler, 1837, Lithografie auf rotem Grund, Blatt 4 (von 4). Privatsammlung © Museum LA8 Baden-Baden

 

Für Düsseldorf hat Andreas Achenbach Bedeutendes wie Nachhaltiges geleistet. Dass die Künstlervereinigung im namhaften Malkasten (mehr) ihren Sitz hatte und hat, ist seiner Bereitschaft zur Vorfinanzierung von Haus und Park zu verdanken. Aber nicht nur der bildenden Künstlervereinigung gehörte er an. Er war zudem aktives Mitglied im Düsseldorfer Anti-Musikverein, einem Stammtisch, der für gute Musik stritt und bei allem Ernst für Scherze - immer mit rheinischem Humor - höchst aufgeschlossen war. Der Düsseldorfer Musikdirektor Robert Schumann musste mit mancher Spöttelei leben, was eine tiefe Antipathie provozierte. Das Tagebuch dieser Vereinigung ist wie viele Skizzenbücher Achenbachs ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

 

Andreas Achenbach Große Marine mit Leuchtturm, 1836, Öl auf Leinwand. Privatsammlung © Museum LA8 Baden-Baden


Die ersten Erfolge als Maler erfuhr der erst sechszehnjährige Achenbach ebenfalls in Düsseldorf. 1831 stellte er sein Gemälde „Die alte Akademie in Düsseldorf“ im Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen aus, der das Werk erwarb. 1836 auf der „Allgemeinen deutschen Kunstausstellung“ in Köln gelang ihm mit dem Ankauf des Gemäldes „Große Marine mit Leuchtturm“ von 1836 durch Prinz Friedrich von Preußen, Statthalter der Rheinprovinzen, als Zwanzigjähriger der Durchbruch.


 Die präsentierten Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skizzenbücher, Briefe und Dokumente stammen aus einer privaten Sammlung, die über Jahre von einem Achenbach-Kenner zusammengetragen wurden. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum LA8 in Baden-Baden.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Andreas Achenbach. Revolutionär und Malerfürst“ ist bis zum 01. Oktober 2017 zu sehen.
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 56642100
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr
DO 11 – 21 Uhr


  

 

 


  

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