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rheinische ART 06/2017

Archiv 2017

WILL SHAKESPEARE & BEN JONSON
Genies der Feder

 

Das Shakespeare-Festival in Neuss schaut ja gerne nicht allein auf den großen Dichter William Shakespeare, sondern auch über ihn hinaus auf die Theaterwelt seiner Zeit. In diesem Jahr steht Ben Jonsons Komödie The Alchemist auf dem Programm.

 

Szene aus "The Alchemist" der Mountview Productions unter der Regie von Stephen Jameson, London. Foto © Mountview Productions 2017

 

Wer ist Ben Jonson? Er ist ein Zeitgenosse Shakespeares und gilt nach diesem als der bedeutendste englische Dichter und Dramatiker der Renaissance. Die beiden Meister kannten sich, sie schätzten sich und noch mehr respektierten sie sich in ihrer Arbeit.

     Shakespeare höchstpersönlich soll es sich nicht haben nehmen lassen, in Jonsons Stücken aufzutreten und Jonson war es, der das erste Folio Shakespeares nach dessen Tod zusammentrug. Von ihm stammt auch der Satz über Shakespeare, der sich bis heute bestätigt: „Nicht einer Zeit gehört er, sondern allen Zeiten!“

 

Will Shakespeare and Ben Jonson at the Mermaid Tavern Foto © Shakespeare Festival

 

Jonsons Werk überdauerte allerdings nicht wie das seines Kollegens die Jahrhunderte. Die Zeitgenossen hätten darüber vermutlich den Kopf geschüttelt. Sicher, Jonson und Shakespeare waren extreme Gegensätze: Jener ein Klassiker, für den die Einheit von Zeit und Ort unabdingbare, weil in der Antike verankerte Gesetze waren; dieser hingegen ein Romantiker, der kein Problem damit hatte, eine Handlung über sechzehn Jahre zu spreizen oder seine Akteure im Laufe eines Abends von Pontius zu Pilatus, von Sizilien ans böhmische Meer oder von Athen ins Elfenreich zu schicken. Dafür hat ihn Jonson hin und wieder in seinen eigenen Stücken geneckt, während Shakespeare ihm umgekehrt verschiedene kleine Rippenstöße versetzte, ohne dass man sich auf Säbel oder Morgenstern gefordert hätte – was dem Jüngeren (Ben Jonson 1572 - 1637) der beiden durchaus zuzutrauen gewesen wäre: Immerhin hatte er nach einem tödlichen Duell selbst bereits den Strick um den Hals, als er dank der Intervention klerikaler Kreise begnadigt wurde.

 

Das Globe-Theater in Neuss an der Rennbahn. Foto © Christoph Krey / Shakespeare Festival


Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu begreiflich, dass der – englische – Regisseur Stephen Jameson mit seiner Truppe, der Mountview Academy, in diesem Jahr einmal einen gezielten Kontrapunkt ins Neusser Globe bringt. In dieser Inszenierung hatte das Werk bereits Ende Mai im Londoner Karamel Club Premiere, beim Shakespeare-Festival findet die Deutschlandpremiere statt.
     Der 1610 in Oxford uraufgeführte Alchemist ist ein Paradebeispiel für die »andere Art«, Theater zu machen, ein Lehrstück für klassischen Aufbau, ein Muster an kluger Konstruktion und überdies so voller satirischer Anspielungen auf damalige Aktualitäten, dass keine neuzeitlichere Ausgabe je ohne einen langen Appendix ausgekommen wäre, in dem wenigstens die wichtigsten Begriffe und Personen, Modeartikel und Marotten erläutert sind.

 

Ben Jonson The Alchemist Foto © Mountview Productions

 

Die Komödie beginnt ... Dabei sind die Geschehnisse selbst sehr geradlinig und folgerichtig angelegt. Der reiche Londoner Love-Wit hat sich, wie viele seiner betuchten Mitbürger, vor der Pestepidemie aufs Land zurückgezogen und die häuslichen Dinge seinem Butler Jeremy überlassen. Dieser übernimmt das Kommando im wahrsten Sinne des Wortes, gibt sich als Captain Face aus und macht das Haus seines Herrn zum Mittelpunkt einer ganz besonderen Lasterhöhle: Mit einem nicht eben feinen Kumpan namens Subtle und der jungen Gunstgewerblerin Doll Common spannt er ein Netz, in dem sich die verschiedensten Charaktere verheddern, weil sie alle ebenso leichtgläubig wie habgierig sind und ohne Rücksicht auf Verluste nur ihren eigenen Vorteil kennen. Drugger, der Tabakhändler, will ein Mittel, das ihm Kunden einbringt; der Kanzlei-Mitarbeiter Dapper wünscht sich ein Amulett oder einen Zauberspruch für jede Art des Glücksspiels; der reiche Epikur Mammon scheint ohne den Stein des Weisen nicht länger leben zu wollen und ist – wie alle andern »Opfer« der eigenen Begierden – gern bereit, alle anfallenden Betriebskosten vorzustrecken: Das alchemistische Kauderwelsch, mit dem ihn Subtle und Face einwickeln, überzeugt ihn restlos davon, dass er bald wird unedle Metalle in Gold verwandeln können.

 

Ein Panoramablick aus dem "Inneren" des Globe. Foto © Christoph Krey / Shakespeare Festival

 

Ein Happy End der verrückten Art Im Alchemist sind sie von diesem Ziel weit entfernt. Wenn am Ende der eigentliche Hausherr (verfrüht) heimkommt und das ganze Schwindelgebäude einstürzt, gehen alle, Opfer und Täter, nicht ganz ohne Blessuren aus dem Spiel hervor. Dabei sieht Love-Wit seinem Butler die Streiche nach, kassiert Mammons Mammon ein und kommt dabei sogar noch zu einem ansehnlichen Weibe ...

     Ben Jonson hat diese turbulenten Ereignisse mit meisterhafter Hand derart geschliffen verknüpft und gesteigert, dass sich der englische Dichter und Kritiker Samuel Taylor Coleridge (1772 - 1834) nicht scheute, den Alchemisten unter die drei best-organisierten Theaterstücke aller Zeiten zu rechnen.
vdh

 

Shakespeare Festival (09. Juni – 08. Juli 2017)
Globe Neuss an der Rennbahn
Neuss
Tel. Info + Karten 02131 / 5269 9999
The Alchemist
Mountview Productions, London

15. – 17. Juni 2017
20 Uhr
www.shakespeare-festival.de

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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