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rheinische ART 05/2017

Archiv 2017

HAUS MÖDRATH
Neue Kunsthalle in alten Gemäuern


Eine neue Adresse in der rheinischen Kunstlandschaft heißt ab sofort: Haus Mödrath. Aus einem alten herrschaftlichen Anwesen ist mit Förderung eines bislang nicht genannten Mäzens ein überaus stattliches Kunsthaus für Zeitgenössisches geworden. Die erste Exposition ist gestartet.
 

Blick auf das Haus Mödrath vom Garten aus. Foto © Sollich Architekten Berlin 2017

 

Die repräsentative Anlage in Kerpen westlichen von Köln versteht sich als Begegnungsort für zeitgenössische Kunst, Musik und Kultur, wobei das Publikum und hier besonders die Kunstinteressierten auch weit über die Region hinaus angesprochen werden sollen.

     Künftige Ausstellungen sollen von wechselnden Kuratoren organisiert werden. Dabei ist wichtig zu wissen: Haus Mödrath besitzt keine eigenen Exponate, keine eigene Sammlung und versteht sich nicht als Museum. Unterhalten wird dieses neue Kunst- und Kulturzentrum von der Stiftung Mödrath.

 

Eric Bainbridge Dark Style Swan 1985 Plüsch, Draht, Gips/Fur fabric, wire, plaster 270 × 162,5 × 272 cm Collezione Salvatore Ala, Mailand/Milan Foto: Sven Vogel, Haus Mödrath - Räume für Kunst

 

Franz West Kain naht Abel 2009 Epoxydharz, Acryllack, Stahl/Epoxy resin, acrylic lacquer, steel 247 × 132 × 77 cm und/and 241×196 × 108 cm Franz West Privatstiftung, Wien/Vienna Foto: Sven Vogel, Haus Mödrath - Räume für Kunst

 

Die jüngst eröffnete Pilotveranstaltung titelt „Aftermieter“, was mit „Untermieter“ ins Hochdeutsche gut umschrieben ist. Kuratiert ist die Ausstellung von dem renommierten Kunstfachmann Veit Loers, der unter anderem von 1995 bis 2003 das Städtische Museum Abteilberg in Mönchengladbach leitete.

     Mit über 1.000 Quadratmetern Schaufläche, verteilt auf vier Etagen, ist der größte Expositionsgegenstand das Haus selbst: Zivilisation und domestizierte Natur.


Veranstalter und Kurator stellen jedoch klar: „Aftermieter“ ist keine Gruppenausstellung, sondern ein Prozess in Form der Begehung eines Hauses. Anstelle von Zimmern mit Mobiliar haben sich künstlerische Bilder und Objekte breitgemacht, welche Ausschnitte der heutigen Kunstszene in einem veränderten Licht aufscheinen lassen.

     27 internationale Künstler präsentieren ihre Werke, vor allem Gemälde, Installationen, Videos und Skulpturen.

 

Katja Novitskova Pattern of Activation (sea lion) 2015 Digitaldruck auf Aluminium, Ausschnitt, Polyurethan, Stahl/Digital print on aluminum, cutout display, polyurethane, steel Objekt/Object: 150 × 250 cm, Pfeil/Arrow: 106 × 220 × 25 cm Courtesy Katja Novitskova und/and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin Foto: Sven Vogel, Haus Mödrath - Räume für Kunst

 

Ajay Kurian God’s Wisdom 2016 Stahl, Stahlwolle, Magic Sculp, blauer Schaum, Montageschaum, Farbe, Kunsthaar, Band, Plastik, LED-Lampen, Laken, Daunendecke, Queen-Size-Bett/Steel, brass wool, Magic Sculp, blue foam, expanding foam, paint, fake hair, ribbon, plastic, LED lights, custom duvet, down comforter, queen bed, Installationsmaße variabel/Installation dimensions variable Courtesy Ajay Kurian und/and 47 Canal, New York Foto: Sven Vogel, Haus Mödrath - Räume für Kunst

 

Die Schau wird als eine Transformation auf vielen Ebenen verstanden: von der Gesellschaft zum Individuum, vom Bewohner zum Artefakt, vom Animalismus zum Altruismus, von der künstlerischen Strategie zur Epiphanie.

     Bezüge spiritueller, ja spiritistischer Natur - so die Aussteller -, werden schon im Außenbereich hergestellt zwischen Ajay Kurians Pavillon mit God‘s Wisdom im Paradebett, Thomas Zipps Evolutions-Zentrale im Zelt und Kai Althoffs leuchtender Engel-Skulptur in einem Fenster des Haupthauses.

     Vor der historischen Treppe innen ranken sich Mary-Audrey Ramirez´ Rose & Jack. In den Räumen finden sich unter anderen Katja Novitskova mit einem Seelöwen-Digitaldruck und Eric Bainbridge mit Dark Style Swan von 1985 aus Plüsch, Draht und Gips. Die Kunstwerke sind nicht betitelt, ein Booklet hilft weiter.

 

Gartenansicht Umbauzeichnung des ehemaligen Herrenhauses Mödrath zu einem Wohnhaus mit Ausstellungsräumen für Kunst (2015-2017) Foto © Sollich Architekten Berlin 2017

 

Mary-Audrey Ramirez Rose & Jack, kill me plz 2017 Leinen, Füllwatte, Sprühfarbe, Schaumstoff, Pelz, Holz, Metall/Canvas, absorbent cotton, spray paint, foam material, fur, wood, metal 550 × 200 × 200 cm Courtesy Mary-Audrey Ramirez und/and Martinetz, Köln/Cologne Foto/Photo: Sven Vogel, Haus Mödrath - Räume für Kunst

 

Wenn Mauern reden könnten, dann hätten die attraktiven Kunsträume von Haus Mödrath viel zu erzählen.

     1830 als Herrenhaus nahe der historischen Mödrather Mühle von einer Unternehmerwitwe erbaut, galt das großzügige Gebäude im Volksmund lange als Burg oder Schloss, obwohl es beides nie wirklich war. Die Eigentümer des klassizistischen Putzbaus wechselten mehrfach und mit ihnen die Nutzung. In den Zwanzigern war es Wöchnerinnenheim. Im Sommer 1928 wurde der deutsche Komponist und Begründer der elektronischen Musik Karlheinz Stockhausen dort geboren (mehr).

     Ein Jahrzehnt später diente das Gebäude zeitweilig als NS-Schulungsheim und in den Kriegs- und Nachkriegsjahren als Herberge für ausgebombte Städter, Heimatvertriebene und Flüchtlinge. Schließlich erwarb der Malteserorden die kriegsbeschädigte Anlage und richtete ein Kinderheim ein.

     Doch 1960 war auch damit Schluss. Die Ortschaft Mödrath fiel dem Braunkohletagebau zu Opfer und verschwand von der Landkarte. Nur das Herrenhaus mit seiner 7,5 Hektar Parklandschaft blieb übrig. Nach diversen Privatnutzungen, Leerständen und unübersehbarem Verfall erstrahlt das Anwesen nunmehr als „Haus Mödrath – Räume für Kunst“ neu. Den Umbau des seit 1980 denkmalgeschützten Gebäudes realisierten Sollich Architekten aus Berlin. Wesentlicher Kern dabei war der behutsame Rückbau von baulichen Zufügungen durch vormalige Eigentümer fast bis auf den Rohbauzustand des Anwesens, die authentische Treppenanlage im Inneren blieb erhalten.
cpw


Beteiligte Künstler:
KAI ALTHOFF Köln, ALI ALTIN Düsseldorf , ED ATKINS Berlin, ERIC BAINBRIDGE Hartlepool. DIRK BELL Berlin, NEÏL BELOUFA Paris/ New York, ADOLF BEUTLER Berlin, BJÖRN BRAUN Berlin, ANDRÉ BUTZER Rangsdorf, STEFANO CAGOL Trentino, GIORGIO DORIGO Muiach, MICHAELA EICHWALD Berlin, GÜNTHER FÖRG (†), GEORG HEROLD Köln, EVA KOT’ÁTKOVÁ Prag, AJAY KURIAN New York, ALICJA KWADE Berlin, JOCHEN LEMPERT Hamburg, KRIS LEMSALU Tallinn/ Wien, KATJA NOVITSKOVA Amsterdam/ Berlin, MARY-AUDREY RAMIREZ Berlin, JAMES RICHARDS Berlin/ London, ANDREAS SLOMINSKI Potsdam, MICHAEL E. SMITH Providence, Rhode Island, DAVIDE STUCCHI Mailand, FRANZ WEST (†), THOMAS ZIPP Berlin


Die Ausstellung „Aftermieter“ wird bis zum 15. November 2018 gezeigt.
Haus Mödrath
An Burg Mödrath 1
50171 Kerpen
Tel. 02237 / 6036428
Öffnungszeiten
SA, SO 12 - 18 Uhr

 

 

 

 

 

   

 

 

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