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rheinische ART 04/2017

Archiv 2017

LAWRENCE ALMA-TADEMA
Dekadenz & Antike


Alles hat seine Zeit - und schwindet. Manches, auch in der Kunst, taucht irgendwann wieder auf. Derzeit befinden sich Arbeiten des niederländischen Malers Lawrence Alma-Tadema auf Europatour. Aktuelle Station ist das Untere Belvedere in Wien. In der Kunstgeschichte war der Meister des viktorianischen Realismus eine lange umstrittene Persönlichkeit.

 

Lawrence Alma-Tadema Unconscious Rivals, 1893, Bristol Museums & Art Gallery, Foto © Bristol Culture, Bristol Museum and Art Gallery Öl auf Holz, 45,1 x 62,9 cm, Fotoquelle Belvedere Wien 2017

 

Die Zeit des Lawrence Alma-Tadema (1836-1912) war die Epoche des Historismus und die Kunst des viktorianischen England.

     Mit seinen sinnlichen und detailtreuen Darstellungen von Alltagsszenen der Antike machte sich der als Akademist gescholtene Künstler rasch einen Namen, auch über die Landesgrenzen hinaus. Der Historismus wurde sein Markenzeichen - und im Endeffekt war er ein Star dieses Genres. Für die Impressionisten allerdings war der Society-Maler ein rotes Tuch und galt, wie der fast gleichaltrige Franzose Alexandre Cabanel (mehr), als ein Verhinderer der Moderne.

     Was machte ihn so umstritten? Es waren seine historischen Genrebilder, die als eine Art Heile-Welt-Malerei überaus dekorative Wirkung entfalteten, deren Sujets jedoch vielfach - insbesondere von seinen Malerkollegen - als zu süßlich, schwülstig oder gar als kitschig empfunden wurden.

     Die künstlerische Entwicklung Alma-Tademas vollzog sich parallel zur damaligen politischen Situation in England. Das Britische Empire befand sich Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Höhepunkt seiner Macht und Ausdehnung.

 

Lawrence Alma-Tadema An Audience at Agrippa’s, 1875, Dick Institute, Kilmarnock – By permission of East Ayrshire Council / East Ayrshire Leisure, Opus CLXI Öl auf Holz 90.8 × 62.8 cm Foto © Belvedere Wien 2017

 

Lawrence Alma-Tadema Coign of Vantage, 1895, Collection of Ann and Gordon Getty, Foto © Collection of Ann and Gordon Getty, Öl auf Leinwand, 64 x 44,5 cm. Fotoquelle Belvedere Wien 2017

 

Lawrence Alma-Tadema Mit seinen Hauptwerken gibt der Maler einen Einblick in die dekadente Welt des damaligen englischen Ästhetizismus. Unter dem Titel "Dekadenz & Antike" zeigt das Untere Belvedere in Wien diesen Malerkosmos.

     Alma-Tadema wurde in Friesland geboren und erhielt seine Ausbildung in Antwerpen, bevor er 1870 nach London auswanderte. Dort lebte und arbeitete er mit seinen beiden Töchtern aus erster Ehe und seiner zweiten Frau Laura Theresa Epps, die ebenfalls Künstlerin war. Ihre gemeinsam eingerichteten Atelierhäuser waren für ihn von zentraler Bedeutung. Er nutzte sie Zeit seines Lebens als visuelle Inspiration für seine Bilder.

     Das Paar verband eine Sammelleidenschaft für Objekte und Möbel aus verschiedenen Jahrhunderten und Kulturkreisen. Vieles davon findet sich in Alma-Tademas Gemälden wieder. Fasziniert von der Antike ließ er alltägliche Szenen im alten Rom, in Pompeji und Ägypten in seinen Werken zum Leben erwachen. Die akribischen Studien des „Künstler-Archäologen“ zu den altertümlichen Objekten und Bauwerken machten die Darstellungen reizvoll und glaubwürdig.


Grundsätzlich
begeisterte die Art der Darstellung seine Zeitgenossen und vermittelte dem Betrachter den Eindruck, tiefe Einblicke in das Alltagsleben und die Zivilisation der Antike zu erhalten. Dennoch: Trotz der Beliebtheit seiner Malerei bei Sammlern und dem breiten Publikum wurden seine Werke über Jahrzehnte nicht wirklich ernst genommen.

 

Lawrence Alma-Tadema The Finding of Moses, 1904, Privatsammlung, Courtesy Christie’s, Opus CCCLXXVII Öl auf Leinwand 137.7 × 213.4 cm . Foto © Belvedere Wien 2017

 

Lawrence Alma-Tadema A Votive Offering, 1873, Lady Lever Art Gallery, National Museums Liverpool, Foto: © Courtesy of National Museums Liverpool, Lady Lever Art Gallery, Aquarelle auf Papier, 47,3 x 39,4 cm. Fotoquelle Belvedere Wien 2017

 

Ausstellungsansicht Lawrence Alma-Tadema – Dekadenz & Antike, Foto © Belvedere, Wien 2017

 

Es gibt zwei völlig andere, bemerkenswerte Aspekte im Schaffen dieses Künstlers. Neben der Malerei engagierte sich Tadema auch im Bereich des Theaters. Er entwarf Bühnenhintergründe und Kostüme für die Aufführung der Shakespearetragödie Coriolanus im Jahr 1901. Seine profunden Kenntnisse über das klassische Altertum halfen ihm bei der glaubwürdigen Gestaltung. Einige der wenigen erhaltenen Entwürfe dieser Bühnenarchitektur sind im Wiener Belvedere zu sehen.

     Die zweite beeindruckende Sonderheit ist sein Einfluss auf internationale Filmproduktionen. Tademas überzeugende Darstellung des antiken Lebens diente als Vorlage für das neue Massenmedium Film. In Hollywood ließen sich vor allem Filmemacher epischer Historienstreifen inspirieren. Sie nutzten Alma-Tademas Bilder für Kostüme und Filmsets, so zum Beispiel für Quo Vadis? von Enrico Guazzoni (1913) oder, neueren Datums, Ridley Scotts Gladiator aus dem Jahr 2000.

 

Die Wiener Ausstellung macht interessanterweise auch deutlich, dass sich der Wahlbrite und der junge Gustav Klimt (mehr) von ähnlichen Motiven inspirieren ließen. Als Klimt sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule begann, war Tadema bereits ein international erfolgreicher Künstler.

     Wie Klimts Wand-und Deckengemälde im Burgtheater oder im Kunsthistorischen Museum belegen, so der Kurator Alfred Weidinger, zeigen einige dieser Motive Tademas Einfluss auf. Klimt und seine Mitstreiter hätten, wie es in Wien heißt, den heiteren Ästhetizismus Alma-Tademas mit seiner lebensbejahenden, jugendlichen Frische als Entwurf für ihre Erneuerungsbewegung gewählt.

 

Lawrence Alma-Tadema erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke und wurde rasch zu einem der gefragtesten und teuersten Künstler seiner Zeit. Die Reproduktionen seiner Werke verhalfen ihm zu internationaler Bekanntheit. Im Jahr 1879 erfolgte seine Aufnahme in die Royal Academy of Arts. Durch den Ritterschlag von Königin Victoria 1899, anlässlich deren 81. Geburtstags, reihte sich der Künstler - nunmehr Sir Lawrence Alma-Tadema - ein in die Liste geehrter niederländischer Maler wie Peter Paul Rubens oder Anthony van Dyck.
rART/K2M

 

 In etwas verkleinerter Form wird die Ausstellung anschließend im Leighton House Museum in London, dem früheren Wohnhaus des tonangebenden viktorianischen Künstlers und Tadema-Freundes Lord Leighton, gezeigt. Vor der Schau in Wien war sie als "Klassische Verführung" im Fries Museum Leeuwarden zu sehen.

 

Die Ausstellung „Lawrence Alma-Tadema Dekadenz & Antike“ läuft bis zum 18. Juni 2017.
Unteres Belvedere / Orangerie
Rennweg 6,
1030 Wien

Tel +43 1 795570
Öffnungszeiten
Täglich 10 - 18 Uhr
Mittwoch 10 - 21 Uhr
Prunkstall tgl. 10 - 12 Uhr

 

 

 

 

 

 


 

 

  

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