rheinische ART
Start | | Über uns | Kontakt | Impressum | Anzeigen/Banner

rheinische ART 10/2017

SPEZIALMUSEUM

Arithmomètre für das Arithmeum

 

Das Mathematikmuseum Arithmeum, das zur Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gehört, erhielt jetzt ein wertvolles historisches Exponat: eine Rechenmaschine, die für Zar Nikolaus I. hergestellt worden war.

 

Charles Xavier Thomas Arithmomètre für Zar Nikolaus I, Widmung: A sa Majesté Nicoas I, Empereur de toutes les Russies. Hommage respectueus de l´ínventeux. Foto © Arithmeum Bonn 2017

 

Das seltene und mit Widmung versehene Stück stammt aus dem Jahre 1851. Es war im Frühjahr 2017 im einschlägigen Handel aufgetaucht und hatte sich bis dahin über fast vier Jahrzehnte in einer französischen Privatsammlung befunden. Das Spezialmuseum Arithmeum konnte die Maschine mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Universität Bonn und der Stiftung Diskrete Mathematik/ Arithmeum erwerben.

 

Le Chevalier Thomas de Colmar, Directeur-Général 1829-1870, Fondateur de la Compagnie. Fotoquelle La compagnie d´assurance „Le Soleil“, 1929.

 

Erfinder der mechanischen Rechenmaschine war der aus Colmar stammende Assecuranz-Mitbegründer Charles Xavier Thomas (1785-1870), der das Ziel verfolgte, die erste Serienfertigung für Rechenmaschinen zu begründen.

     Sein Arithmomètre wurde erstmals auf der Londoner Weltausstellung 1851 vorgestellt. Die Erfindung basierte auf der Überlegung, komplizierte Berechnungen für Versicherungsfälle schneller und exakter abwickeln zu können. Bereits drei Jahrzehnte zuvor hatte Thomas für ähnliche Modelle Patente erhalten und war für seine Arbeiten in Frankreich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden.

     Das Arithmomètre von 1851 ging in der Tat in Serie, es wurden rund 1500 Exemplare produziert. Das Gerät war seinerzeit ein Novum in der Geschichte des maschinellen Rechnens und Vorbild auch für die erste deutsche Produktion von Rechenmaschinen im 19. Jahrhundert. Die Rechner aus der Thomas-Manufaktur galten als mechanische Spitzenprodukte, robust in der Technik und einfach in der Bedienung.


Zur besseren Vermarktung seiner mechanischen Kalkulatoren beschenkte Thomas Herrschaftshäuser und fertigte prachtvolle Ausführungen mit acht Stellen im Einstellwerk und 16 Stellen im Ergebniswerk.

     Bekannt sind nach Angaben des Bonner Mathematikmuseums nur drei Exemplare: das Arithmomètre für Zar Nikolaus I. - das nunmehr in die Bonner Dauerausstellung aufgenommen worden ist - und das für Ferdinand II. König beider Sizilien. Beide Modelle sind noch im Originalzustand erhalten. Das Exemplar für Louis-Napoléon Bonaparte wurde bedauerlicher Weise seiner Schatulle beraubt.

 

Übergabe des Arithmomètre, v.l.n.r.: Museumsgründer Bernhard Korte, Ina Prinz, Direktorin Arithmeum, Frank Druffner, Kulturstiftung der Länder, Michael Hoch, Rektor Universität Bonn, Ursula Gather, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin. Foto © Arithmeum Bonn 2017

 

Das neue Schaustück in Bonn ist nach einer Restaurierung betriebstüchtig, rechnet exakt mit einer genialen Mechanik und einem vollfunktionsfähigen Zehnerübertrag. In einem Festakt im Arithmeum der Universität Bonn überreichte Isabel Pfeiffer-Poensgens, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Rechenmaschine der Museumsleitung.

 

Arithmeum Bonn Die weltweit größte Sammlung von historischen Rechenmaschinen in einem modernen Ambiente. Foto © Arithmeum Bonn 2017

 

Blick in die Ausstellung Foto © Arithmeum Bonn 2017

 

Das Arithmeum Der Thomas-Rechner gilt als eines der Glanzstücke in der Sammlung des Arithmeums, die der Direktor des Forschungsinstituts für Diskrete Mathematik und Museumgründer Bernhard Korte als Student ab 1960 aufbaute.

     Mit aktuell mehr als 10.000 Exponaten ist sie weltweit und mit Abstand die umfassendste und vollständigste Kollektion historischer Recheninstrumente. Neben den alten mechanischen Rechenmaschinen können Besucher im Museum auch in die digitale Rechenwelt moderner höchstintegrierter Mikroprozessoren eintauchen.

 

Dauerausstellung In seiner ständigen Präsentation zeigt das Haus chronologisch die Entwicklung des mechanischen Rechnens, beginnend mit frühen Rechenhilfsmitteln wie etwa Zählsteinen, ersten Schrifttafeln mit Mengendarstellungen, frühen Abakus sowie mittelalterlichen Rechenpfennigen.

     Die Sammlung enthält ferner Rechenmaschinen von Wilhelm Schickard, Samuel Morland und René Grillet, dem Hofuhrmacher Ludwig XIV. Die erste Vierspeziesrechenmaschine, die Aufgaben aller vier Grundrechenarten mechanisch lösen konnte, baute Gottfried Wilhelm Leibniz. Neben dieser Maschine werden die Prinzipien der mechanischen Zahlenspeicherung gezeigt.

     Die als Unikate gebauten Rechenapparate von Stanhope, Hahn, Müller, Schuster und anderen markieren in der Exposition den Übergang zur Serien- und industriellen Fertigung. Zusätzlich werden die Anfänge der Kryptographie und die Möglichkeiten der computergestützten Entschlüsselung mit der berühmten Enigma erläutert.

     Schließlich spannt das Museum im Schaubereich „rechnen heute“ einen Bogen zu den aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten des Forschungsinstituts für Diskrete Mathematik. Der Besucher kann sich hier mit dem Design und der Produktion von Mikroprozessoren befassen wie auch mit der Fragestellung, wie diese heute mathematisch berechnet werden, bevor sie gefertigt werden können.

rART/cpw


Das Arithmeum bietet regelmäßig Kunstausstellungen mit Werken geometrisch-konstruktiver Künstler. Derzeit zeigt das Haus aus Anlass der 100-jährigen Gründung der niederländischen Kunstbewegung De Stijl (mehr) die Schau „De Stijl und die Nachfolge“.

 

Arithmeum
Lennéstr .2
53113 Bonn
Tel. 0228 / 73 87 90
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

Foto: Ausschnitt Flaschen,

Öl auf Leinwand, 2017

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

Ein NEWSLETTER über die Kunst im Rheinland. Für Künstler, Galeristen, Kunstliebhaber, für alle Macher und Kreativen, die es interessiert.

NEWSLETTER
rheinische.ART
(erscheint cirka 4 x im Jahr)

(Registrieren)

 

 

Die 
rheinische.ART
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.

Das Google Art Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen dieser Welt.

► mehr

 

 

 


 

 

LASSEN SIE SICH DIE
"RHEINISCHE ART."
ÜBERSETZEN ...