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rheinische ART 03/2017

MARIA LASSNIG
Body-awareness-painting

 

Sie passte in kein Schema, in keine stilistische Schublade oder Kunstrichtung. Eine Außenseiterin. Ohne Rücksicht auf Tendenzen, Tagesmoden oder sonst was beobachtete sie sich ein Leben lang selbst, erfand mit ihren Körperbewusstseinsbildern eine eigene künstlerische Position. Der Ruhm aber ließ Jahrzehnte auf sich warten.

 

Maria Lassnig Zwei Arten zu sein (Doppelselbstporträt), 2000, Öl auf Leinwand, 100 x 125 cm, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung. Fotoquelle Museum Folkwang Essen 2017. Maria Lassnig über ihre Kunst „Ich male nicht den ´Gegenstand´ Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper.“

 

Erst nach ihrem 60. Geburtstag erfuhr Maria Lassnig (1919-2014) die ihr zustehende Ehrung und Wertschätzung. Bis dahin war sie nur für Kenner der österreichischen Kunstszene ein geheimer Star.

     Als ihr internationaler Durchbruch erfolgt war, gab es Honneurs zuhauf. Irgendwie ließ sie das jedoch kalt, wusste sie doch um ihre eigenwillige wie eigenständige Rolle, um ihre Kunst-Richtung. Das Ranking in der Kunstwelt war ihr nicht wirklich wichtig. In einem Interview 2009 stellte sie lapidar fest: „Man hat mich so lange unterbewertet, dass ich die jetzige Bewertung gar nicht bewerten kann.“

 

Maria Lassnig Dame mit Hirn, ca. 1990, Öl auf Leinwand, 125 x 100 cm, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung. Fotoquelle Museum Folkwang Essen 2017

 

Maria Lassnig Selbstporträt mit Stab, 1971, Öl und Kohle auf Leinwand, 193 x 129 cm, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung. Fotoquelle Museum Folkwang Essen 2017

 

Mit Maria Lassnig zeigt das Museum Folkwang eine der innovativsten Malerinnen der Gegenwartskunst. 41 Gemälde und fünf Filme geben einen Überblick über ihr beeindruckendes Lebenswerk. Die 2014 mit 94 Jahren verstorbene ehemalige österreichische Volksschullehrerin wird heute weltweit mit Frida Kahlo (mehr) wie auch der französisch-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhundert gerechnet.

     Maria Lassnig war zweimalige Documenta-Teilnehmerin (1982, 1997), 1980 gestaltete sie mit Valie Export Österreichs Pavillon auf der Biennale von Venedig. Ein Jahr vor ihrem Tod erhielt sie für ihr Lebenswerk - im Juni 2013 - den Goldenen Löwen der Venediger Biennale.


Ihre Kunst in Gemälden und Filmen beschäftigt sich mit der Darstellung von Körpern und Körperempfindungen. Und zwar durchweg mit ihren eigenen. Wesentliche Impulse für diese Kunst erhielt sie in Paris, wo sie ab 1961 lebte. Dort schuf sie die ersten abstrakten Farbflächenwerke und Körperbewusstseinsbilder, die sie Jahre später berühmt machten.

     1964, nach dem Tod ihrer Mutter, geriet sie in eine Krise und wurde depressiv. Das persönliches Leid jener Zeit verarbeitete sie im Gemälde „Selbstporträt mit Stab“: Die geliebte Mutter legt aus einer gemalten Leinwand heraus ihre Hände auf die Schultern ihrer Tochter.

 

Ein wesentlicher Kern ihrer Kunst war von Anfang an „Body-awareness-painting“ oder die Körperbewusstseins-Malerei. Ein Begriff, den sie in New York erfand. 1968, nach den Lehrjahren in Paris, zog sie für fast ein Dutzend Jahre in die amerikanische Metropole und begann verstärkt, mit kräftigen Farben auf großen Leinwände ihre Körperempfindungen zu verarbeiten.

     Es entstanden Bilder, die sich dem Betrachter jedoch nicht sofort erschlossen. In New York kam diese Kunst nicht an, zu morbide, zu fremd und komisch sei alles, hieß es.

     Die Idee der „Körpergefühlsbilder“ zieht sich wie eine markante Leitlinie durch ihr gesamtes malerisches Schaffen. Lassnig brachte nicht nur die großen Gefühle wie Trauer, Schmerz, Freude oder Glück auf die Malflächen, sondern auch die oft unbeachteten unterschwelligen Empfindungen, die als Druck-, Spannungs- und Ausdehnungsgefühle entstehen.

     

Farbe Diese Körperempfindungen setzte sie in Farben um. Aus ihnen wurden Krebsangstfarben, Wärme- und Kältefarben, Schmerzfarben, Spannungsfarben… „Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse es entstehen. (...) das einzig mir wirklich Reale (sind) meine Gefühle, die sich innerhalb meines Körpergehäuses abspielen“, so beschrieb sie einmal den Entstehungsprozess ihrer Werke. Dass das Gefühl zum Bild wird, komme nicht aus dem Bauch, sondern aus dem Kopf. „Ich habe entdeckt, dass ich malen möchte, was ich spüre.“

 

Maria Lassnig in ihrem Atelier, Juni 1983, Foto © Kurt-Michael Westermann/ Maria Lassnig Stiftung. Fotoquelle Museum Folkwang Essen 2017

 

Maria Lassnigs Kunst besticht mit einem unverkennbaren Stil: Zunächst vom Surrealismus und den informellen Strömungen beeinflusst, entwickelte sie bereits in den späten Vierzigerjahren ihr Konzept der „Körperbewusstseins-Malerei“. Indem sie den eigenen Körper zum Gegenstand ihrer Kunst erklärte nahm sie unter anderem die „Body-Art“ der späten Sechziger- und Siebzigerjahre vorweg.

 

Maria Lassnig Selbstporträt mit Kochtopf, 1995, Öl auf Leinwand, 125 x 100 cm, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung. Fotoquelle Museum Folkwang Essen 2017

 

Emotionale Dimensionen Lassnig weise dem Selbstporträt eine völlig andere Dimension zu, erklärt das ausstellende Haus. In ihrem Werk seien beeindruckende malerische Metamorphosen des Selbst: So treten Gegenstände wie ein Kochtopf an die Stelle von bestimmten Körperteilen, die Augen ersetze Lassnig wiederholt durch Augenklappen, Brillen oder ließe sie gleich ganz weg.

     Zur Umsetzung ihrer Körperempfindungen in bildhafte Darstellungen meinte die Künstlerin einmal: „Da habe ich eine realistische Nase gemalt und dafür keinen Mund, weil ich den Mund nicht gefühlt habe.“ 

K2M


Die Ausstellung „Maria Lassnig“ ist bis zum 21. Mai 2017 zu sehen.
Musuem Folkwang
Museumsplatz 1,
45128 Essen
Tel. 0201 / 8845 444
Öffnungszeiten
DI, MI 10 - 18 Uhr
DO, FR 10 - 20 Uhr
SA, SO 10 - 18 Uhr

 

 

     


  

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