rheinische ART
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rheinische ART 09/2017

DIX UND SANDER IN LIVERPOOL

Zwischen den Kriegen

 

Deutschland während der Weimarer Republik, die damaligen Umwälzungen und ihre Relevanz für heute sind Gegenstand einer bemerkenswerten Schau in der englischen Hafenstadt.

 

August Sander Secretary at West German Radio in Cologne 1931, printed 1992 © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Cologne; DACS, London, 2017.

 

In Kooperation mit mehreren deutschen Museen und Institutionen zeigt die Tate Liverpool mit „Portät einer Nation: Deutschland 1919-1933“ erstmals die Zwischenkriegszeit aus der Sicht zweier deutscher Künstler: des Malers Otto Dix (1891-1969) und des Fotografen August Sander (1876-1964).


Von beiden werden je rund 150 Werke präsentiert. Mit der Ausstellung will das Haus verdeutlichen, wie die Dynamik sozialer und politischer Veränderungen zum „Zusammenbruch der alten Ordnung“ führen kann.

     Die Arbeiten, die erstmals in Großbritannien ausgestellt werden, sind Dokumente des Glamours und Elends der Weimarer Republik, einer Zeit der radikalen Extreme und ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen.

     Sie spiegeln einen entscheidenden Abschnitt der deutschen Geschichte: den Anfang und das Ende der ersten parlamentarischen Demokratie. Es waren Jahre voller Gegensätze, Experimente und Innovationen, von der blühenden Kabarettkultur bis zur erbärmlichen Armut und zivilen Rebellion.

 

Otto Dix Reclining Woman on a Leopard Skin 1927 © DACS 2017. Collection of the Herbert F. Johnson Museum of Art, Cornell University. Gift of Samuel A. Berger; 55.031

 

Die Gemälde, Zeichnungen, Drucke und Fotografien stammen im engeren Sinne aus zwei komplementären Ausstellungen. Der Expo-Teil zu Otto Dix titelt „The evil eye“ - Der böse Blick - und war in der gleichnamigen Schau im Frühjahr in Düsseldorf zu sehen (mehr). Sie zeigen Dix´ harte, realistische Darstellungen der deutschen Gesellschaft und die Brutalität des Krieges.

     Im Wesentlichen sind es Arbeiten aus den Düsseldorfer Jahren von 1922 bis 1925. Dix hatte in diesen Werken Zeugnisse von Menschen geschaffen, die die gesellschaftlichen Widersprüche jener Zeit hautnah erfahren hatten. Künstlerische Highlights sind etwa das Portrait des Fotografen Hugo Erfurth mit Hund (1923), das Selbstbildnis mit Staffelei (1926) sowie zahlreiche weniger bekannte Aquarelle. Vor allem Dix´s „Der Krieg“ von 1924 kann als ein Schlüsselbild der Liverpooler Schau gesehen werden.

Otto Dix Ritter Hans an Hohenranden und seine Familie hoch zu Roß Bilderbuch für Hana, Blatt 2 (Kat.−Nr. 7/2) Foto © Remmert und Barth, Düsseldorf 2017

 

August Sander Painter [Jankel Adler] 1924 Gelatin silver print on paper ARTIST ROOMS Tate and National Galleries of Scotland. Lent by Anthony d'Offay 2010

 

Otto Dix´ Absicht war es stets, ein unerschrockenes und ungeschminktes Portrait der deutschen Gesellschaft zu bieten. Dem stehen die lyrischen Zeichnungen für Kinder, die er in Düsseldorf fertigte und die unter anderem als „Bilderbuch für Hana“ bekannt wurden (mehr), konträr gegenüber und ermöglichen einen ungewöhnlichen Blick in die Privatwelt des Künstlers.

 

August Sanders Fotografien sind quasi einen Querschnitt der deutschen Gesellschaft während der Weimarer Republik. Sander begann sein großes und bekanntes Fotografie-Projekt "Menschen des 20. Jahrhunderts" im Jahre 1910, eine ehrgeizige Aufgabe, die ihn bis in die 1950er Jahre beschäftigte (mehr).

     Das Projekt führte zu mehr als 600 Bildern, in denen die Menschen in einer Art "Typisierung" von ihm dokumentiert wurden, darunter Künstler, Musiker, Zirkusarbeiter, Bauern und in den späten 1930er Jahren auch Nazi-Offiziere und verfolgte Juden.

     Die Liverpooler Ausstellung greift ferner das Schicksal von Sanders Sohn Erich auf. Das bekannte Gruppenbild „Werkstudenten“, von August Sander 1926 aufgenommen und im Jahrhundert-Werk publiziert, ist in Wirklichkeit ein Fotodokument sozialistischer Jugend, mit Sohn Erich im Bild, der später als Gegner des NS-Regimes lange Zeit inhaftiert war (mehr).

     Die Fotografien stammen aus der ARTIST ROOMS-Kollektion. Die Sammlung ist im Besitz der National Galleries of Scotland und Tate und war im Jahr 2008 mit Hilfe des Heritage Memorial Fund, des Art Fund und der schottischen und britischen Regierungen gegründet worden.
rART/K2M


Die Ausstellung „Portraying a Nation: Germany 1919 – 1933“ („Portät einer Nation: Deutschland 1919-1933“) wird bis zum 15. Oktober 2017 gezeigt.
Tate Liverpool
Albert Dock,
Liverpool Waterfront,
Liverpool L3 4BB,
Vereinigtes Königreich
Tel +44 151 702 7400
Öffnungszeiten
Täglich 10 - 17 Uhr

 

 

 


  

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