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rheinische ART 01/2018

Archiv 2017

SALONMALER VS. ERNEUERER
Gefeiert und verspottet


Französische Maler des 19. Jahrhunderts sind immer wieder ein spannendes Kunstterrain. Vor allem dann, wenn ihre kontroversen Stilrichtungen als Spannungsfeld zwischen den sogenannten „Salonmalern“ und den „Erneuerern“ präsentiert werden. Das Kunsthaus Zürich zeigt diese Gegenpole.

 

Claude Monet Sur la plage à Trouville (Am Strand von Trouville) 1870–1871 Öl auf Leinwand, 38 x 46 cm Musée Marmottan Monet, Paris © Kunsthaus Zürich 2017

 

Romantik, Realismus, Naturalismus, Freilichtmalerei und Impressionismus – das sind noch immer die wichtigsten Stilbegriffe, mit denen die französische Malerei des 19. Jahrhunderts beschrieben wird.

 

Gustave Courbet La source (Die Quelle), 1862 Öl auf Leinwand, 20 x 74,3 cm The Metropolitan Museum of Art, New York, H. O. Havemeyer Collection, Bequest of Mrs. H. O. Havemeyer, 1929 © Kunsthaus Zürich 2017

 

Ihre Vertreter kämpften verbissen um die Gunst des Publikums. Das mussten sie auch. Schließlich, und das war das Revolutionäre, verließen Künstler wie Monet, Courbet, Manet, Delacroix und viele andere in den Jahrzehnten zwischen 1820 und 1880 den „Hauptweg“ der Malerei, die akademisch-klassizistische Manier.

     Das führte zunächst zu Ausgrenzung, Verachtung und Spott. Wer durch dieses Feuer ging, galt später als Avantgardestar und umgekehrt. Gefeiert werden die „Erneuerer“ heute weltweit als die sogenannten „Vorläufer der Moderne“. Dennoch. Trotz ihrer revolutionären Ansätze wiesen manche unter ihnen auch eine traditionelle Seite auf.

 

Ernest Meissonier Campagne de France, 1814, 1864 Öl auf Holz, 51,5 x 76,5 cm Musée d’Orsay, Paris © Kunsthaus Zürich 2017

 

Ganz anders verhält es sich mit den damals hochangesehenen „Salonmalern“ wie Delaroche, Couture, Meissonier, Cabanel (mehr), Gérôme und Bouguereau. Für ihre Kunst hatte sich auch die polemische Bezeichnung „art pompier“ eingebürgert, was klanglich an pompös (pompeux) erinnern mag, jedoch auch völlig andere Deutungen zulässt.

 

Jean-Léon Gérôme L‘exécution du maréchal Ney (Die Execution von Marschall Ney) 1855–1865 Öl auf Leinwand, 64,2 x 103 cm, Sheffield Museums © Kunsthaus Zürich 2017

 

Edouard Manet L‘évasion de Rochefort (Die Flucht des [Politikers und Literaten] Henri de Rochefort) 1880/1881 Öl auf Leinwand, 143 x 114 cm Kunsthaus Zürich, Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, 1955 © Kunsthaus Zürich 2017

 

Die Salon-Kunst mit den historisierenden und literarisch-mythologischen Themen entsprach zunächst dem Zeitgeist und Geschmack der politischen und gesellschaftlichen Oberschicht, nicht nur Frankeichs sondern auch anderswo (mehr), zog aber auch große Besuchermassen an.

     Der Begriff „Salonmaler“ bezieht sich auf den institutionellen Rahmen der Kunstproduktion. Denn der Salon de peinture et de sculpture  war eine jährliche staatliche Großausstellung in Paris, in der Tausende aktuelle Kunstwerke rund acht Wochen gezeigt wurden. Er fand von 1791 bis 1880 im Louvre oder im Grand Palais statt und galt als populäres Stadtspektakel, dass mit dem Nationalfeiertag, dem Longchamp-Pferderennen und der Pfefferkuchenmesse hoch im Kurs stand. Erfolgreiche Künstler des Salons konnten auf Staatsaufträge oder kaiserliche Ankäufe hoffen.

     Dennoch war der Salon keine reine Schau der konservativen Traditionalisten, auch Impressionisten wie Courbet, Manet, Degas stellten erfolgreich aus.

     Im Laufe der Zeit wurden die Künstler der akademischen Malerei jedoch ins Abseits gedrängt, heute haftet ihnen vor allem im deutschsprachigen Raum der Ruf veralteter Traditionalisten an. Zu Unrecht, wie längst bekannt ist, denn diese hervorragenden Kreativen spielen für das Verständnis der damaligen Entwicklungen in der Kunst eine herausragende Rolle und waren selbst teilweise höchst innovativ.
     Anhand von etwas mehr als 100 Gemälden stellt das Kunsthaus Zürich die Strömungen der französischen Malerei im 19. Jahrhundert einander gegenüber. Dabei werden nicht nur starke Gegensätze, sondern auch Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Diese differenziertere Betrachtungsweise auf die kunsthistorisch wichtige Periode ist nicht nur interessant sondern auch erkenntnisfördernd.

 

Eugène Delacroix (und Atelier [wohl Pierre Andrieu]) Chasse aux lions (Löwenjagd), um 1861, Öl auf Leinwand, 34,5 x 47 cm Kunstmuseum St. Gallen, Vermächtnis Emma Lina Hendel, 1999 © Kunsthaus Zürich 2017


Die Ausstellung konzentriert sich auf den Zeitraum zwischen 1820 bis 1880. Im Jahre 1822 gab beispielsweise Delacroix sein Debüt am Salon, der damals offiziellen Ausstellungsplattform, und bot der klassizistischen Malerei und ihrem Hauptverfechter, Jean-Auguste-Dominique Ingres, die Stirn.

     1880 wurde die Ära des Salons als staatlich organisierte Veranstaltung schließlich beendet. In der Folge fiel anders organisierten Ausstellungen, dem Kunstmarkt und dem Publikum die Rolle des „Königsmachers“ zu. Oder anders ausgedrückt: Über Erfolg und Misserfolg entschied nicht mehr der Salon.

     Zum ersten Mal in der Schweiz, so das Kunsthaus, vereint diese Schau rund 60 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Kunstrichtungen der französischen Malerei zu einem vielfältigen Panorama der Gattungen jener Zeit. Etliche Exponate sind zum ersten Mal im Land ausgestellt. Leihgaben stammen aus dem Musée du Louvre und dem Musée d’Orsay, aus dem Musée des Beaux-Arts, Rouen, dem Museum of Fine Arts, Houston, dem Art Institute, Chicago, sowie dem Metropolitan Museum of Art, New York.

K2M


Die Ausstellung „Gefeiert und verspottet. Französische Malerei 1820 – 1880“ wird noch bis zum 28. Januar 2018 gezeigt.
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
8001 Zürich
Tel +41 44 253 84 84
Öffnungszeiten
MI, DO 10 - 20 Uhr
DI, FR, SA, SO 10 - 18 Uhr

 

 

 

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