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rheinische ART 07/2017

TATORT KAMBODSCHA
Khmer-Kunst und Kriminalistik

 

Der internationale Markt mit Kunstobjekten aus der alten Khmer-Kultur in Südostasien boomt. Was in den Handel gelangt, wird nicht selten zu extrem hohen Preisen angeboten. Allerdings: Längst nicht alle Skulpturen sind echt.


 

Die ausgestellte Skulptur (Mitte) in der Galerie in Bangkok. Foto © Jörg Hauser 2013, Fotoquelle Rautenstrauch-Joest-Museum Köln 2017

 

Kriminelle Machenschaften im Kunsthandel sind nicht Neues. Dubiose Anbieter, verschlungene Vertriebswege, falsche Provenienzen und raffinierte Nachahmungen sorgen fast regelmäßig für Schlagzeilen.

 

Titelbild zur Ausstellung „Tatort Kambodscha? Einer Fälschung auf der Spur“ © Rautenstrauch-Joest-Museum, Design: Marie-Helen Scheid 2017; Foto: Patrick Schwarz, rba 2017

 

Émile Gsell Angkor Wat, 1866, historische Fotografie des elsässischen Fotografen, die er während der sog. Mekong-Expedition des französischen Forschers Ernest Doudart de Lagrée anfertigte. Fotoquelle: wikipedia

 

Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum hat sich mit einer interessanten Sonderausstellung der Thematik angenommen. „Tatort Kambodscha? Einer Fälschung auf der Spur“ titelt die Schau und blickt auf den globalen Kunstmarkt und seine üblen Seiten.
     Es geht um Kunstwerke aus dem Kulturkreis des Khmer-Volkes, das vom 9. bis 15. Jahrhundert im heutigen Kambodscha und im nördlichen Teil Thailands lebte.

     Die Entdeckung ihrer gewaltigen Tempel- und Stadtanlagen im 19. Jahrhundert durch französische Forschungsreisende und Kolonisten, namentlich die vom Dschungel überwucherte königliche Stadt Angkor Wat, wird allgemein als ebenso spektakulär bewertet wie das Auffinden der Maya-Kultstätten in Lateinamerika. Neben der grandiosen Baukunst sorgte das Bildhauer-Handwerk der Khmer - dokumentiert schon in frühen Beschreibungen, Skizzen, Zeichnungen und historischen Fotografien - mit seiner geheimnisvollen Exotik für einen Mythos um diese Kultur.

     Zahlreiche Khmer-Plastiken etwa in Form von Portraitstatuen sind bis heute in Privatsammlungen unter Verschluss. Was in großen Schauen der Öffentlichkeit präsentiert wird, sorgt immer wieder für Staunen und Begeisterung: Aus Stein fein gearbeitete Skulpturen mit vergeistigten, weichen Gesichtszügen und verinnerlichtem Lächeln, in Hüften sich wiegende Weiblichkeit, edle Königsfiguren von jugendlichem Wuchs.

 

Offene Fragen Doch handelt es sich wirklich stets um Originale? Die Kölner Sonderschau geht dieser grundsätzlichen Frage nach und verfolgt anhand einer vermeintlich originalen Khmer-Skulptur deren Historie. Die Kuratoren ermöglichen dabei dem Besucher einen Blick auf das Handwerkszeug moderner Kunstforschung und sie geben Antworten auf weitere Fragen.

     Wie konnte eine Fälschung auf den Kunstmarkt gelangen? Welches sind die Handlungen und wer die Täter, die eine Kopie in eine Fälschung verwandeln? Mit welchen technischen Hilfsmitteln werden solche Skulpturen hergestellt?


Die Ausstellung gliedert sich in drei Kernbereiche: Das Thema „Einer Fälschung auf der Spur“ befasst sich mit der Entlarvung des Falsifikats, ethnologische Forschungsresultate werden unter der Überschrift „Von der Kopie zur Fälschung – Eine Metamorphose“ reflektiert und die Erkenntnisse aus der Naturwissenschaft präsentieren sich unter dem Themenkomplex „Schichten und Geschichten – wie entdeckt man eine Fälschung?“.


Konkreter Anlass für diese ungewöhnliche Exposition war eine zufällige Begebenheit. Göttinger Wissenschaftler wurden in Bangkok Zeugen, wie ein deutscher Kunstliebhaber eine als echt angepriesene und zertifizierte Khmer-Skulptur in einer Galerie erwarb. Provenienz-Recherchen ergaben jedoch, dass die Skulptur eine Kopie war, gefertigt in Kambodscha und von skrupellosen Händlern und Galeristen in Thailand mit falschen Zertifikaten ausgestattet. Der Nachweis der Nachahmung konnte lückenlos erbracht werden. Skulptur und falsche Zertifikate übereignete der Kunstliebhaber als „ausgezeichnet dokumentiertes Beispiel einer dreisten Fälschung“ dem Rautenstrauch-Joest-Museum. Das Haus zeigt diesen betrügerischen Vorgang nunmehr in der Ausstellung.

 

Ein Steinbildhauer bearbeitet die Skulptur nach einer Vorlage. Rautenstrauch-Joest-Museum 2017 Foto © Brigitta Hauser-Schäublin und Jörg Hauser 2013

 

Zahlreiche Steinbildhauer-Werkstätten in Kambodscha stellen nach Vorlagen aus Ausstellungskatalogen Kopien alter Khmer-Skulpturen her, ausgerichtet am Geschmack der Touristen aus aller Welt. Die Kopien werden mechanischen und chemischen Alterungsprozessen unterzogen, um eine „antike Optik“ zu erzeugen.

     Diese künstlich gealterten Figuren werden jedoch erst dann zu Fälschungen, so die Kuratoren, wenn sie in betrügerischer Absicht mit falschen Herkunftsdaten weiterverhandelt und verkauft werden. Dies verantworten in der Regel kriminelle Händler und Galeristen und nicht etwa Steinmetze oder Künstler.

 

Untersuchung eines Torsos mit dem Videomikroskop, Rautenstrauch-Joest-Museum 2017 Foto © Hans Leisen 2017 

 

Akribie Die Antwort auf die Frage „Ist eine Steinskulptur echt oder gefälscht?“ erfordert von Naturwissenschaftlern und Kunsthistorikern Detektivarbeit. Die erforderlichen Untersuchungen sind ein schwieriges Unterfangen.

     Sie beginnen mit sorgfältiger visueller Begutachtung und gehen weiter ins Detail, wobei auch „Hightech“-Methoden eingesetzt werden können. Eine genaue Kenntnis des verwendeten Steins, seiner Verwitterung und seiner bildhauerischen Bearbeitung ist Voraussetzung für die Einschätzung der gewonnenen Beobachtungen.

     Aber selbst dann kann gelegentlich eine klare Antwort nicht gegeben werden. „100 Prozent echt“ oder „100 Prozent gefälscht“ - das bleibt dann leider weiterhin ungelöst.
K2M


Die Ausstellung „Tatort Kambodscha? Einer Fälschung auf der Spur“ wird bis zum 6. August 2017 gezeigt.
Rautenstrauch-Joest-Museum
Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Tel. 0221 / 2213 1301
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr

 


 

 


 

 

 

 

 

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