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rheinische ART 04/2017

MAX TAUT 

Baumeister des Wesentlichen

 

Wenn von „Neuem Bauen“ die Rede ist, ist der Name Taut nicht fern. Gemeint ist nicht immer der berühmte Bruno Taut, sondern ebenso der vier Jahre jüngere Bruder Max. Im rheinischen Raum sind zwei seiner Architekturprojekte erhalten.

 

Buch-Cover Foto Wagenbach Verlag Berlin 2017 

 

Max Taut (1884-1967) Fotoquelle Taut-Haus am Engelbecken, Berlin

 

Die schon reiche Literaturliste über die Taut-Brüder ist aktuell um ein eher schmales aber feines "Geschichten-Buch" erweitert worden.

     Anlässlich des 50. Todestages von Max Taut erinnert der Berliner Wagenbach-Verlag an den Architekten und das frühe Werkbund-Mitglied (mehr) mit der Publikation „Taut baut“.

     Ungewöhnlich daran: Es ist kein Architektur-Fachbuch im klassischen Sinne. Der Werkbund Berlin hat zwölf Persönlichkeiten mit Bezug zu Taut-Bauten eingeladen, ihre Sicht auf die Baukunst des Architekten zu beschreiben. Daraus entstanden, wie der Untertitel ausweist, teils sehr persönliche „Geschichten zur Architektur von Max Taut“. Die Publikation ist Begleitbuch der aktuellen Taut-Ausstellung in der Berliner Werkbund Galerie.


Unter den Autoren
sind Berufskollegen wie auch Gebäudenutzer. Der international bekannte Schweizer Baumeister und Düsseldorfer Kunstakademiedozent Max Dudler (Bibliothek Folkwang Universität Essen, 2011), Filmregisseur Wim Wenders (mehr), der Schauspieler und Kulturkenner Hanns Zischler („Im Laufe der Zeit“, 1976) und andere würdigen jeweils mit individuellem Blick ein Bauwerk von Max Taut. Die Texte sind mit neuen Architekturfotos des renommierten Fotografen Stefan Müller ausgestattet.

     Im Rheinland, daran sei an dieser Stelle erinnert, existieren noch Siedlungsprojekte von Max Taut in Bonn und Duisburg. Sie sind Musterbeispiele für seine vorausschauende, sachliche und zweckorientierte Bauweise im Nachkriegsdeutschland.

 

Die Reutersiedlung während der Bauzeit Foto © Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn

 

Bonn Reutersiedlung Unter dem massiven Druck der schnellen Wohnraumschaffung wurde beim Wiederaufbau nach Kriegsende kaum das Idealbild von grünen, großzügigen und offenen Städten verfolgt. Die Bonner Reutersiedlung (1948-1952) ist da eine Ausnahme.

     Schon Anfang 1949, somit noch vor der Wahl Bonns zur provisorischen Bundeshauptstadt, entwarf Max Taut in Kooperation mit dem Landschaftsarchitekten Heinrich Raderschall im Auftrag des Landes NRW das neue Quartier. Die Reutersiedlung war für Bundesbedienstete und Bonner Bürger bestimmt und auf 500 Wohneinheiten ausgelegt. Die ersten Häuser waren im Herbst 1949 zwischen Venusberg und Reuterstraße fertig gestellt.

 

Reutersiedlung, Ledigenheim um 1952 Foto Hans Schafgans © Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn

 

Die Siedlung zeichnet sich durch großzügige Grünflächen mit alten Bäumen und unterschiedlichen Haustypen aus. Das Zentrum des Quartiers bildet ein sechsgeschossiges "Ledigenheim" mit Geschäften im Erdgeschoss, um das sich ein- und zweigeschossige Reihenhäuser sowie mehrgeschossige Wohnungsbauten gruppieren.

     Unter den ersten Mietern befanden sich Politiker des Deutschen Bundestages wie auch zahlreiche Journalisten. Mehr oder weniger Tür an Tür lebten etwa anfänglich Ludwig Erhard, der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer, Herbert Wehner, Carlo Schmid oder Erich Mende. 1986 wurde die Siedlung in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt.

 

Wohngebäude in der Zinkhüttensiedlung Duisburg Foto © KV die Grünen

 

Duisburg Zinkhüttensiedlung Die August-Thyssen-Hütte beauftragte Max Taut ab Mitte der Fünfzigerjahre mit der Planung von Werkssiedlungen. Tauts städtebauliches Konzept für diese Siedlung sah flache, mittlere und hohe Wohnhäuser vor, um ein vielfältiges Wohnangebot für vierhundert Familien oder rund 1000 Personen zu schaffen. Im Endausbau war die Siedlung am Zinkhüttenplatz quasi eine kleine Stadt im Grünen und damit eine außergewöhnliche Wohnanlage in der Industrieregion um Duisburg.

     Bis heute gilt das Quartier als architektonisch-städtebaulich herausragendes Siedlungsprojekt. Gebäude mit farbigen Balkonbrüstungen, wechselnden roten und gelben Klinkerfassaden, mit hellen, intelligent geschnittenen Mietwohnungen darin sowie umgebende weite Grünflächen sind bestimmende Elemente.

     Tauts Entwürfe folgten damit den avantgardistischen Werkbund-Ideen der Zwanzigerjahre, die eine Einbindung von Naturlandschaften in den Großstädten vorsah. Ein weiteres markantes Element: Taut übertrug auch ästhetische Gestaltungsprinzipien der deutschen Architekturmoderne auf den Massen-Wohnungsbau, denn er nahm jene farblichen Impulse auf, die sein Bruder Bruno Jahrzehnte zuvor als Baudezernent in Magdeburg in seinen berühmten „farbigen Siedlungen“ setzte.
rART/cpw

 

Die Lebenswege und Charaktere der Taut-Brüder waren sehr verschieden.

Bruno Taut (1880-1938), der avantgardistische und intellektuelle Architekturvisionär und Bauhaus-Meister (mehr), ging nach der NS-Machtübernahme zunächst in die Sowjetunion, ab 1933 ins Exil nach Japan. Dort verfasste er berühmte architekturtheoretische Schriften. Der große Ideengeber verstarb in Istanbul.

 

► Max Taut (1884-1967), der als ruhiger und bodenständiger galt, blieb hingegen in Berlin. Er machte sich einen Namen mit Eisenbeton- und Stahlrahmenkonstruktionen für Büro- und Gewerkschaftshäuser und führte, zeitweise diffamiert als Architekt „bolschewistischer“ Gebäude, recht und schlecht unter dem NS-Regime das ehemals gemeinsame Architekturbüro Taut & Hoffmann in Berlin weiter. Nach 1945 galt der dem Werkbund-Denken verbundene Max Taut als einer der erfahrensten Architekten seiner Zeit. Er publizierte im ersten Nachkriegsjahr „Berlin im Aufbau“ und entwarf Baupläne für öffentliche Gebäude wie Schulen, Warenhäusern und auch Wohnsiedlungen.

 

 

Literaturhinweis
Taut baut. Geschichten zur Architektur von Max Taut. Mit einem einleitenden Essay von Annette Menting. 80 Seiten, 60 Abb., 16 x 24 cm, Großformat, Klappenbroschur, ISBN 978-3-8031-3666-4. Wagenbach Verlag Berlin , 20 Euro

 

Die Ausstellung „Bauten von Max Taut fotografiert von Stefan Müller“ wird bis zum 5. Mai 2017 gezeigt.
Deutscher Werkbund Berlin
Werkbund Galerie

Goethestr. 13
10623 Berlin
Tel 030 – 313 85 75
Öffnungszeiten
MO-FR 15-18 Uhr

 

 

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