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rheinische ART 10/2017

ABSTRAKT
Anthony Caro


Engländer, Ingenieur, Lehrer, Bildhauer: Anthony Caro zählt mit seinen Stahlskulpturen zur Nachkriegsavantgarde. Seine Arbeiten sind in der Skulpturenhalle der Thomas Schütte-Stiftung ausgestellt.

 

Anthony Caro Month of May, 1963, Stahl & Aluminium, lackiert, 279,5 x 305 x 358,5 cm © Courtesy of Barford Sculptures Limited and Gagosian Gallery, Foto: © Stefan Hostettler & Moritz Wegwerth

 

Die Stahlskulpturen wirken leicht, sind oft filigran. Schwere eiserne Stahlträger bis zu einfachst gebogenen runden Stahlstangen gehören zum Repertoir des Künstlers. Das Figürliche hatte Anthony Caro (1924 – 2013) zugunsten der Abstraktion schon früh aufgegeben, ist seiner Vita zu entnehmen. Was allerdings nicht heißt, dass sich Caro der Körperlichkeit widersetzte, ganz im Gegenteil.

 

Anthony Caro Sculpture Seven, 1961, Stahl, lackiert, 178 x 537 x 105,5 cm © Courtesy of Barford Sculptures Limited and Yorkshire Sculpture Park, Foto: © Stefan Hostettler & Moritz Wegwerth

 

Farbe spielte bei ihm eine große Rolle, insbesondere bei den Objekten aus seiner Anfangszeit der 1960er Jahre. Die gewählten Farbkombinationen, die sich eben nicht auf die Grundfarben konzentrieren, scheinen zeitlos wie allgemeingültig. Vielleicht wirken seine Plastiken deshalb auch heute noch so aktuell.

 

Anthony Caro Whispering, 1969, Stahl, Holz, lackiert, 297 x 155 x 89 cm (im Hintergrund platziert ist die Arbeit Elephant Palace) © Courtesy of Barford Sculptures Limited, Foto: © Stefan Hostettler & Moritz Wegwerth

 

Die bildhauerische Methode, Plastiken mittels des Schweißens und Schmiedens zu realisieren, ist ungewöhnlich und liegt im Falle Caros sicherlich in dessen Ausbildungsweg begründet. Caro hatte ein Studium zum Diplom-Ingenieur abgeschlossen, bevor er die Royal Akademy of Arts in London besuchte.


Der Kurator Dieter Schwarz schreibt: „Eine abstrakte Skulptur zu konzipieren, das war die Aufgabe, die sich Anthony Caro stellte, als er Ende der 1950er Jahre mit der abstrakten amerikanischen Malerei in Berührung gekommen war. Eine Skulptur, die ‚in einem Raum so wichtig war wie eine Person’. Seine ersten Werke baute Caro aus normalen Stahlträgern, wie man sie für Bauten verwendet.
     Anstatt sie aufzurichten, legt er sie auf den Boden, nebeneinander und aufeinander – sie stehen in der realen Welt. Die Teile sind nicht miteinander verbunden, doch sie wirken zusammen, und jedem von ihnen kommt unabhängig von seiner Dimension dieselbe Bedeutung für das Ganze zu. In klaren Farben bemalt, entwickelt sich die Skulptur im Raum. Anstelle einer Figur erschaffen ihre Elemente eine offene Situation, in die der Betrachter einbezogen wird.

 

Anthony Caro Table Piece XLII, 1967, Stahl, poliert & lackiert, 59,7 x 39,4 x 73,7 cm © Courtesy of Barford Sculptures Limited, Foto: © Stefan Hostettler & Moritz Wegwerth

 

     Über die Jahre wird Caros Arbeit immer bildhafter. Ein erstes Anzeichen dafür ist das Maschengitter, das die in die Tiefe gestaffelten Elemente zusammenfasst. Anstelle von gegebenen Materialien arbeitet er nun mit individuellen Formen, und mehr und mehr setzt er die Skulptur in ein begrenztes Spielfeld, macht sie zur Bühne, auf der er Szenen präsentiert. Oft wählt Caro maschinelle Einrichtungen, Funktionen mit unbekanntem Zweck, die er zu Bildern umdeutet. Neben die Bemalung tritt die Wirkung des Metalls – Corten-Stahl, Messing –, das mit Acrylglas kombiniert wird, um Licht in die Konstruktion einzubringen.
     Eine Erfindung Caros sind die Table Sculptures. Zwar sitzen sie auf Sockeln, doch einzelne Elemente greifen darüber hinaus und dringen in den Raum des Betrachters ein.
     Es gibt bei Caro keine Entwürfe und Vorarbeiten, es gibt nur die improvisierte Arbeit am Werk selbst. Und doch gibt es von den Skulpturen Modelle, die in dieser Ausstellung zu sehen sind. Sie dienten als Inventar des bereits Geschaffenen – Modelle after the fact – und sind deshalb ungewöhnlich perfekt.“

 

Anthony Caro Aurora, 2000/03, Stahl, lackiert, 265 x 523 x 308 cm © Courtesy of Barford Sculptures Limited, Foto: © Stefan Hostettler & Moritz Wegwerth

 

Anthony Caro wurde ob seiner künstlerischen Leistung bereits zu Lebzeiten hoch geachtet. 1987 schlug Königin Elisabeth II. ihn als Knight Bachelor zum Ritter und ernannte ihn im Mai 2000 außerdem zum Mitglied des prestigereichen Order of Merit. 1988 wurde er in die American Akademy of Arts and Sciences gewählt.
ruwoi


Die Ausstellung „Anthony Caro“ ist bis zum 17. Dezember 2017 zu sehen.
Skulpturenhalle
der Thomas Schütte Stiftung
Berger Weg 16
41472 Neuss / Holzheim
Tel. 02182 / 8298520
Öffnungszeiten
FR – SO 11 – 17 Uhr

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

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