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rheinische ART 10/2017

PARIS UND MARRAKESCH
2 x YSL

 

Die historische Haute Couture hat neue Schaufenster erhalten. In Paris und in Marrakesch eröffneten nahezu zeitgleich Museen, die dem Wirken des berühmten kreativen Ausnahmetalents Yves Saint Laurent (YSL) gewidmet sind.

 

Marrakesch: Nüchtern und erdig - Außenfassade des Musée Yves Saint Laurent Marrakech (mYSLm). Das Gebäude besteht aus kubischen Formen, die ein Muster bilden, das Fäden eines Gewebes ähnelt. Foto © Studio KO, 2016 Fondation Bergé-Yves Saint Laurent 2017

 

Das spektakulärste der beiden Häuser dürfte wohl der 4.000 Quadratmeter umfassende Neubau des Musée Yves Saint Laurent Marrakech sein, werbewirksam bereits formelhaft als mYSLm betitelt.

 

Innenansicht (Halle) mit dem Exponat „Oiseau Sénoufo“. Es war die erste Kunst-Erwerbung von Pierre Bergé und Yves Saint Laurent im Jahre 1960. Copyright Fondation Jardin Majorelle / Photo Nicolas Mathéus

 

Museum und Archiv Es handelt sich um ein Kulturzentrum mit Raum für Dauerausstellungen und temporäre Schauen, einer Forschungsbibliothek, einem Auditorium, Buch-Shop mit Café und Restaurant.

     Bis zu 80 Couture-Kleider aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, in der Regel die Prototypen der seinerzeitigen Modeschauen, werden in der ständigen Exposition gezeigt. Gleichzeitig dient das Haus als Archiv für den riesigen Nachlass des Modeschöpfers.

     Mittelfristig ist die Verlagerung von bis zu 5.000 Kleidern, 15.000 Haute Couture-Accessoires - von Schuhen, Schmuck, Hüten und Handschuhe bis zu Taschen - und über 10.000 Modeskizzen und -zeichnungen von Paris in das neue Museum in Marrakesch geplant.

 

Mode im Museum Blick in die Ausstellung im YSL Marrakesch. Copyright Fondation Jardin Majorelle / Photo Nicolas Mathéus

 

Terrakotta und Beton Der futuristische Bau stammt vom französischen Architekturbüros KO. Hinter dem Kürzel stehen die Gründer Karl Fournier und Olivier Marty, die zu den führenden Größen der Baumeister-Szene in Frankreich gerechnet werden.
     Das Mode-Museum in Marokkos wichtigster Reisestadt vereint traditionelle Bauweise in Form irdener Terrakottaziegel mit zeitgenössischer Bautechnik in Beton. Die Architekten ließen sich bei den Planungen eigenen Aussagen zufolge von der Profession des Designers und Modeschöpfers YSL inspirieren.

 

Gerade und runde Linien: Baudetails an der Südfassade des Museums in Marrakesch. Copyright Fondation Jardin Majorelle / Photo Nicolas Mathéus

 

Paris: Fassade des luxuriösen Musée Yves Saint Laurent, 5 Avenue Marceau, Paris, Photograph by Sacha, © Sacha. Foto © Fondation Bergé-Yves Saint Laurent, Paris 2017

 

Die Raumaufteilung bezieht ihre Form aus den teils komplizierten Schnittplänen von Textilien, wie sie bei der Anfertigung von Bekleidung benötigt werden.

     Deutlich werden die Bezüge zu Couture-Kreationen ebenso an den äußeren Fassaden, deren Schmuckelemente den Nahtführungen von Bekleidungsmodellen entliehen wurden sowie an den Terrazzoböden aus marokkanischen Steinfragmenten. Die regionalen Baumaterialien fügen sich harmonisch in die Umgebung.

     Die Verschachtelung des Gebäudes mit seinen kubischen Räumen und der Grundriss erinnern, wie in Fachkreisen bemerkt wird, an Gebäude der späten Moderne, wie sie etwa von Le Corbusier für den Palace of Assembly in der indischen Retortenstadt Chandigarh entworfen wurden. Architekt Karl Fournier: „Das Museum ist eine Ode an Marokko, das Yves Saint Laurent genauso geliebt hat, wie wir es tun.“

 

Konventionell Eher klassisch wirkt dagegen das renovierte ehemalige Pariser Haupthaus des Unternehmens YSL, das nunmehr als Musée Yves Saint Laurent Paris in der Avenue Marceau Nummer 5 zwischen Trocadero und Champs-Elysee fungiert.

     Das Hôtel particulier, ein für Paris typisches altes, elegantes Stadtpalais, war ab 1974 Sitz des Couture-Hauses und seiner Studios. Bis zum Jahre 2002 entwarf und zeichnete hier Saint Laurent, der sein Handwerk bei Dior gelernt hatte, seine Kollektionen, suchte und wählte Accessoires, ließ schneidern, anprobieren, verbessern, akribisch archivieren und plante die riesigen Defilees.

     Der Ausbau des Firmensitzes zu einem Museum basiert auf Plänen- der Pariser Architektin Nathalie Crinère (Agence NC), die unter anderem auch für den neuen Louvre Abu Dhabi gearbeitet hat. Die Konzeption dieses Museums orientiere sich daran, wie YSL mit seiner Mode die Garderobe der Frau revolutioniert habe, so die Baumeisterin. „Wir wollen Yves Saint Laurents Entwürfe an dem Ort zeigen, an dem sie entstanden.“

     Seit 2004 ist das Stadtpalais auch Sitz der Fondation Pierre Bergé-Yves Saint Laurent, die das Œuvre des Modeschöpfers pflegt und verwaltet. Es verfügt über eine Präsentationsfläche von über 450 Quadratmetern und versteht sich als Schauplatz für Wechselexpositionen zu aktuellen Kunstthemen, aber auch als stetes Fenster für Blicke auf die Arbeitsprozesse des Couturiers.

 

Yves Saint Laurent in seinem Studio 1986. Foto © Fondation Bergé-Yves Saint Laurent, Paris 2017. Das Studio war bislang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Im neuen Pariser YSL-Museum ist es Teil des Ausstellungsparcours.

 

Ortswechsel Beide Museen wurden von der Fondation Bergé-Yves Saint Laurent finanziert. Damit erfüllte sich für den Lebens- und Geschäftspartner des genialen Modemachers, den französischen Unternehmer und Mäzen Pierre Bergé (1930-2017), ein Lebenstraum. Bergé, Mitbegründer des Modehauses, betonte zu Lebzeiten, das die Wahl des Museumsortes Marrakesch ursächlich mit einem Immobilienkauf dort im Jahre 1966 zusammenhing. Seinerzeit kaufte Saint Laurent, von der Stadt fasziniert, als Zweitwohnsitz ein ersten Haus. Vierzehn Jahre später erwarb YSL das vom Verfall bedrohte Anwesen des Malers Jacques Majorelle: ein Wohnhaus mit tiefblauem Atelier und exotischem Garten namens Jardin Majorelle. Der neuen Eigentümer taufte das Traum-Refugium auf den Namen „Villa Oasis“.

 

Villa Oasis und Jardin Majorelle, ein Kunstwerk aus Palmen, Kakteen und Seerosen nahe des neuen Museums mYSLm in Marrakesch. Foto © Jardin Majorelle, Fondation Bergé-Yves Saint Laurent, Paris

 

Yves Saint Laurent Robe homage a Piet Mondrian Foto © Fondation Bergé-Yves Saint Laurent, Paris 2017/ Alexandre Guirkinger

 

Yves Saint Laurent (1936-2008) verbrachte von da an viel Zeit seines Lebens in der marokkanischen „roten Stadt“, die ihn nach eigenen Aussagen kreativ stark beeinflusste: „Die meiste Inspiration und mein Farbgefühl verdanke ich Marrakesch.“

     Der „Magier der Farben“ - wie YSL seinerzeit gerne bezeichnet wurde - bekannte, dass er in dieser alten Königs- und Wüstenstadt seine Farbpalette gefunden habe, und diese entstamme den örtlich verwendeten Koloriten.

     Optische Harmonien und Ideen lieferten ihm etwa die verbauten glasierten Tonfliesen (Zellige), die orientalischen Glaswandlampen (Zouaks), die wallenden maghrebinischen Gewänder (Djellabas) und die Kaftane. Er habe alles genommen, verwandelt und adaptiert, so der High-Fashion-Schöpfer. „Die Kühnheit, die seitdem in meiner Arbeit gesehen wurde, verdanke ich diesem Land…“.

     Gleichzeitig drückte YSL mit seiner sanierten „Villa Oasis“ und dem zugehörigen Jardin Majorelle der Stadt Marrakesch einen Stempel auf, machte sie zu einem der Hotspots für die globale High- Society und ihrer exzentrischen Entourage.

 

Modegeschichte Pierre Bergé, der betriebswirtschaftlich denkende und handelnde Geschäftspartner, galt als die treibende Kraft hinter dem kommerziellen Erfolg des Modehauses.

     Das Lebens- und Arbeitspaar schrieb zusammen mehr oder weniger auch ein neues Kapitel in der Kulturgeschichte. So ist es heute in Modekreisen unbestritten, dass der introvertierte Couturier Yves Saint Laurent mit seiner androgynen Mode nicht nur die sich anbahnende neue Rolle der Frau in der Gesellschaft jahrelang begleitete, sondern sie vielmehr auch aktiv förderte. Er war auch der Ideengeber für das Pret-a-porter, also die gehobene Tagesmode, als er 1966 seine Rive-Gauche-Boutiquen eröffnete, eine Revolution in der Branche.

rART/Klaus M. Martinetz

 

Der berühmte Jardin Majorelle vor der Altstadt Marrakeschs hat eine lange Geschichte. Der exotische Garten wurde 1924 von dem Künstler und Orient-Kenner Jacques Majorelle (1886-1962) mit selbst gesammelten Pflanzen angelegt. Das Garten-Kunstwerk konnte ab 1947 öffentlich besucht werden. Nach dem Tode Majorelles verwilderte die botanische Wunderwelt. Saint Laurent und Bergé retteten durch den Erwerb Garten und die zugehörige Villa vor einer geplanten Liquidation und renovierten das Anwesen, das ihnen als kreativer Rückzugsort diente.


Musée Yves Saint Laurent Marrakech
Rue Yves Saint Laurent
Marrakech
Tel +212 (0) 5 2429 8686
Öffnungszeiten
Täglich außer Mittwoch
10 bis 18 Uhr


Musée Yves Saint Laurent Paris
5, avenue Marceau
75116 Paris
Tel +33 1 4431 6400
Öffnungszeiten
DI- SO 11-18 Uhr
FR 11-21 Uhr

 

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