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rheinische ART 06/2017

Archiv 2017

ZEICHNUNGEN
Selbstgespräche


40 Jahre Jürgen Klauke: In einem retrospektiv angelegten Überblick wird das zeichnerische Werk des Künstlers im Max Ernst Museum in Brühl vorgestellt.

 

Jürgen Klauke Kommunikationsvehikel, 2007, Mischtechnik/Eiweißlasur auf Bütten, 90 x 119 cm, Courtesy: Galerie Hans Mayer, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Übertriebene Dekoration ist nicht das Ding des Künstlers. Klaukes künstlerische Formulierungen allerdings sind sehr treffend. Mit rund 400 Arbeiten, von frühen »erotographischen« Zeichnungen mit Tagebucheintragungen bis zu großen, farbigen Gouachen und umfangreichen, in schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungssuiten, wird die Entwicklung des Künstlers aufgezeigt.

 

Aus: Jürgen Klauke, Ein Moment wie ein Zungenschlag, 1977, Tusche und Mischtechnik auf Papier, 155 x 90 cm, Courtesy: Galerie Guido W. Baudach, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Jürgen Klauke (*1943), der den Geist der 68er- Revolution einatmete, setzt sich seit den 1970er Jahren mit sozialen Verhaltensmustern und gesellschaftlich normierten Geschlechtsidentitäten kritisch auseinander. Rückblickend nahm er damit die heute aktuellen Genderdiskussionen vorweg. Klauke zählt zu den wichtigen Akteuren der inszenierten Fotografie und gilt als Pionier der Body-Art und Performance. Von 1994 bis 2008 hatte er die Professur für künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule für Medien in Köln inne.

 

Der Körper ist ihm wichtig Dem »intermediären Aktionisten«, wie sich Klauke selbst nennt, ging und geht es um ein Aufbrechen überkommener Denk- und Bildvorstellungen. Der menschliche Körper ist ihm wichtig und deshalb steht dieser im Zentrum seines gesamten Werkes, das er als »Ästhetisierung des Existenziellen« umschreibt.
     Von Anfang an entstanden Zeichnungen, die auch seine inszenierten Fotografien inspirieren, so wie diese auf die zeichnerischen Ideen zurückwirken konnten. Während seine fotografischen Arbeiten in großen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten waren, ist sein zeichnerisches Werk weniger präsent.

 

Aus: Jürgen Klauke, Entlang der Cioran-Linien, 2009/10, Tusche auf Papier, 40 x 31 cm, Courtesy: Galerie Helga de Alvear, Madrid © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Aus: Jürgen Klauke, Körperzeichen/ Zeichenkörper IV, 2015/16, Tusche auf Papier, 40,7 x 31,3 cm, Courtesy: Galerie Thomas Zander, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Ich & Ich ist Programm Im Laufe der 1970er Jahre und parallel zu Performances und Fotoserien entstanden Tageszeichnungen, die der Künstler mit »Fag-Hag« (1974), »Sekunden« (1975/76) oder »Ziemlich« (1979-81) benennt oder denen er 1970/71 – also gleich zu Beginn – die programmatische Überschrift »Ich & Ich« gibt. Immer wieder setzt er sich mit existenziellen Fragen auseinander, die an den Titeln seiner farbigen Gouachen ablesbar sind: »Griff ins Leere« (1983-90), »Stottern + Stammeln / länglich« (1992/93) oder »Phantomschmerz« (2003). 

     Mit den schwarz-weißen Zeichnungsserien »Entlang der Cioran Linien« und »Körperzeichen/ Zeichenkörper«, die 2012 und 2013 als großformatige Künstlerbücher erschienen, werden Motive aus den fotografischen Inszenierungen sowie aus den frühen Tageszeichnungen destilliert, erweitert und neu formuliert. Auch hier sind die männlichen und weiblichen Körperteile und einzelne als Requisiten des Seins und der Welt fungierende Gegenstände einer permanenten Verwandlung und Verschmelzung unterworfen. Linien bilden klare Konturen, die einerseits durch parallele Wiederholung psychische Energien auszustrahlen scheinen und sich andererseits zu schwarzen Flächen wandeln, die sowohl Raum als auch Leere suggerieren.
bra

 

Die Ausstellung „Jürgen Klauke Selbstgespräche. Zeichnungen 1970 - 2016“ ist bis zum 16. Juli 2017 zu sehen.
Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl
Tel. 02232 / 5793 -0
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

 

 

 

 


  

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