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rheinische ART 04/2017

Archiv 2017

ARCHIV KRUPP
…an Euer Hochwohlgeboren


So schrieb Graf Zeppelin im Juni 1892 an Friedrich Alfred Krupp und versuchte, den Industriellen an der Ruhr für sein lenkbares Luftschiff zu begeistern. Dieses Schreiben und 43 andere bedeutende Korrespondenzen aus rund 200 Jahren Familien- und Firmengeschichte werden derzeit in der Villa Hügel in Essen präsentiert. Ein Rückblick.

 

Blick in die Ausstellung „Humboldt dankt, Adenauer dementiert“ Foto © Frank Vinken, Historisches Archiv Krupp, Essen 2017

 

Die Ausstellung „Humboldt dankt, Adenauer dementiert“ schöpft aus einem großen Fundus bedeutender Schriftstücke, die das Historische Archiv Krupp in seinem Bestand hat und gibt ebenso interessante wie überraschende Einblicke in Politisches und Alltägliches.

 

Kaiser Wilhelm II. an Bertha Krupp, Neues Palais in Potsdam 12. Dezember 1902, 14,5 × 22,5 cm, schwarze Tinte auf Papier mit farbigem Prägesiegel © Abbildung: Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Alexander von Humboldt (1769-1859), Entdecker und Naturforscher, Karriere im preußischen Staatsdienst, ab 1793 Forschungsreisen nach Lateinamerika, in die USA und nach Zentralasien, Verfasser der »Ansichten der Natur« und des »Kosmos« © Abbildung: Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Li Hongzhang an Alfred Krupp, ohne Ort, 17. Juni 1880, 34,2 × 22,8 cm, schwarze Tusche auf rotem Papier mit farbiger Prägung © Abbildung: Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Die handschriftlichen oder eigenhändig unterzeichneten Schriftstücke, ob auf Büroblättern, derbem Bütten oder zartem Luftpostpapier, mit Feder oder Schreibmaschine geschrieben, spiegeln das Zeitgeschehen und zeigen, so die Essener Kuratoren, auch den Wandel der Kulturtechnik des Schreibens.

     „Das Historische Archiv Krupp ist eine Schatzkammer, ein riesiges Gedächtnis mit fast zehn Regal-Kilometern und es bewahrt weit mehr als die Geschichte des Unternehmens“, erklärte Ursula Gather, die Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.


Danksagungen Die Mitglieder der Familie Krupp, das Unternehmen (mehr) wie auch der über Jahrzehnte wirkende Generalbevollmächtigte Berthold Beitz standen stets in regem Briefwechsel mit Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und Industriellen im In- und Ausland.

     Viele Prominente schrieben Danksagungen, wie der berühmte Forschungsreisende Alexander von Humboldt 1854 in einem Brief an Bertha Krupp für erhaltene Geburtstagswünsche und der Architekt Mies van der Rohe (mehr) 1961 für einen Bauauftrag.

     Der chinesische General Li Hongzhang wandte sich in Sachen Bootsankauf und Kanonen-Umrüstung schriftlich an Alfred Krupp, andere baten um Vermittlung, suchten die Aufmerksamkeit ihrer Adressaten, berichteten von eigenen Projekten oder brachten sich und ihr Anliegen in Erinnerung. 

     Humorvoll etwa dankte der Arzt und Humanist Albert Schweitzer für die Spende einer Glocke für sein Urwaldspital in Lambarene/ Gabun. Ein projektierter Dokumentarfilm über die Nuba im Sudan war 1961 Gegenstand einer Korrespondenz der Regisseurin Leni Riefenstahl mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach.

 

Willy Brandt (1913-1992) SPD-Politiker, Widerstand gegen das NS-Regime, 1957-66 Regierender Bürgermeister von Berlin, 1969–74 Bundeskanzler, 1971 Nobelpreis, »Neue Ostpolitik«. © Abbildung:Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Adenauer, Konrad (1876-1967) Politiker, 1917-33 Oberbürgermeister von Köln, 1946-66 Vorsitzender der CDU, 1949-63 erster Bundeskanzler, Einsatz für Wiederaufbau und Westintegration. Abbildung: © Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Politisches Willy Brandt hob in einem Brief vom Dezember 1971, da war er schon zwei Jahre lang Regierungschef, die „unerschrockene Art“ von Berthold Beitz hervor. Imponiert hatte ihm offenbar das wirtschaftliche Ost-Engagement des Generalbevollmächtigten. Seine Wertschätzung drückte der Bundeskanzler nicht nur dadurch aus, dass er betonte, wie wichtig es sei, „in guter Verbindung zu bleiben“, sondern auch, weil er den Brief ganz mit eigener Hand schrieb.

     Getrübter war da schon Berthold Beitz´ Verhältnis zu Konrad Adenauer dreizehn Jahre zuvor. „Der mochte mich nicht“, erinnerte sich der einflussreiche Industrielle an den Kanzler Adenauer, der ihm und der Firma die nationale Zuverlässigkeit abgesprochen habe. Adenauer dementierte prompt, schriftlich und kühl am 20. Juni 1958 mit einem Schreiben an den Unternehmenschef persönlich, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach.

     Gleichwohl blieb das Verhältnis zwischen Beitz und Adenauer gespannt, wie in der Beitz-Biografie von Joachim Käppner nachzulesen ist (mehr).


Die Liste der Exponate wird zeitlich von der Belehnungsurkunde der Maria Cunegunda für Flöz Dreckbank, ausgestellt am 24. Januar 1800 von der Fürstäbtissin von Essen, Maria Kunigunda, angeführt. Von Franz Haniel gab es 1819 eine Spesenrechnung und der Kölner Bankier Abraham Oppenheim reicht 1856 die Androhung von Rückforderungen ein. In der Ausstellung finden sich ferner Schriftstücke von Kaiser Wilhelm II., dem Erfinder Thomas Alva Edison und dem Physiker Max Planck, dem Politiker Gustav Stresemann, dem Maler Max Liebermann und dem Dirigenten Herbert von Karajan, von Golo Mann und Richard von Weizsäcker.

 

Villa Hügel Haupteingang Foto © Historisches Archiv Krupp, Essen

 

Die Ausstellung ist so organisiert und inszeniert, dass sich der Besucher sowohl den Originalen widmen und diese lesen kann, darüber hinaus aber auch die Möglichkeit geboten wird, Interessantes und Hintergründiges zu den Dokumenten zu erfahren. 

rART/cpw


Die Ausstellung gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen und Förderaktivitäten, mit denen die Stiftung an ihre Gründung durch Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (13. August 1907 – 30. Juli 1967) und an den Beginn ihrer Tätigkeit im Jahr 1968 erinnert.

 Die Stiftung Alfried Krupp von Bohlen und Halbach hat sich in der Kunstförderung einen Namen gemacht. Zuvörderst ist da das Museum Folkwang in Essen zu nennen, dessen Bau die Stiftung finanzierte (mehr). Auch der "freie Eintritt" in das Haus (mehr) ist dem Engagement der Stiftung zu verdanken. Zudem realisierte sie die Einrichtung von zwei Professuren zur Provenienzforschung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (mehr).


Die Ausstellung „Humboldt dankt, Adenauer dementiert. Briefe aus dem Historischen Archiv Krupp“ wird bis zum 8. Oktober 2017 gezeigt.
Villa Hügel
Hügel 1
45133 Essen

Tel. 0201 / 6162917
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr

 

 

 

 

   

 

 

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