rheinische ART
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rheinische ART 02/2023

Archiv 2023

GASOMETER
Natur in der Tonne


Überschwemmungen, Dürren, Unwetter, Hitzerekorde – die Welt ist im Klimawandel angekommen. Das Wetter spielt verrückt und stellt neue Herausforderungen an alle, die auf dem Planeten leben. Kann das so weitergehen?

 

Visueller Höhepunkt der Ausstellung ist die 20 Meter hohe Erdskulptur. Natur im XXL-Format. Foto © Thomas Wolf, Gasometer Oberhausen GmbH.

 

Museen und Ausstellungshäuser haben sich der Erde als lebendiges System mit Präsentationen und interaktiven Schauen längst angenommen und blicken auf die Themen Klima, Umwelt, Energie oder Naturzerstörung.

     Derzeit zeigt eine Ausstellung im Gasometer Oberhausen die Welt als fragiles Gebilde und nimmt die Besucher mit auf eine bildgewaltige Reise durch die Klimageschichte, Tier- und Pflanzenwelt.

 

„Das zerbrechliche Paradies“ titelt die Schau und bietet ein seltenes optisches Erlebnis, denn der riesige ehemalige Gasspeicher, im Volksmund an Rhein und Ruhr auch liebevoll „Die Tonne“ genannt, ist nach einer kompletten Renovierung ideal, um ein zerbrechliches Paradies wie die Welt beeindruckend groß und bedeutend zu inszenieren. Und große Bilder wirken.

 

Wir haben es selbst in der Hand: Die Welt als schützenswertes Paradies. Foto © Thomas Wolf, Gasometer Oberhausen GmbH.

 

So zelebriert die Schau zum einen die Schönheit der Natur, zum anderen dokumentiert sie ihre Verletzlichkeit. Als Highlight zeigt sich eine monumentale Erdskulptur, die im rund 100 Meter hohen Inneren der „Tonne“ zu schweben scheint und einen atemraubenden Blick quasi von aussen auf die Heimat der Menschen ermöglicht.

     

Nach zweijähriger und millionenschwerer Sanierung wurde das national bedeutende Industriedenkmal mit der Paradies-Ausstellung spektakulär in Szene gesetzt. Wo sonst könnte derart beeindruckend die einzigartige Schönheit und bewegte Klimageschichte der Erde für jederman optisch präsentiert werden?

 

Nach zwei Jahren Renovierung wieder ein Treffpunkt für Kunst und Kultur. Außenansicht des Oberhausener Gasometers. Foto © Dirk Böttger, Gasometer Oberhausen GmbH


Der Gasometer in Oberhausen ist zu einem weithin sichtbaren Symbol der Industriekultur an Rhein und Ruhr geworden und neben dem UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein eines der Wahrzeichen des Ruhrgebiets.

     Als größter Scheibengasbehälter Europas wird er heute als ein Meilenstein europäischer Industriegeschichte angesehen. Er wurde Ende der 1920er Jahre gebaut und als Speicherort für in der Eisenverhüttung entstandenes Gas genutzt. Nach Schließung der örtlichen Kokereien in den 1980er Jahren wurde der Behälter 1988 stillgelegt.
     Durch seinen Umbau zur zwar nicht größten, jedoch ohne Zweifel höchsten Ausstellungshalle Europas, entwickelte sich diese technische Anlage seit 1994 zu einem Aushängeschild der Industriekultur. Mittlerweile ist er fester Bestandteil des Kulturlebens im westlichen Ruhrgebiet und bietet Raum für Ausstellungen, Theater oder Konzerte.

 

Blick in die Ausstellung. Foto © Dirk Böttger, Gasometer Oberhausen GmbH


Ziel der aktuellen Ausstellung sei es, „die schützenswerte Schönheit unseres Planeten zu zeigen“, erklärte Jeanette Schmitz, Geschäftsführerin der Gasometer GmbH, „das heißt aber auch, auf Missstände hinzuweisen, die unser Paradies bedrohen. Bereits heute gibt es allerdings vielversprechende Lösungsansätze, die wir exemplarisch darstellen.“

 

Auch nachts ein begehbares Industriedenkmal, Treppenturm im Gasometer. Foto © Foto © Dirk Böttger, Gasometer Oberhausen GmbH

 

Auf die Problematik des Umweltschutzes haben, wie es in der Ausstellung heißt, schon in der Antike führende Köpfe hingewiesen.

     Denn sofern der Mensch in die Natur eingreife, habe er „strengstens auf die Wiederherstellung ihres Gleichgewichts zu achten“, mahnte bereits sinngemäß der griechische Philosoph Heraklit um 500 vor Christus.

     Seine Mahnung jedoch verhallte weitgehend ungehört, und die Folgen der menschlichen Eingriffe in das Ökosystem des Planeten sind bekanntlich dramatisch.


Die zusammengestellten, teils preisgekrönten, Fotografien und atemberaubenden Filmsequenzen zeigen in aller Deutlichkeit die Klimaveränderung, die Waldrodungen, den Raubbau an Tieren, die Vermüllung – insbesondere der Meere – und die Folgen der industriellen Landwirtschaft.
     Es gibt aber auch, wie es heißt, Hoffnungsschimmer, wie das Ocean Cleanup-Projekt, das Vertical Forest-Gebäude in Mailand oder, wie die Kuratoren betonen, direkt vor der Gasometer-Haustür die Renaturierung der Emscher.

     Bergbau, Industrie und Bevölkerungszuwachs hatten den Fluss einst zu einer der größten Kloaken in Deutschland gemacht. Heute gilt er als ein erfolreich renaturierter Raum.

 

Die Schau ist eine bildschwere Reise durch Eis- und Wüstenwelten, auf die Spitzen von Bergen und hinab in die Tiefen der Ozeane. Unterhaltsam und informativ erfahren die Besucher von den Lebensumständen des Himalaya-Murmeltiers, aber auch so allerhand über die Anpassungsfähigkeit der Rotfüchse, die mittlerweile die nördlichen Lebensräume des Polarfuchses einnehmen. Natur pur sozusagen, und zwar alles in Großformat XXL wie auch im Detail.

rART/bra

 

Die Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ ist bis zum 26. November 2023 verlängert worden.
Gasometer Oberhausen
Am Grafenbusch 90
46047 Oberhausen
Tel. 0208 / 85037-30
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 18.00 Uhr
 

 

 

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