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rheinische ART 01/2024

ARCHITEKTUR
Zum 100. Jubiläum eine Schau


Wenn es für ein Hotel einen Gedenktag gibt, wird gerne gefeiert. Wenn es ein luxuriöses Spitzenhotel ist, kann es zusätzlich auch eine Ausstellung geben. So derzeit in Tokyo.

 

Historisches Foto des Eingangshofs des Imperial Hotels von Frank Lloyd Wright im Maya-Revival-Stil, vor 1923. Postkarte, Fotograf unbekannt. Bildquelle © Wikipedia gemeinfrei

 

In der japanischen Hauptstadt gibt es mindestens drei anerkannte große Luxushotels. The Okura Tokyo, das – gemäß Eigenwerbung – japanische Schönheit mit Einfachheit und Eleganz kombiniert. Das Hotel New Otani mit fast 1500 Zimmern, über drei Dutzend Restaurants, davon eines im Drehsystem, und einem 400 Jahre alten Garten. Und als drittes das Imperial Hotel in der Nähe des Kaiserpalastes.             

 
Es wurde vor 130 Jahren, am 3. November 1890, eingeweiht und repräsentierte dazumal das, was man in Japan als "westlichen Stil" verstand. Hauptinvestor war das Kaiserliche Hofamt und die ursprünglichen Hotel-Pläne erstellten die deutschen Architekten Ende und Böckmann (mehr). Nach der Fundamentlegung gab es jedoch Unstimmigkeiten. Der japanische Baumeister Yuzuru Watanabe modifizierte die Pläne und führte schließlich den Bau aus. Allerdings brannte das Hotel nach zwei Jahrzehnten ab. Ein herber Verlust für die aufstrebende Großstadt.

 

Imperial Hotel Tokio, Japan. Schema 2 von Wright, 1915, Querschnitt. Bildquelle © Archiv Frank Lloyd Wright Foundation (Museum of Modern Art) | Avery Architectural & Fine Arts Library, Columbia University, New York

 

Portrait Frank Lloyd Wright. Bildquelle © Library of Congress, New York World-Telegram und Mitarbeiterfotograf der Sun: Al Ravenna

 

Ein neues Hotel musste her und damit beauftragt wurde der amerikanische Stararchitekt Frank Lloyd Wright. Das besondere an seinem Gebäude: Es war nicht nur ein imposanter Bau. Das Hotel überstand aufgrund der Bauweise und Materialien das verheerende Große Kanto-Erdbeben am 1. September 1923, das just am Tage seiner Einweihung die Kanto-Ebene erschütterte und große Teile Tokios zerstörte.

     Auch zwei Jahrzehnte danach trotzte das Imperial den Bombardierungen Tokios während des Zweiten Weltkriegs und blieb schadlos. In den Nachkriegsjahren wurde es letztlich zu klein, wurde rückgebaut und sein Eingangsbereich ging als Kulturgut an das Freilichtmuseum Meiji Mura in Inuyama, wo es bis heute zu besichtigen ist.


Die Ansprüche stiegen und neben dem Hauptgebäude von 1970 wuchsen 31 Stockwerke in den Himmel. Heute bietet das Imperial rund 900 Zimmer im sogenannten Imperial Tower. Der ist allerdings auch schon wieder in die Jahre gekommen und soll luxuriös im Stil eines Grand-Hotels zwischen 2031 und 2036 neu errichtet werden. In Japan, so könnte der Leser denken, ist nicht viel von Dauer!

 

 

Ausstellungsplakat des Panasonic Shiodome Museums, Tokyo 2024. Bildquelle © Panasonic Shiodome Museum

 

Das aktuelle Imperial Hotel Tokyo. Ab 2031 ist erneut ein Facelifting geplant. Im Vordergrund das Gebäude von 1970, dahinter der Imperial Tower. Bildquelle © Wikipedia

 

An die Geschichte des legendären Hotelkomplexes vom Reißbrett des Frank Lloyd Wright, dass das bekannteste Gebäude von ihm in Asien ist, erinnert derzeit eine Exposition im Panasonic Shiodome Museum. Das Schauhaus des Weltkonzerns Panasonic feiert selbst ein Jubiläum, denn es wird 20 Jahre alt.

     Mit einem Rundumblick auf den US-Architekten präsentiert die Ausstellung eine Vielzahl großartiger Bau-Zeichnungen, die als Vorlage für architektonische Meisterwerke des Amerikaners anzusehen sind.

     Frank Lloyd Wright (1867-1959) zählt zu den berühmtesten Architekten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören das Solomon R. Guggenheim Museum und das Edgar J. Kaufmann House (Fallingwater). Wright hatte stets eine Leidenschaft für  japanisches Ukiyo-e (mehr) und für die Kultur des Inselstaates. Dies zeige sich, wie es heißt, vor allem an den Entwürfen für das Imperial Hotel.

 

Offenbar waren es seine Begegnungen mit Ukiyo-e, die Wright inspirierten. Er entfernte sich mit seinem Design deutlich vom herkömmlichen Standard der Architekturzeichnungen im Beaux-Art-Stil und entwickelte eine neue Zeichentechnik, die in ihren Kompositionen einzigartig war.

     Wright ließ große Leerstellen auf dem Papier und stellte Dinge im Bild vergrößert in den Vordergrund. Im Imperial Hotel verband er die westlichen Designprinzipien mit seinem Faible für japanische Kultur. Wright gehörte ferner zu den prominenten US-Sammlern von Ukiyo-e in Form der japanischen Farbholzschnitte. Ab etwa 1900 waren die „Bilder der fließenden Welt“ im Westen bereits als eigenständige Kunstgattung anerkannt.


Seit nunmehr zehn Jahren laufen Forschungen der Frank Lloyd Wright Foundation und des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) mit dem Ziel, Wrights Architekturvisionen sowie seine Verbindungen von Kunst, Architektur und Design bis hin zu Schrifttypen, Urbanistik und Landschaftsgestaltungen zu erfassen.

     Die Panasonic-Show spiegelt diese breite Fächerung des Baumeisters. Sie titelt nicht von ungefähr „Frank Lloyd Wright and the World“. Die Perspektive dieses globalen Architekten zeige die Herausforderungen der Gegenwart auf und liefert Inspiration für die kommende Welt, betonen die Ausstellungsorgnisatoren.
rART/cpw

 


Die Ausstellung „The Wright Imperial Hotel at 100: Frank Lloyd Wright and the World” wird bis zum 10. März 2024 gezeigt.

Panasonic Shiodome Museum of Art, Rouault Gallery
4th Floor, Panasonic Tokyo Shiodome Bldg 1-5-1
Higashi-Shimbashi, Minato-ku
Japan, 〒105-8301 Tokyo,

Öffnungszeiten:
Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch geschlossen

 


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