rheinische ART
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rheinische ART 05/2023

Archiv 2023

DIGITALKUNST
Color, Code, Communication

 

Sind Sie schon Eigentümer eines NFT? Eines „Non Fungible Token“? Auf gut deutsch: einer Wertmarke in Form eines digitalisierten Vermögenswertes. Zum Beispiel eines Bildes?

 

Rafaël Rozendaal Slick Quick .com, 2014 Website, Größe variabel, Dauer unendlich Code Reinier Feijen Sammlung Carola & Günther Ketterer-Ertle. © Rafaël Rozendaal. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023

 

Falls noch nicht, beginnen Sie mit einem NFT des Kölner Doms (mehr), da haben sie was Bleibendes. Es geht aber auch mit Kunstwerken von zeitgenössischen Kreativen. Und da ist ein Blick auf die digitale Kunst im Essener Museum Folkwang durchaus lohnend.

 

Dort sind Werke des Künstlers Rafaël Rozendaal (*1980) zu sehen, der seine Kunst als NFTs, und damit als fälschungssichere digitale Unikate, realisiert. Rozendaal  ist ein niederländisch-brasilianischer Internetkünstler und wird zu den weltweit bekanntesten Akteuren der digitalen Kunst gezählt. Als Vertreter dieser Gattung bewegt er sich außerhalb des klassischen Kunstbetriebs.

 

Porträt Rafaël Rozendaal © Foto: Shintaro Maki, 2018. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023

 

Rafaël Rozendaal Homage 61, 2022 NFT (on-chain .svg animation) © Rafaël Rozendaal. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023

 

Seine Werke riechen weder nach Ölfarbe noch nach Terpentin, sind nicht auf Keilrahmen gezogen und auch nicht auf Leinwand gepinselt, gespachtelt oder gerakelt. Es gibt sie ausschließlich auf Bildschirmen.

     Auf denen entwickeln sie ein ästhetisches Eigenleben der besonderen Art. Die Farben glühen in abstrakten Kompositionen, erinnern an die revolutionären Farbexperimente und Forschungen des Bauhauskünstlers Josef Albers (mehr), dessen Studien über die veränderbare Wirkung von Farben berühmt wurden.

     Es war auch der gebürtiger Bottroper Albers, der zu dem Fazit kam, es komme in der Bildenden Kunst vielmehr auf das „wie“ als auf das „was“ an. Nach diesem Prinzip arbeitet offenbar auch Rafaël Rozendaal.

     Den einen oder anderen Betrachter mag Rozendaals digitales Farb-Spektakel auch an den Expressionismus oder die Pop-Art erinnern. Vielerlei Anklänge und Assoziationen sind möglich.

 

Rafaël Rozendaal Polychrome Music #7, 2022 Rafaël Rozendaal (Zusammenarbeit mit Danny Wolfers) NFT Generator (on-chain), Animation mit Ton, unendlich Code von Reinier Feije © Rafaël Rozendaal. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023

 

Schon Anfang der 2000er-Jahre konzipierte der 42-Jährige Arbeiten in Form von Webseiten als Unikate. Seine Ideen entwickelt er aus Zeichnungen und Skizzen, die durch Programmierung und Codierung ihre Verbreitung auf unterschiedlichen digitalen Distributionskanälen finden.

     Mit seinen Werken erreicht er längst weltweit ein breites Publikum - jenseits konventioneller Präsentationsformen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass nun, wie der SPIEGEL schreibt, seine Internetmalerei „in einem althergebrachten Museum zu sehen“ sei, nämlich dem Essener Folkwang. Das ist in der Tat ungewöhnlich. 


Color, Code, Communication ist der Titel dieser Ausstellung. Es ist die erste monografische Schau des in New York lebenden Künstlers in einem europäischen Museum. Die Eröffnung wurde von einem internationalen Symposium zur NFT-Kunst begleitet.

     Wie das Museum erklärt, verbinde Rozendaal in seinen neuesten NFT-Projekten Bildmotive und Themen der jüngeren Kunstgeschichte mit aktuellen Kommunikationsformen und Entwicklungen der Blockchain, also einer Kette von Datensätzen.

     In seiner künstlerischen Arbeit entwickele er eine visuell faszinierende Bildsprache, sowohl für den digitalen Raum als auch für ortsbezogene und urbane Kontexte. Das Museum Folkwang zeigt seine Werke nun erstmals umfänglich in immersiven Installationen, Browserfenstern, Künstlerbüchern, im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien.

 

Installationsansicht Rafaël Rozendaal. Color Code Communication Non Either #14 © Rafaël Rozendaal Foto: GJ van Rooij. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023


Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet die Präsentation von 81 Horizons (2021) in der großen Ausstellungshalle. Die 81-teilige NFT-Serie wird auf über 1.000 Quadratmetern als begehbare Video-Installation präsentiert, die zu kontemplativem Flanieren einlädt und die Seherfahrung auf Bildschirmen und in Browserfenstern in eine Ausstellungssituation überführt.

 

Rafaël Rozendaal Manual Sequence .com, 2017 Website, Größe variabel, Dauer unendlich Code Reinier Feijen Sammlung MW © Rafaël Rozendaal. Bildquelle © Museum Folkwang Essen 2023

 

Rozendaal spielt darin mit dem kunsthistorischen Topos der Horizontlinie und komprimiert für seine Abstraktionen jeweils zwei monochrome Farbfelder zu nur 0,3 KB kleinen Dateien.

     Durch die Überführung und Skalierung der NFT-Serie auf Bildschirme im Museumsraum wird sie für das Publikum zu einem physischen Erlebnis. Wenn Sie nicht genau wissen, um was es sich hier handelt und wie alles funktioniert: Gehen sie hin!
      Denn Color, Code, Communication lädt den Besucher dazu ein, sich mit neuen digitalen Kunstformen auseinanderzusetzen.

     Erweitert wird die digitale Welt im Folkwang durch ein vielseitiges Vermittlungsprogramm unter anderem mit Live-Aktionen wie Bring Your Own Beamer, Führungen, Talks, Augmented Reality (AR)-Workshops, einer Audiotour sowie digitalen Formaten wie hybriden Studiovisits Rozendaals während des New Now Festivals. Zusätzliche Hilfe bietet eine Miniwebseite, die per QR-Code ausführliche Informationen zu den Werkgruppen bereithält.
rART/cpw


Außerhalb der großen Ausstellungshalle präsentiert Rozendaal seine Werke an weiteren Standorten innerhalb und außerhalb des Museumsgebäudes. So unter anderem in den weiten Gängen des Chipperfield-Baus. Dort sind sechs Cabinet-NFTs (2022) als raumfüllende Wandmalereien projektiert. Eigens für den Multiscreen im Foyer des Museums adaptierte Rozendaal elf Webseiten (2000–2018) und NFTs (2019–2022). In der Filmbox hat er seinen NFT-Generator Polychrome Music (2022) installiert, der unendliche Animationen von Klängen und Farben hervorbringt.

 

Die Ausstellung Rafaël Rozendaal. Color, Code, Communication wird bis zum 20. August 2023 gezeigt.
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Tel. 0201 8845 000
Öffnungszeiten
DI,MI,SA, SO 10 – 18 Uhr
DO, FR 10 – 20 Uhr

 

Zitat aus: DER SPIEGEL Nr. 17 vom 22.4.2023

 

 

 

 

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