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rheinische ART 11/2016

Archiv 2016

RHEIN-FOTOGRAFIE
Bilderstrom – Strombilder


Künstler und Wasser – in unendlichen Variationen habe Kreative dieses Element abgebildet, es zu ihrem Leitmotiv erkoren. Auch in der Fotografie. Bei den Flüssen ist der Rhein für Fotografen seit eh und je ein immer wieder bildschöpfendes Gewässer.

 

Hannes Maria Flach Rhein, ca. 1931. Foto © LVR, Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Mit der Ausstellung „Bilderstrom“ im LVR-LandesMuseum Bonn wird dies eindrucksvoll unterstrichen. 260 Fotografien, aus den Pionierjahren des neuen Mediums bis in die Gegenwart, werden dort ausgestellt. 62 bedeutende europäische Fotografen sind mit ihren „Rhein-Werken“ vertreten. Eine einzigartige Hommage an einen einzigartigen Strom.

 

Ob als „Vater Rhein“, umkämpfte Grenzlinie, Sehnsuchtslandschaft der (Post-)Romantik, ökologisch bedrohtes Biotop, Touristenziel, ökonomische Lebensader, urbaner Alltagsraum oder überschwemmender Albtraum, Sinnbild Europas oder ewig mäanderndes Fließgewässer: Schon seit Jahrhunderten ist der berühmteste aller europäischen Flüsse ein begehrtes Motiv, das in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Stichen Verbreitung fand.

 

 

Francis Frith Lahnstein, mit Burg Lahneck vor 1864. © Münchner Stadtmuseum/ Sammlung Fotografie/ Sammlung Siegert, 2016. Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

„Bilderstrom“ ist eine motivbezogene Geschichte der Fotografie - interessant, sehenswert und enorm facettenreich. Der Rhein lasse sich trefflich als ein Bilderstrom charakterisieren, betonen die LVR-Kuratoren. In der Summe vermögen es die Rheinbilder, kollektive Vorstellungen zu erzeugen und zu modellieren. Sie bewegen sich bewusst zwischen Zeugnis und Mythos, zwischen Klischee und Kunst. Solche Vorstellungsbilder prägen die Wahrnehmung auf den Rhein bis heute.

 

Albert Renger-Patzsch Kühe am Rhein, o.J. Foto Albert Renger-Patzsch, VG-Bild-Kunst, Bonn 2016 Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Die Ausstellung erkundet die Wechselwirkungen zwischen Fluss und Bild anhand der Fotografie, die in einem Spannungsfeld zwischen Wirklichkeitstreue und der Sehnsucht nach Imagination stehen. Sie ist ein Blick zurück vom Jetzt in das Gestern, in Dekadenschritten, von 2016 bis 1853.

     Das Spektrum reicht von freien dokumentarischen und bildjournalistischen Arbeiten bis zu fotokünstlerischen Positionen. Die Schau ermöglicht einen Blick auf Rhein-Reportagefotos mit stilistischer Anlehnung an die russische Fotokunst eines Alexander Rodtschenko wie auch auf Werke der Neuen Sachlichkeit eines August Sander oder Albert Renger-Patzsch.   

     Eindrucksvoll etwa Renger-Patzschs niederrheinischer Dreiklang Kühe, Kähne, Kohle - entstanden um 1931. Unversehens stößt am Fluss eine noch agrarisch geprägte Natur- auf eine Industrielandschaft. Es ist eines der Fotos aus einem üppigen Bildkonvolut, die dem berühmten Vertreter der Neuen Sachlichkeit zwischen 1927 und 1935 gelangen. Seine aus dem Duisburger Raum stammenden Aufnahmen dürfen ungeachtet ihrer formal nüchternen Ausformulierung als ungewöhnlich gelten. Ob Tier, ob Mensch - das Kreatürliche ist am Wasserstrom nicht, wie sonst im Werk von Albert Renger-Patzsch, motivisch außen vor, sondern mittendrin.

 

Valeska Achenbach & Isabela Pacini ohne Titel, 2003 (aus einer achtteiligen Serie) © Valeska Achenbach & Isabela Pacini, 2016 Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Axel Stoffers aus der Serie Im Fluss, 1999–2002.© Axel Stoffers, Mülheim an der Ruhr, 2016. Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Valeska Achenbach & Isebela Pacini aus Hamburg sind mit jüngeren Werke in der Schau vertreten. Ihre eher heiter-melancholisch gestimmten farbigen Mittelformataufnahmen von Ausflüglern auf Passagierschiffen entstanden 2003.

     Nicht die pittoreske Flusslandschaft lenkt den Blick der Fotografinnen, vielmehr sind es die Schiffstouristen selbst. Das Versprechen einer authentischen Rhein-Erfahrung gerinnt hier zu einer mehr oder weniger verzweifelten Motivsuche. Nicht nur die betagten Passagiere, auch die Bildbetrachter müssten sich - so die LVR-Kuratoren - da die Frage gefallen lassen: Was hat man am Rhein noch verloren?


Axel Stoffers (Mülheim/Ruhr) Bildserie „Im Fluss“ ist eine nuancierte Betrachtung des Niederrheins. In seinen Farbarbeiten hat sich das ästhetische Erleben des Flusses fest eingeschrieben. Eine Autofähre bewegt sich immer gleich vom einen zum anderen Rhein-Ufer. Zwischen seine besinnlichen Bilderzählungen setzt der Fotograf bewusst abstrahierende Motive, die die farblich kraftvollen Oberflächen des Rhein-Gewässers zeigen. In seiner Gesamtheit erfasst die Bildfolge jene feinen Realitäten, die ein Leben am Fluss atmosphärisch prägen.

 

Wilhelm Schürmann Köln, Kennedyufer 1989 © Wilhelm Schürmann, Aachen, 2016. Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Wilhelm Schürmanns Fotos der 1980er Jahre zeichnen sich durch feinen Humor aus. Der Aachener erkundete die Asphaltzonen des Kölner Rhein-Ufers und hielt fest, wie sich Mensch und Fluss miteinander arrangierten. Am Wasser parkt ein VW Käfer mit Migranten. An anderer Stelle versuchen sich Hobbysportler kletternd an einem Brückenkopf. Die Rhein-Promenade outet sich als lichte Wellnesszone. Hier kann jeder tun und lassen, was er will. Schürmanns lapidare Bildsprache erfasst präzise den bundesdeutschen Alltag am Strom.

 

Barbara Klemm Rhein bei Rüdesheim, 1974 © Barbara Klemm, 2016 Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Robert Häusser ohne Titel, o.J.© Robert Häusser – Robert Häusser-Archiv in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, 2016 Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Barbara Klemm artikuliert in ihren Bildern eine eher optimistische Haltung. Die Frankfurter Bildjournalistin reist 1974 an den Mittelrhein und beobachtet jene beiläufigen Szenen des Alltags, die von den Bewohnern der Weinstädtchen und ihrem vertrauten Verhältnis zum Fluss erzählen. Mit einer Fotoserie im Panorama-Format lenkt sie den Blick auf den aufkommenden Schiffs- und Burgentourismus. Unter den Passanten finden sich erstmals auch asiatische Gäste.

 

Robert Häusser charakterisierte 1957 das Ökonomische am Beispiel des Rhein-Hafens Mannheim. Mit beherzten Worten beschwor der junge Fotograf den Aufschwung und das offene Klima des Handels. „Ich bin gerne dort, wo die Luft vom Geruch des Wassers, von Öl und Teer gesättigt ist...“ Das ist dort, wo alle den Rhein befahrenden Nationen sich ein Stelldichein geben. Häussers Aufnahmen preisen die ungetrübte Vitalität einer Wasserstraße, die unablässig vom Güterumschlag und dem industrialisierten Schiffsverkehr bestimmt wird. Allein der Himmel über dem Rhein ist in dramatische Düsternis getaucht.

 

Die bildjournalistischen Arbeiten von Hannes Maria Flach (1901-1936) aus den Dreißigerjahren wirken wie ein Gegenentwurf aus dem linken Milieu (Bild oben). In einem Bilder-Ensemble dynamisierte der Kölner Reporter durch spektakuläre Schrägansichten, die sich an das „Neue Sehen“ und die revolutionäre Bildsprache des russischen Konstruktivisten Alexander Rodtschenko lehnen, die frühen tagestouristischen Ausflugskulturen der Rhein-Schifffahrt. Fraglos ist die Mobilisierung des Blicks bei ihm fotografisches Leitprinzip. Auf dem Rhein herrscht allemal „Großes Kino“.

 

Wolfgang Tillmans Rhein, 1998.© Wolfgang Tillmans, London; Galerie Buchholz, Berlin, 2016. Fotoquelle LVR-LandesMuseum Bonn 2016

 

Einen Paradigmenwechsel der Fotografie markieren die 1990er Jahre. Schon vor Andreas Gurskys digitaler Arbeit "Rhein II" (1999) verabschieden sich Bildkünstler zunehmend vom Gebot des Dokumentarismus, um das Rhein-Motiv als ein ästhetisches Artefakt zu feiern.

     Doch früher schon offenbaren sich neue Freiheiten der Fotografie. In Wolfgang Tillmans Rhein-Aufnahme von 1998, die aus der Serie »Aufsicht« stammt, artikuliert sich eine besondere Ausprägung künstlerischer Bildarbeit. Nach dem Eigenverständnis des Fotografen ist sie bewusst demokratisch gehalten.

K2M

 

 Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit der Bundeskunsthalle, die zeitgleich die Ausstellung „Der Rhein – eine Europäische Flussbiografie“ (mehr) präsentiert. Beide Ausstellungen können mit einem vergünstigen Kombi-Ticket besucht werden.


Die Ausstellung „Bilderstrom“ – Der Rhein und die Fotografie 2016 – 1853“ wird bis zum 22. Januar 2017 gezeigt.
LVR LandesMuseum Bonn
Colmantstr. 14-16
53115 Bonn
Tel. 0228 / 2070 – 0
Öffnungszeiten
DI-FR, SO 11 - 18 Uhr
SA 13 - 18 Uhr

 

 

 

 

 


  

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