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rheinische ART 11/2016

Archiv 2016

DIE GROSSE CHANCE 

„Hingeküsst“


„Der Dom ist ein Juwel, seine Umgebung die Fassung.“ Es war der Domprobst Gerd Bachner, der bei der Vorstellung von Plänen zur Neugestaltung der „Historischen Mitte“ Kölns diesen schönen Vergleich zog. 

 

Außenperspektive (Entwurf): Die „Historische Mitte“ in Köln. Blick über den Roncalliplatz auf das neue Kurien- und Bürohaus mit Café sowie das dahinter liegende Kölnische Stadtmuseum. Foto © Staab Architekten, Berlin. 2016

 

Die Domstadt hat Großes vor und ist bereit, für ihre kulturelle Zukunft auch viel Geld in die Hand zu nehmen. Herzstück dieser Zukunftsgestaltung ist die architektonische Erneuerung der „Historischen Mitte“. Und die liegt - natürlich - am Dom. 

     Für die neuen Baukörper auf der Südseite des Doms ist jetzt ein architektonischer Entwurf gefunden worden. Aus einem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb ging das Berliner Architekturbüro Staab Architekten als Gewinner hervor. Das Vorhaben dürfte, soviel wurde bei der Präsentation deutlich, das wichtigste Bauprojekt der Stadt in den nächsten Jahren sein.

     31 national und international renommierte Planungsbüros hatten ihre Ideen für den neuen Kulturkomplex eingereicht, der als, und das ist bemerkenswert, gemeinschaftliches Projekt von Stadt Köln und Hoher Domkirche zu Köln am Roncalliplatz entstehen soll. An diesem prominenten Ort sei es eine schwierige Aufgabe gewesen, so der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr Franz-Josef Höing, denn an dieser „delikaten Stelle“ Kölns müsse man „den richtigen Ton“ treffen.

 

Gute Laune bei der Vorstellung des Siegerentwurfs auf der Pressekonferenz: Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Architekt Volker Staab und Domprobst Gerd Bachner. Foto © rART 2016

 

Und das ist dem Büro Volker Staab gelungen. Mit „breiter Zustimmung“ entschied sich eine hochkarätig besetzte Jury für den Vorschlag des Architektenhauses. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker gab ihrer Begeisterung für die prämierte architektonische Lösung mit dem bemerkenswerten Satz Ausdruck: „Das sieht aus wie hingeküsst“.

     Die Jury befand, dass der Entwurf mit einem genialen Gedanken und einer schlüssigen städtebaulichen Anordnung überrasche. „Er öffnet die Passage des Roncalliplatzes, von der Westseite des Doms kommend, über die eigentliche Platzfläche nach Süden und schafft einen intimen Vorplatz, der drei solitäre Baukörper - das bestehende Römisch-Germanische Museum, den Neubau des Stadtmuseums und den Neubau des Kurien- und Studiengebäudes - verbindet…“

 

Außenperspektive (Entwurf): Die „Historische Mitte“ in Köln, Blick von der Altstadt in Richtung Dom, vorne das neue Gebäude des Kölnischen Stadtmuseums. Die Fassadengestaltung des monolitisch wirkenden Baukörpers ist noch nicht entschieden. Foto © Staab Architekten, Berlin. 2016

 
Noch ist das Projekt im Planungsstadium, eine Kostenkalkulation nicht existent. Allein der Wille zur Veränderung hat bereits modellhaft Formen angenommen. Was passiert nun also in den kommenden Jahren an der Südseite des Doms? Dass 1974 fertiggestellte und in die Jahre gekommene Römisch-Germanische Museum (RGM) wird saniert. Das daneben liegende, sich in den Platz streckende Erzbischöfliche Kurienhaus, das gleichzeitig den Roncalliplatz zur Altstadt wuchtig abgrenzt - übrigens wegen seiner integrierten Privatwohnungen für Domhütten-Mitarbeiter volkstümlich „Prälatenbunker“ gescholten - muß, wie das dahinter plazierte Verwaltungsgebäude des RGM, dem neuen Kulturkomplex weichen.

     Auf diesen Flächen sollen nach dem Entwurf der Staab-Architekten zwei Neubauten errichtet werden, die aber gemeinsam als Einheit wirken. Im vorderem ersten, schmaleren Gebäude sollen sich die Verwaltungsräume des RGM, des Kölnischen Stadtmuseums sowie das Kurienhaus mit Verwaltungsinstitutionen der Hohen Domkirche und das Dombauarchiv konzentrieren. Das zweite Gebäude soll neue Heimstatt des Kölnischen Stadtmuseums, das bislang im Zeughaus untergebracht ist, werden.

 

Innenperspektive (Entwurf): Das neue Kölnische Stadtmuseum besticht durch klare Linien und große Fenster. Foto © Staab Architekten, Berlin. 2016

 

Das gesamte Bauensemble mit 14.000 Quadratmetern Nutzfläche soll die neue „Historische Mitte“ Kölns markieren. Damit biete sich die Chance, die „Domumgebung als Visitenkarte unserer Stadt endlich städtebaulich anspruchsvoll zu gestalten“, betonte Oberbürgermeisterin Reker.

     Der Kulturkomplex werde ferner, so die Stadtchefin bei der Vorstellung des Siegerentwurfes, einen „baulichen und kulturellen Akzent setzen“ und den attraktiven Auftakt für die geplante „Via Culturalis“ bilden. Diese rund 800 Meter lange künftige „Kulturmeile“ zwischen Dom und der Kirche St. Maria im Kapitol soll in den kommenden Jahren gestalterisch aufgewertet werden. Und in der Tat: in nächster Umgebung ist bereits viel Kulturelles vorhanden und es entsteht noch mehr. Das Terrain für die Erweiterung des Wallraf-Richartz Museums (mehr) ist bereits abgesteckt, das künftige Jüdische Museum mit der Archäologischen Zone Kölns am Rathausplatz bereits Baustelle.
     Die Planungen aus dem Baubüro Staab wurden auch deshalb als überzeugend angesehen, da am Roncalliplatz mit dem „intimen Vorplatz“ die Möglichkeit geschaffen werde, die drei Institutionen in den neuen Baukörpern zu integrieren und die Besucher zentral vom Roncalliplatz aus zu allen Eingängen der Häuser zu führen. Ergänzend erhält das neue Kurienhaus im Erdgeschoss ein Café.

     Domprobst Gerd Bachner betonte, bei dem Vorhaben handele es sich um ein „Jahrhundertprojekt an einem Platz, von dem es in der Welt nicht viele gibt“. Denn auf engstem Raum präsentieren sich nach dem nun prämierten Entwurf die 2000 Jahre städtische Geschichte von Köln gleich neben dem Dom in großartiger Weise. „Daher ist es erfreulich, dass nun … eine ansprechende Architektur entstehen wird, die die Menschen zum Verweilen einlädt und sie für die Stadt und ihre Kathedrale begeistert.“
ruwoi/K2M

 

Das Architekturbüro Staab GmbH hat in den letzten Jahren mehrere Verwaltungs- und Museumbauten geplant und realisiert. Darunter das Berliner Bauhaus-Archiv, das Neue Museum Nürnberg, das Museum Gunzenhauser Chemnitz und das Kunstmuseum Ahrenshoop (mehr). Die Kölner Jury verzichtete auf die Vergabe eines zweiten Platzes, dafür wurden zwei Büros mit einem dritten Preis ausgezeichnet. Sie gingen an das bekannte Planungsbüro Caruso St. John London (mehrund das Schweizer Architektenbüro Durisch + Nolli, Massagno (Kanton Tessin).


► Die „Via Culturalis“ soll als bedeutsamer Stadtraum in den kommenden Jahren stärker in den Fokus gerückt werden. Auf Schritt und Tritt stößt der Besucher entlang des Altstadtweges auf kulturelle Highlights wie den ausgegrabenen Statthalterpalast aus der Römerzeit (Praetorium), das im Bau befindliche neue Museum über der Archäologischen Zone (mehr), das Historische Rathaus, das Wallraf-Richartz-Museum, die Festhalle Gürzenich und schließlich die älteste deutsche Kirche, St. Maria im Kapitol, die auf den Fundamenten eines römischen Tempels erbaut wurde.

 

 

 

 

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