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rheinische ART 01/2016

Archiv 2016

ENDSTATION UBIERRING
Als Köln seine Kunstschule verlor


Vor einem guten Vierteljahrhundert wurden die Kölner Werkschulen geschlossen. Ein Vorgang, der offenbar noch heute schmerzt. Das Stadtmuseum Köln erinnert.

 

Hans Rolf Maria Koller Endstation Ubierring 40, Köln 1992, Öl auf Leinwand, Ausschnitt mit H. Jürgen Zeltinger, Trude Herr, L. Fritz Gruber, Gerd Köster, Tommy Engel, Marlene Maier, Johannes Koller, Rico Mc Clarrin (v.l.n.r.) Private Leihgabe, © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Kölns langjähriges Stadtoberhaupt Konrad Adenauer wusste, was er seiner kunstaffinen Kommune schuldig war.

     1926, in seinem neunten Jahr als Oberbürgermeister der größten rheinischen Stadt, gab er der örtlichen traditionsreichen Kunstgewerbeschule, die 1879 gegründet worden war, die neue Bezeichnung „Kölner Werkschulen“. Adenauer orientierte sich damit am Leitbild des 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Staatliche Bauhaus, dass - damals völlig neu – als moderne Kunstschule Kunst und Handwerk zusammenführte; die Kölner Werkschulen selbst verpflichteten sich in ihrer Zielsetzung auf den Werkbundgedanken, der ja nur gut ein Jahrzehnt zuvor in Köln seine richtungsweisende Ausstellung (mehr) bespielt hatte.

 

Ehemaliges Gebäude der Kölner Werkschulen beziehungsweise des Fachbereichs Kunst und Design der Fachhochschule Köln am Ubierring 40, Detail der Fassade von Ludwig Gies, Ubierring/Ecke Mainzer Straße, Fotografie von 1967 Eusebius Wirdeier, DGPh

 

Adenauer wäre nicht Adenauer, hätte er damit nicht Großes im Sinn gehabt. Der gewiefte Politiker wollte einfach zwei ausstrahlungsstarke Kulturinstitutionen in seiner Stadt, die an Museen, Kirchen, Galerien und anderen kulturellen Highlights durchaus reich ausgestattet war.

     In Bonn, so wird er mit rheinischem Idiom zitiert, „… is de Wissenschaft“, damit meinte er die dortige Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität. In Düsseldorf sei die Kunst, also die schon damals internationale renommierte Kunstakademie. Und „ in Kölle will ich Beides…“. So kam es auch, denn Konrad Adenauer hatte Standvermögen.

     Der 1919 wieder gegründeten Universität zu Köln wurde mit den Kölner Werkschulen ein rein städtisches Kreativzentrum in der Südstadt am Ubierring - fast in Rufweite der Universität - an die Seite gestellt.


Das Aus
 Am 31. März 1993, also vor 23 Jahren, war Kölns Traum vom Sitz einer namhaften und sehr erfolgreichen Kunsthochschule aber vorbei. Der Fachbereich „Freie Kunst“ an der Fachhochschule Köln, der man die Kölner Werkschulen bereits 1971 zugeschlagen hatte, wurde geschlossen. Die Idee der einstigen Kölner Werkschulen war damit endgültig passé, war Vergangenheit – in der Kunststadt Köln gab es keine Kunstschule mehr. Wie konnte das geschehen?


Auslöser war eine kontrovers geführte Neuordnung der Hochschullandschaft durch die NRW-Landesregierung unter Johannes Rau. Als Trostpflaster bekam die Stadt eine „Kunsthochschule für Medien“ (KHM) und die „Köln International School of Design“ (KISD), letztgenannte quasi die Nachfolgerin der Kölner Werkschulen. Dennoch blieb das Aus der traditionellen und erfolgreichen Kunsthochschule ein kulturpolitischer Verlust ersten Ranges für die Kunststadt Köln.

 

Hans Rolf Maria Koller Endstation Ubierring 40, Köln 1992, Öl auf Leinwand, Ausschnitt mit Wolfgang Niedecken, Jörg Schnabel, Doris Koller (v.l.n.r.) Private Leihgabe, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Erinnerung Das Kölnische Stadtmuseum erinnert mit der Sonderausstellung „ENDSTATION UBIERRING“ an diesen dramatischen Vorgang.

     Zorn und Enttäuschung machten sich damals breit. Schließlich hatte sich die 1879 installierte Kunstschule - damals hieß sie noch „Gewerbliche Fachschule der Stadt Cöln“ und ihr Vorläufer war die bereits 1833 gegründete „Königlich Preußische Provinzial-Gewerbeschule Cöln“ - unter dem Namen „Kölner Werkschulen“ zu einer hochkreativen Einrichtung entwickelt. Künstlerische und handwerkliche Qualität wurden an diesem Ort gleichermaßen gefördert, was auch der regionalen Wirtschaft ohne Zweifel Impulse verlieh.

     Auch nach der Eingliederung in die Fachhochschule Köln 1971 bildete der „Fachbereich Kunst und Desgin“ noch für gut zwei Jahrzehnte das lokale Fundament für Kunst in Köln.

 

Lehrer und Studenten Bekannte „Künstlerlehrer“ hatten ab den Zwanzigerjahren an dieser Kunstschule unterrichtet, darunter etwa der Baumeister Dominikus Böhm, die Maler Jan Thorn Prikker (mehr), Stefan Wewerka, der Fluxusvertreter und Kunsttheoretiker Bazon Brock bis hin zu Jörg Immendorff (mehr). Auch die Liste der Absolventen lässt aufhorchen. Unter ihnen waren im Bereich Malerei Rosemarie Trockel, Wolfgang Schulte und - vor seiner Karriere als Musiker und Komponist - der Frontmann der Kölschrock-Band BAP Wolfgang Niedecken, der Bildhauer Ulrich Rückriem (mehr) und die Fotografen Chargesheimer (mehr), L. Fritz Gruber (mehr) und Candia Höfer.


Die Ausstellung widmet sich den Ereignissen rund um die Schließung mit mehreren Schwerpunkten. Ein markantes Zeitdokument ist der 46,5 Meter lange Porträtzyklus des Malers Hans Rolf Maria Koller aus dem Jahre 1992, in dem er den Schlussakt des Dramas um die Kunstschule in einem riesigen Wandbild festhielt. Lehrer, Schüler, Mitstreiter und Beteiligte von Stadt und Verwaltung stehen an der „ENDSTATION UBIERRING“, darunter so bekannte Persönlichkeiten wie Robert van Ackeren, Max Adenauer, Norbert Burger, Tommy Engels, L. Fritz Gruber, Arno Jansen, Renate Lewandowski, Alfred Neven DuMont, Wolfgang Niedecken, Dieter Wellershof, Stefan Wewerka und viele mehr.


Mit Fundstücken
aus den ehemaligen Räumlichkeiten der Schule, aus dem Historischen Archiv und dem Museumsdepot werden „bruchstückhaft“ die Erinnerungen an die einst so bekannte Kölner Kunstausbildung wieder wachgerufen. Ein nostalgischer Blick zurück! Und der Besucher kann sich auf die über allem stehende Frage: „Was starb damals wirklich am Ubierring 40?“ selbst eine Antwort geben.
rART/cpw

 

Die Ausstellung ENDSTATION UBIERRING endet am 24. April 2016.
Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3
50667 Köln
Tel 0221 / 221-25789
Öffnungszeiten
DI 10-10 Uhr
MI-SO 10-17 Uhr

 

 


 (Foto Ausschnitt)

 

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