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rheinische ART 05/2016

Archiv 2016

KULTURHAUPTSTADT BRESLAU

Blume Europas 


Wer hätte das jemals gedacht? Polens viertgrößte Stadt, deren deutsches Erbe spät anerkannt wurde, ist in diesem Jahr neben dem baskischen San Sebastian Europäische Kulturhauptstadt. Sehr zu Recht, denn Breslau ist durch eine einzigartige wechselvolle Geschichte und verschiedene Kulturen geprägt.

 

Breslau historisch Die Jahrhunderthalle. Der avantgardistische Stahlbeton-Bau, eingeweiht 1913, stammt von dem Stettiner Architekten Max Berg. Die Veranstaltungshalle gilt als eines der bedeutendsten Gebäude der „Architektonischen Moderne“. Sie wurde im Krieg nicht zerstört und bildete das Zentrum des Breslauer Messegeländes. Den Generalplan dafür lieferte der Architekt Hans Poelzig (mehr). Foto Postkartenmotiv

 

Das Haus Schlesien zeichnet mit einer Sonderausstellung anhand biografischer Blicke das vielfältig Bild dieser großartigen Stadt, die zu den am schnellsten wachsenden Großstädten in Europa gehört.

     Welch eine bewegte Geschichte, welch ein kultureller Reichtum! Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die einstige niederschlesische Hauptstadt gemäß Potsdamer Abkommen polnisch und heißt seither Wrocław. Aber längst kann auch die alte deutsche Stadtbezeichnung Breslau wieder benutzt werden, auch in der Kulturmetropole selbst.

 

Zur Erinnerung In der urbanen Trümmerwüste, in der fast 40.000 Menschen im Februar und März 1945 in der „Schlacht um Breslau“  ihr Leben verloren, lebten im Juni des selben Jahres rund 300.000 Menschen. Sie wurden vertrieben und Breslau zur neuen Heimat ebenso vertriebener polnischer Bewohner aus den russisch besetzten Ostgebieten des Landes. Mit einem liebevollen und großartigen Wiederaufbau schufen sie das neue „alte“ Breslau, rekonstruierten mittelalterliche Bauensembles und das historische Zentrum mit dem Marktplatz „Rynek“, und erinnern damit heute an Jahrhunderte prägender deutscher Kultur in der Stadt.

 

Wrocław aktuell Restauriertes gotisches Baudenkmal Altes Rathaus (Ratusz Staromiejski) auf dem Rynek, ehemals Marktplatz „Großer Ring“ im Herzen der Altstadt. Foto © Wikipedia Dawid Galus

 

Breslau ist nicht nur eine Stadt mit deutscher Vergangenheit. Es ist auch eine Stadt mit einer 1000-jährigen Geschichte.

     Die unter polnisch-piastischer Herrschaft errichtete Siedlung Wratislavia wurden etwa ab dem Jahre 900 zunächst unter böhmischen, dann habsburgischen, preußischen (mehr) und deutschen Regenten zu Breslau, der Kapitale der Provinz Schlesien; eine reiche Kulturstadt mit dem Beinamen „das goldene Bistum“.

     Philipp Melanchthon rühmte schon im 16. Jahrhundert Schlesien und die Breslauer Bürgerschaft: „In keinem Teile Deutschlands beschäftigen sich so viele aus dem gemeinen Volk mit den Wissenschaften.“ An Bewunderung fehlte es auch danach nicht. Der Begründer der Schlesischen Dichterschule und Barocktheoretiker Martin Opitz (1597-1639) formulierte fast überschwänglich, Breslau sei Krone wie auch Perle der Provinz, gar ein „Auge der Städte“ und „blum Europens“. Und 1790 war es Goethe, der Städte und Landschaft Schlesiens - Preußens schöne Provinz - in einem Brief als „zehnfach interessantes Land“ rühmte (mehr).

 

Plakat zur Ausstellung © Haus Schlesien 2016

 

Nach 1945 war auf polnischer Seite unter dem kommunistischen Regime die Erinnerung an die deutschen Jahrhunderte und an die „Bevölkerungstransfers“ sowohl deutscher als auch polnischer Vertriebener mit ihren brutalen Entwurzelungen und Verstörungen tabu.

     Im Westen war es nicht viel besser. Das ehemalige Ostdeutschland mit Schlesien, Pommern und Ostpreußen, nach 1945 polnisch, wurde „westlich des Eisernen Vorhangs mental abgespalten, tabuisiert …“ und die Erwähnung allein schon mit Revanchismusverdacht belegt, wie Roswitha Schieb in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) über Breslaus Kulturgeschichte schreibt.


Unter welcher Herrschaft auch immer: die wasserreiche Stadt an der Oder - mit 135 teils spektakulär schönen Brücken heute als „Venedig Polens“ gepriesen - war stets Knotenpunkt wichtiger Handelswege und boomender Handelsplatz, Bistum, Standort der Wissenschaft, Kulturstadt ersten Ranges - katholisch, evangelisch, jüdisch. Papst Johannes Paul II fasste die Sonderrolle dieser einzigartigen Kommune in die Formel: „Breslau ist eine Stadt, die am Berührungspunkt von drei Ländern gelegen ist, die durch die Geschichte eng verbunden wurden. Sie ist gewissermaßen eine Stadt der Begegnung, sie ist eine Stadt, die vereint. Hier treffen sich auf gewisse Weise die geistlichen Traditionen des Ostens und des Westens.“

 

Persönlichkeiten Breslaus, Bild zur Ausstellung Foto © Haus Schlesien 2016

 

Mit der Sonderausstellung „Breslau persönlich. Biografische Blicke auf die Kulturhauptstadt 2016“ lässt das Haus Schlesien Einheimische und Durchreisende, Deutsche und Polen, heutige und frühere Breslauer, Junge und Alte, Lebende und Verstorbene über „ihre“ Stadt zu Wort kommen.
     Die persönlichen Berichte sollen ein vielschichtiges Bild der Kulturmetropole Breslau liefern. Wie wird sie aktuell erlebt? Mit welchen Vierteln, welchen Straßen, welchen Winkeln Breslaus werden persönliche Erfahrungen verbunden und was ist faszinierend an dieser Kultur-Kapitale?

     Vor allem Besuchern, die Breslau nicht kennen, soll so das Besondere der über 600.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt näher gebracht, soll Hintergrundwissen über Geschichte, Kunstszene und die heutige Bedeutung der Stadt vermittelt werden. Begleitend zur Ausstellung zeigen verschiedene Veranstaltungen zum aktuellen und historischen Breslau die vielen Facetten der Kulturmetropole.
cpw


Vom 3. bis 4. Juni 2016 findet im Haus Schlesien die Fachtagung „Breslau/Wrocław – Eine Metropole im Umbruch“ statt. Die Tagung ist eine Kooperation mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf, der Breslauer Sammlung, Köln, und dem Deutschem Kulturforum östliches Europa, Potsdam. Sie ist für alle Interessierten geöffnet. Anmeldungen und nähere Informationen Tel. 02244 / 886 231 oder www.hausschlesien.de.

 

Die Ausstellung „Breslau persönlich – Biografische Blicke auf die europäische Kulturhauptstadt 2016“ ist bis zum 11. September 2016 zu sehen.
HAUS SCHLESIEN
Dollendorfer Str. 412
53639 Königswinter
Tel. 02244 / 8860
Öffnungszeiten
DI - FR 10 - 17 Uhr
SA, SO und an Feiertagen 11 - 18 Uhr

 

 

 


 

 

 

 

 

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