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rheinische ART 09/2016

Archiv 2016

KUNSTSAMMLUNG BAYER

Zugang: Frei!


Kunstsammlungen von Unternehmen stehen oft an Bedeutung und Größe den Beständen renommierter Museen kaum nach. Allerdings sind sie meist nicht zugänglich und werden selten öffentlich gezeigt. Aktuell glänzt der Bayer-Konzern in Leverkusen mit einer Präsentation seiner Spitzenwerke.

 

Blick in die Ausstellung Highlights der Sammlung Bayer Foto © Bayer Kultur 2016

 

Was meist in Vorstandsetagen oder Mitarbeiterbüros des Chemie- und Pharmaproduzenten prangt, ist derzeit für Besucher sicht- und erlebbar.

     100 Werke aus dem unternehmenseigenen Kunstbestand sind im Erholungshaus unter dem Titel „Highlights aus der Sammlung Bayer“ zu sehen. Die Werkschau konzentriert sich auf Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert, schwerpunktmäßig auf Expressionismus, École de Paris, Nachkriegs- und Informelle Kunst sowie aktuelle zeitgenössische Positionen. Anlass für die Exposition ist das Chempark-Jubiläum „125 Jahre Werk am Rhein“.


Ein Blick zurück Im Jahr 1891 kauften die Wuppertaler „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ von den Söhnen des Apothekers und Farbenfabrikanten Carl Leverkus das Werksgelände in der Ortschaft Wiesdorf. Mit dem Umzug vom Tal der Wupper an den Rhein begann im selben Jahr in Wiesdorf die Gründerzeit, nicht nur industrie- und stadtgeschichtlich, sondern auch kulturell.

     Maßgeblich war dies dem ersten Bayer-Generaldirektor Friedrich Carl Duisberg zu verdanken. Für Duisberg war Kultur im weiteren Sinne so etwas wie ein Standortfaktor, der aber in Wiesdorf fehlte. Fachkräfte für das prosperierende Chemieunternehmen sollten mit einem ausgedehnten Kulturprogramm - mit Musik, Theater, Sport, aber eben auch Bildender Kunst - an den neuen Betriebsort gelockt werden. Sichtbares Zeichen dieses speziellen Engagements war der Bau des Erholungshauses, das bereits 1907 eröffnet wurde und bis heute den kulturellen Aktivitäten des Konzerns dient. Mag der Name heute auch altbacken sein: das kulturelle Angebot an diesem Ort ist es ganz und gar nicht.

 

Martin Kippenberger (1953-1997), 4. Preis, 1987, Öl auf Leinwand, 180 x 150 cm © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

 

Max Liebermann Carl Duisberg (1909), Öl auf Leinwand, 110 x 90 cm, Bayer Kulturstiftung, © Bayer Kultur

 

Die Idee, Kunst und Kultur mit der Arbeitswelt zu verbinden und sie als Hebel für die Kreativität der Mitarbeiter sowie als Klammer für die Firmenidentität zu nutzen, ist also so neu nicht, wie so manche aktuell geführte Diskussion vermitteln möchte. 

 

Der Grundstein des heute über 2.000 Exponate umfassenden Besitzes an Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen wurde bereits zum Ende des 20. Jahrhunderts gelegt. Duisberg vergab damals Portraitaufträge an Bildhauer und Maler, etwa zur Gestaltung von Büsten herausragender Chemiker und Naturwissenschaftler und veranlasste Bilderankäufe für seine Mitarbeiter.

     Duisberg förderte damit nicht allein seine Mitarbeiter, sondern mit seinen Aufträgen auch die Künstler direkt. Mit seinem unternehmerischen Denken reihte er sich ein in die - für den Standort Rheinland so oft zitierten - Riege der rheinischen Kunstsammler. 1912 ließ er für die Ausstattung von Arbeits- und Aufenthaltsräumen in Leverkusen gezielt „farbige Steinzeichnungen“ anfertigen. Damit war, wie Bayer-Kultur heute betont, die Idee "Kunst am Arbeitsplatz" geboren!

 

Friedrich Carl Duisberg (1861-1935), der Industrielle und Chemiker, war auch selbst Objekt der Kunst: gleich zweimal portraitierte ihn der große Impressionist Max Liebermann in Öl. Duisbergs Kulturförderung lag damals im Trend. Denn bereits wesentlich früher hatten sich andere Wirtschaftsführer engagiert und positioniert.

     Herausragend darunter der Unternehmer Karl Ernst Osthaus in Hagen (mehr), der die Verknüpfung von Kunst und Leben propagierte. Osthaus wird nachgesagt, er habe die „geistige Verwahrlosung“ des industriellen Westens beklagt und sah in der Kunstförderung eine Möglichkeit zur Niveau-Hebung.

     Wie bei anderen Unternehmen auch konnte bei dem Chemiekonzern Bayer in den Anfangsjahren weder von einem systematischen, noch thematischen Aufbau einer Kunstsammlung gesprochen werden. Jedoch sorgten die kontinuierlichen Erwerbungen von Werken namhafter, international tätiger Künstler für eine heute bemerkenswert geschlossene „Corporate Collection“ des Unternehmens.


Das Sammeln
von Kunst ist für zahlreiche groß- und mittelständische Wirtschaftsunternehmen mittlerweile ein wichtiger Baustein in ihrer Unternehmenskultur. Initiatoren waren und sind zumeist einzelne kunstbegeisterte Firmenchefs, Manager oder Betriebsgründer. Ihre Unternehmungen sind auf diese Weise zu Kunstförderern geworden, ihre Bestände zu wichtigen Faktoren im Kunstbetrieb. Allerdings wird dieses Engagement von der breiten Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen.

 

Blick in die Ausstellung Highlights der Sammlung Bayer Foto © Bayer Kultur 2016

 

Firmenschauen wie derzeit die Bayer-„Highlight“- Ausstellung im unternehmenseigenen Erholungshaus lassen schnell erkennen, welche Werke und Werte die Kulturabteilungen verwalten.

     In der Sammlung Bayer befinden sich aus der Expressionismus-Epoche unter anderem Werke von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff, die im Entré der Exposition ausgestellt sind. Die Arbeiten aus der École de Paris, der zweite Schwerpunkt der Präsentation, sind keinem festen Stilbegriff zugeordnet. Vielmehr repräsentieren sie die Gesamtheit der in Paris beheimateten Kunstszene gegen Ende des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Prägende Künstler waren etwa Pablo Picasso, Marc Chagall oder Joan Miró, deren Werke Teil der Ausstellung im unteren Foyer in Leverkusen sind.

 

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968), Rot im Zentrum, 1955, Öl auf Leinwand, 100 x 162 cm © Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Als Vertreter der Nachkriegs- und Informellen Kunst bietet Bayer neben Ernst Wilhelm Nay und Bernard Schultze internationale Künstlerpersönlichkeiten wie Sam Francis, Edouardo Chillida und Henry Moore, von denen wichtige Arbeiten zu sehen sind. Den Abschluss der Schau bildet Zeitgenössisches der Achtzigerjahre mit Positionen von Andy Warhol auf der einen und Gerhard Richter, Imi Knoebel, Albert Oehlen und Martin Kippenberger auf der anderen Seite des oberen Foyers.

rART/bra


 Der Bayer-Konzern arbeitet gezielt an der Förderung junger Künstler. So werden regelmäßig Werke von Akademie-Absolventen angekauft und ausgestellt.


► Rund 250 der umsatzstärksten deutschen Unternehmen sammeln heute Kunst, die Hälfte davon systematisch. Mehrere Unternehmen wie zum Beispiel Lufthansa, veräußerten im Zuge der jüngsten Wirtschaftskrisen ihre Kollektionen, andere wiederum verstärkten die Sammlertätigkeiten. Die Fachpublikation CORPORATE COLLECTIONS (Hrsg. Friedrich Conzen und Olaf Salié, DAAB Verlag) beleuchtet die unternehmerische Sammlertätigkeit von Konzernen und Mittelständlern in Deutschland. Das Buch beschreibt 70 Firmensammlungen mit ihren Zielsetzungen und Schwerpunkten, Künstlern und Ausstellungen.


Die Ausstellung „Highlights aus der Sammlung Bayer “ ist bis zum 1. Januar 2017 zu sehen.
Bayer Erholungshaus
Nobelstraße 37
51373 Leverkusen
Tel 0214 / 3041283
Öffnungszeiten
SA, SO, feiertags 11 – 17 Uhr

 

 

 

 

 


 

  

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