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rheinische ART 10/2016

Archiv 2016

FOTO-IKONEN UNSERER ZEIT
Couture auf der Chaussee


Einer der einflussreichsten Modefotografen der letzten vier Jahrzehnte heißt Peter Lindbergh. Eigentlich Peter Brodbeck. Sein sehr ungewöhnlicher Lebensweg führte ihn von Duisburg-Rheinhausen, dem Ort seiner Jugend, in die Mode-Hotspots von Paris und New York.

 

Peter Lindbergh Wild at Heart Street-Style-Fotografie mit acht Supermodels 1991. Von links: Cindy Crawford, Tatjana Patitz, Helena Christensen, Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Karen Mulder & Stephanie Seymour, Brooklyn, 1991, Vogue US Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rottderdam 2016

 

Es gibt Karrieren, die sind es wert, dass man sie nachvollzieht, beschreibt und würdigt. Die des deutschen Fotografen und Filmemachers Peter Lindbergh (*1944) ist so eine.


Die Rotterdamer Kunsthal zeigt derzeit einen Überblick der Leistungen des weltberühmten Mode- und Portraitfotografen. 250 Fotografien beinhaltet die Ausstellung Peter Lindbergh A Different Vision on Fashion Photography. Sie erzählt die Geschichte der zeitgenössischen Mode anhand von Lindbergh-Fotos. Die stilistisch sehr eigenen Arbeiten haben junge Designer, Fotografen und Künstler seit den Neunzigerjahren stark beeinflusst.

     Denn es ist unzweifelhaft: Peter Lindbergh steht seit Jahren für einen neuen Realismus in der Modefotografie. Es sind so gut wie zeitlose und „wahrhaftige“ Bilder von Supermodels, großen Grazien und wohlgestaltenen Beauties der Modewelt, mit denen er neue Standards der Schönheit in der Gattung der Mode-Fotografie definiert hat.

 

Peter Lindbergh Kate Moss, ausdrucksstarkes Portrait der Hollywood-Schauspielerin 2011. Paris, 2015 Vogue Italia Copyright © Peter Lindbergh Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Giorgio Armani, S/S 2015 Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

Haute Couture-Fotografie Lindbergh machte im Laufe der Jahre eine Reihe junger und neuer Laufsteg-Schönheiten zu Stars der Branche, zu vielgefragten und hochbezahlten Supermodels. Und sein Credo lautete dabei nicht etwa, Modefotos müssten mondän, verklärt, glamourös oder gar laut, schrill, hip oder crazzy sein. Lindberghs fotografischer Ansatz war minimalistisch - in Ausstattung, Kulissen und Gesichtern.

     Die Haute Couture fand bei ihm nicht mehr anmutig in barocken Räumen oder auf ebensolchen Plätzen statt; er brachte sie auf die Straße, in Maschinenhallen oder vor Industriekulissen.

     Seine Models hatten nie die Pose von auf Neuzeit getrimmten antiken Göttinnen. Damit unterschied er sich völlig von anderen Großen seiner Berufsgruppe, die in den Jahrzehnten zuvor Weltruhm erlangten.

     Zu diesen stilbildenden Vorläufern sind etwa die ebenfalls deutschstämmigen Lichtbildner Erwin Blumenfeld (mehr), Karl Schenker (mehr) in den Zwanzigerjahren oder später in den Vierzigern Horst P. Horst (mehr) zu rechnen. Das Œuvre dieser Fotografen-Klassiker wurde jüngst wieder in jeweils großen Ausstellungen einem interessierten Publikum präsentiert.

     Fototechnisch gesehen hat Peter Lindbergh aber das Traditionelle nie verschmäht, die neuen Entwicklungen, etwa die digitalen, auch nie über den Klee gelobt. Seine Fotografien sind Kunstwerke in Farbe oder bevorzugt monochrom in Schwarz-Weiß und unter Modeaspekten oft mit einem Schuss Prȇt-à-Porter-Kleidermode angereichert.

 

Regelbruch und Sensation: Peter Lindberghs Cover der US-Vogue im November 1988. Das Modemagazin zeigt das erste von Anna Wintour verantwortete Modemotiv, das wie ein Schnappschuss von der Straße wirkt. Das Model Michaela Bercu trägt eine wulstige Couture-Jacke von Christian Lacroix in Kombination mit einer Jeans von Guess. Foto © Vogue Magazine Condé Nast

Zufall Das war, eigentlich zufällig, in den Achtzigerjahren so was wie ein Tabubruch und revolutionierte die Modefotografie grundlegend.

     Der modisch geniale Coup basierte, wie Lindbergh 2011 in einem ZEIT-Interview erklärte, auf der Zusammenarbeit mit der New Yorker „Vogue“-Chefin Anna Wintour. Unten Jeans und oben gehobene Schneiderei angesagter Modeschöpfer, also „…eine Mischung aus Couture und Straße“. Das war das, was Wintour faszinierte, was sie wollte.

     Das Mix-Mode-Foto erschien als Cover in Wintours erster US-„Vogue“-Ausgabe im November 1988 und sorgte fast schlagartig für einen Neubeginn in der Modefotografie.

 

Peter Lindbergh Model-Quintett mit zeitgenössischen Stars in der Januar-Ausgabe 1990 der Vogue UK. Von links: Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford, New York, 1990 Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

In der Folgezeit entwickelten sich vor Lindberghs Kameras neue Generationen von Fotomodels, die einer ganzen Ära von Modebildern ihre Gesichter gaben.

     Das Jahr 1989 gilt in der Branche als höchst geschichtsträchtig. Lindbergh gelang es damals, in der New Yorker Innenstadt fünf junge Star-Mannequins gemeinsam vor die Kamera zu bringen. Das Kult-Bild erschien 1990 in der britischen "Vogue" und markierte den Beginn eines neuen Modezeitalters und eines neuen Verständnisses von weiblicher Schönheit.

     Das Shootting brachte dem damals 45-Jährigen den Nimbus ein, Erfinder der Supermodels zu sein, so der SPIEGEL in einer Reportage. Lindberghs Stilelemente lassen sich am "Model-Quintett" gut ablesen: Die schönen Fünf wirken puristisch, selbstbewusst, stark, dennoch nicht unnahbar und sie verbergen weder Sommersprossen noch Hautfalten. Mit dieser Szenerie kreierte Lindbergh eine neue Form porentiefer, realistischer Schönheit, jenseits all dem, was die Modefotografie bis zu diesem Zeitpunkt als Maßstab vorgab und was die Medien wollten.

     Zwei Jahre später inszeniert er eine weitere innovative und legendäre Fotografie: das Gruppenbild mit acht Damen. Es zeigt Fotomodels der Spitzenklasse ohne Glamour auf einer Straße in einem eher düsteren Großstadtmilieu. Lindbergh schuf mit dieser Aufnahme eine der Foto-Ikonen neuen Stils. Keine der Grazien lächelte. Vielmehr wirken auch sie konzentriert, pur, fast herausfordernd bei ihrer Präsentation von Couture vor rauher Kulisse.

 

Peter Lindbergh Michaela Bercu, Linda Evangelista und Kirsten Owen, Nancy, 1988 Comme des Garçons Werbekampagne S/S 1988 Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

Peter Lindbergh wurde unter dem Namen Peter Brodbeck 1944 in Lissa im Wartheland, einem vom Deutschen Reich annektierten polnischem Gebiet, geboren. Nach der Vertreibung seiner Eltern wuchs er in Duisburg-Rheinhausen auf, erlernte den Beruf des Dekorateurs und nahm nach ruhelosen, aufregenden Reisen und Auslandsaufenthalten 1969 ein Malerei-Studium an der Krefelder Werkkunstschule auf.

     Ab 1971 widmete er sich der Fotografie. Zwei Jahre war er Assistent des Düsseldorfer Werbefotografen Hans Lux. Von 1973 an war Brodbeck, der sich in dieser Zeit wegen Verwechselungen das Pseudonym Lindbergh zulegte, freischaffender Fotograf in Düsseldorf.

 

Peter Lindbergh by Stefan Rappo 2015, Wikipedia Portrait Foto © Peter Lindbergh CC BY-SA 4.0

 

 

Peter Lindbergh Portrait der amerikanischen Schauspielerin Uma Thurman, Los Angeles, USA, im Jahr 2011 Vogue Italia Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

Seine charakteristische Schwarz-Weiß-Fotografie sei, wie er erklärte, vom frühen deutschen Kino, vom modernen Tanz der Zwanzigerjahre und auch der industriellen Umgebung seiner Jugendjahre beeinflusst.

     Der Durchbruch zu einem gefragten Modefotografen gelang ihm 1978 mit einem Mode-Feature für den „Stern“. Es folgten im selben Jahr Arbeiten für die französischen Magazine „Marie Claire“ und „Vogue“ und ein Umzug nach Paris. In kurzer Zeit wurde er zu einem der bekanntesten Mode- und Portraitfotografen und lichtete auch viele Prominente aus Film und Musik ab, wie unter anderen Mick Jagger, Tina Turner, John Travolta, Madonna, Uma Thurman oder Wim Wenders (mehr). 1992 drehte Lindbergh seinen ersten Dokumentarfilm mit dem Titel „Models – the Film“. Er lebt und arbeitet derzeit in Paris, Arles und New York.

Claus P. Woitschützke


 Die Ausstellung A Different Vision on Fashion Photography („Eine andere Sicht der Modefotografie“) ist eine Ode an Lindberghs vielfältiges Schaffen von 1978 bis heute. Die multimedial gestaltete Exposition ist in neun verschiedene Themenfelder gegliedert: Supermodels, Modedesigner, Zeitgeist, Tanz, Doka, Das Unbekannte, Das weiße Tuch, Icons und eine exklusive Rotterdam Gallery für die Ausgabe der niederländischen „Vogue“ im Oktober, fotografiert im Hafen von Rotterdam.

 

Die Ausstellung Peter Lindberg A Different Vision on Fashion Photography wird bis zum 12. Februar 2017 gezeigt.
Kunsthal Rotterdam
Museumpark
Westzeedijk 341
NL-3015 AA Rotterdam
Tel 31 (01)10 – 44 00 301
Öffnungszeiten
DI – SA 10 – 17 Uhr
SO 11 – 17 Uhr

 

 


  

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24.03. - 06.05.2017
 

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