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rheinische ART 08/2016

Archiv 2016

WALTER VOGEL IN AACHEN
Schauplätze des Lebens


Ehre, wem Ehre gebührt. Dem großen Düsseldorfer Reportage-Fotografen Walter Vogel richtet das Suermondt-Ludwig-Museum eine Exposition mit 34 Werken aus. Der Fotograf wird in diesem Herbst  84 Jahre alt.

 

Zeitzeugnis aus den Sechzigern: Walter Vogel Istrien, Selbst in Rabac, 1965 Foto © Walter Vogel/bpk

 

Die derzeit im Kupferstichkabinett des Museums ausgestellten Schwarz-Weiß-Fotografien von Walter Vogel entstanden zwischen 1954 und 2004. Sie gehen als Schenkung in die Sammlung des Hauses ein und ergänzen das bestehende Konvolut an Vogels Arbeiten. Der Fotograf und das Museum pflegen eine besondere Beziehung: Bereits vor zehn Jahren zeigte das Suermondt-Ludwig-Museum in einer umfassenden Retrospektive den berühmten Künstler.

 

Zeitzeugnis aus den Sechzigern: Walter Vogel Löwendressur, Circus Sarrasani, Dompteur Dieter Farell, 1964 Foto © Walter Vogel/bpk

 

Zeitzeugnis aus den Sechzigern: Walter Vogel In der Kupferhüttensiedlung, Duisburg, Ruhrgebiet, 1965 Foto  © Walter Vogel/bpk

 

Die Ausstellung trägt den Titel Schauplätze des Lebens und ist ein Querschnitt von Arbeiten aus den genannten fünf Jahrzehnten.

     Seine ersten Motive fand Walter Vogel in den Fünfzigerjahren. Er thematisierte damals das Alltägliche in den bescheidenen Nachkriegsjahren. Es folgten Reportagen über das Ruhrgebiet und das Leben im Zirkusmilieu.

     Internationales Renommee erwarb sich der studierte Ingenieur mit Künstlerportraits wie von Joseph Beuys und dessen Kunstaktionen sowie mit einzigartigen, sehr persönlichen Fotos von Pina Bausch (mehr). Lange Jahre arbeitete Vogel als Bildjournalist für das ZEIT-Magazin.


Freigeist Aber seine wesentlichen Themen, und dies weist ihn als Mann mit einem sehr eigenen Kopf aus, suchte er sich stets in eigener Regie. Dazu gehören vor allem seine ausgedehnten Reisen durch Europa, dann nach Afrika und Asien in den 1970er Jahren, bei denen er fotografisch nach antipodischen Kulturräumen suchte und sie auch fand.

     Vogel versteht sich als unabhängiger, kritischer und frei schaffender Fotograf. Er band sich nicht mit lukrativen Verträgen weder an namhafte und populäre Illustrierte, noch an edle Hochglanzmagazine mit geografischen, mainstreamartigen Inhalten.

     Was als fotografierwürdig galt, entschied der Freigeist selbst. Seine Bild-Zeugnisse, im In- und Ausland ausgestellt und prämiert, sprechen eine eigene Sprache.

 

Zeitzeugnis aus den Siebzigern: Walter Vogel Café Omonia, Lüttich, 1973 Foto © Walter Vogel/bpk

 

Zeitzeugnis aus den Siebzigern: Walter Vogel Paris, 1975 Foto © Walter Vogel/bpk

 

Milieustudien Die jetzt in Aachen zu sehenden Fotografien aus Lüttich, Genua und Paris manifestieren - wie das Museum betont - Walter Vogels großes Interesse, in ihrer Existenz gefährdete Milieus zu dokumentieren.

     Eines der brillantesten Beispiele für diese dauernde Art fotografischer Arbeit ist Vogels fünf Jahrzehnte umfassende Dokumentation über die ligurische Hafenstadt Genua. Die stadthistorisch einzigartige Fotosammlung wurde 2014 in einer großen Schau in Genua präsentiert, der Fotograf Vogel überschwänglich in der Presse Italiens gefeiert (mehr).

     Ein Liebesbeweis der besonderen Art an Italien und dessen Lebenskultur ist Vogels hinreißendes Fotobuch über italienische Caffè-Häuser, das ihn unzweifelhaft als genauen Kenner von Land und Leuten ausweist (mehr), aber auch als einen Genießer und als Dokumentar auf der Suche nach einer verlorenen Zeit.


Der Fotograf und Reporter Walter Vogel ist ein Reisender. „Ein gutes Foto war den langen Weg oft wert“, wird er zitiert. Bis heute faszinieren den 84-Jährigen andere Kulturen in all ihren Umbrüchen und Veränderungen, aber auch die oft bizarren „Schauplätze des Lebens“ direkt vor seiner Tür. Wie unterschiedlich die Orte seiner Motivwahl auch sein mögen: Es sind sein Stil und seine Haltung, diese fein austarierte Mischung aus Feingefühl und Respekt, die eine mitunter ungewöhnliche Authentizität ermöglichen und die es ihm erlauben, Bilder in großer kompositorischer Dichte und hoher Brillanz zu schaffen.

 

Zeitzeugnis aus den Neunzigern: Walter Vogel Fischhändler, Via Sottoripa, Genua, 1998 Foto © Walter Vogel/bpk


Walter Vogels Aufnahmen und Buchpublikationen setzen heute Maßstäbe für den klassischen Bildjournalismus. Der Journalist und Kunstkritiker Peter Sager bezeichnete in der ZEIT den Düsseldorfer als "großen deutschen Reportagefotographen".

     Anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Künstler in Düsseldorf 2012 (mehr) antwortete er auf die Frage, was ihm seine Fotografie bedeute: „Erinnerungen werden wach … Geschichten, gespeist aus dem Detailreichtum meiner Abzüge, vom dokumentarischen Charakter meiner Fotografie. Kann man sich im Alter reicher beschenken?“
      Das ist übertragbar. Beschenkt fühlen dürfen sich auch andere, denn Walter Vogels fotografischer Ertrag aus Jahrzehnten Lebens- und Schaffenszeit ist auch ein Geschenk an die Gesellschaft. Ein überaus reiches Geschenk! Es gilt, Dank zu sagen an einen wahrlich Großen der deutschen Fotoreportage.


rART/Claus P. Woitschützke


 In Zukunft wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin das Gesamtwerk des Fotografen Walter Vogel verwalten.


► Das Zitat im Zusammenhang mit der Kunstpreisverleihung wurde dem Katalogbeitrag über Walter Vogel zur Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf 2012 entnommen.


Die Ausstellung „Schauplätze des Lebens - Fotografien von Walter Vogel. Eine Schenkung an das Suermondt-Ludwig-Museum“ wird verlängert bis zum 15. Januar 2017.

Suermondt-Ludwig-Museum
Wilhelmstraße 18, 52070 Aachen
Tel +49 (0)241 / 47980-40
Öffnungszeiten
DI, DO, FR 12 -18 Uhr
MI 12 - 20 Uhr
SA, SO 11 - 18 Uhr

 


 (Foto Ausschnitt)

 

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