rheinische ART
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rheinische ART 12/2016

Archiv 2016

MUSEUM KUNSTPALAST
Hinter dem Vorhang

 

Es ist eine Schau voller Dramatik und Überraschungen: Die Ausstellung „Hinter dem Vorhang“ im Museum Kunstpalast glänzt mit Vielfalt und Fülle.

 

Édouard Vuillard Le rideau jaune, um 1893, Öl auf Leinwand, 34,7 x 38,7 cm, Washington, National Gallery of Art, Washington, Alisa Mellon Bruce Collection, 1970.17.95, © Foto Courtesy National Gallery of Art, Washington

 

Die Schau zelebriert das Spiel mit dem Verhüllen und Enthüllen, dem Verbergen und dem Zeigen, erzählt vom heimlichen Bezaubern und gewaltvollem Entzaubern, vom Lüften von Geheimnissen durch die Jahrhunderte hinweg - und zwar von der Renaissance bis heute.

     Der wichtigste Komplize der Künstler dabei ist – ein Stück Stoff. Ob transparent oder blickdicht, als voluminöser Vorhang, kunstvoller Draperie oder als zarter Schleier werden mit ihm virtuos Geschichten offenbart, die handelnden Akten auf einer Bühne gleich kommen.

 

Jean-Étienne Liotard Liotard riant (Selbstbildnis, lachend), um 1770, Öl auf Leinwand, 84 x 74 cm, Collection des Musées d’art et d’histoire de la Ville de Genève © Musée d’art et d’histoire, Genève, inv. n° 1893-0009, Foto: Bettina Jacot-Descombes

 

Drinnen und draußen Ob vor dem Vorhang oder hinter dem Schleier, sichtbar wird, was das Auge des Betrachters zu erkennen glaubt oder zu erkennen wünscht. Nicht immer ist der Vorhang dabei der Protagonist, sondern vielmehr die ihm innewohnende Kraft der Dramaturgie. Er bringt überbordenden Luxus wie durchscheinende Sanftheit - doch vor allem führt er die Regie, denn er ist es, der die Welt einteilt in Drinnen und Draußen. Und das kann durchaus machtvoll geschehen.

 

Der Besucher ist hin und her gerissen zwischen Überraschung und Erkenntnis, zu der sich auch schon mal Erheiterndes gesellen kann. Denn schnell wird der Betrachter in die Rolle des Zuschauers versetzt und erfährt dabei so manch Perfides: Da ist die Frau des Kandaules, die nackt vor ihrem Gatten stehend den hinter dem samtenen Bettvorhang versteckten Freund ihres Mannes erblickt. Ein eheliches Drama, das Eglon Hendrik van der Neer circa 1660 malte. Oder der Herzog von Orléans, ein Freund der Frauen, der zum Spaß den nackten Körper seiner Geliebten dem Mann zeigt, dessen Frau sie ist ... und ihren Kopf mit einem Laken verdeckt. Eine Geschichte, so frivol, dass sie Jahrhunderte überdauerte, denn ereignet haben soll sie sich Ende des 14. Jahrhunderts. Gemalt wurde sie dann von Eugéne Delacroix in „Le Duc d'Orléans montrant sa maitresse“ um 1825.

 

Ausstellungsansicht "Hinter dem Vorhang" im Museum Kunstpalast Foto ©rART 2016

 

Macht der Inszenierung Bereits vor Jahrhunderten wurde gemalt, was man eigentlich nicht zeigen darf. Doch die verdeckte Lüsternheit und die in ihr wohnende Tragik ist nur eine der Facetten dieser Schau.
     „Hinter dem Vorhang befindet sich nichts anderes als Kunst“, so Beat Wismer, Ideengeber und Kurator der Ausstellung, und spielt damit auch auf die Tatsache an, dass Kunst jahrhundertelang hinter einem schützenden Vorhang aufbewahrt, dieser nur zu besonderen Anlässen geöffnet und damit der Blick auf die Kunst erst frei gegeben wurde. Dem Beizuwohnen war ein Privileg. Doch ging es nicht allein darum, die Kunst zu bewundern. So ganz nebenbei wurde mit diesem Akt auch eine der stärksten Emotionen des menschlichen Naturells befriedigt: die Neugier.

 

Ferdinand Hodler Die Wahrheit, 1. Fassung, 1902, Öl auf Leinwand, 196 × 273 cm, Kunsthaus Zürich, Schenkung der Erben A. Rütschi, 1929

 

Vielfalt Nicht sehen wollen hingegen die dunkel umhüllten Gestalten in Ferdinand Hodlers (mehr) Gemälde „Die Wahrheit“ von 1903, die sich von der – unbekleideten - Frau abwenden. Die nackte Wahrheit wollte man nicht sehen. Hodler, so heißt es, malte das Bild als Protest zur Dreyfus-Affäre in Frankreich. Politisch ist auch die Fotografie „Faceless“ von Shirin Neshat, die die Verhüllung, die Verschleierung muslimischer Frauen thematisiert. Dass die Auseinandersetzung mit dem „Tuch tragen“ durchaus keine aktuelle ist, verrät der Blick auf das Datum: 1994.

 

Gewalt der Enthüllung Unentdeckt sein sollte eigentlich auch die Enthauptung des Holofernes durch Judith. Künstler greifen dieses symbolträchtige Sujet aus dem Buch Judit des Alten Testamentes immer wieder auf und die Maler unter ihnen unterstreichen die Dramatik oft mit blutroten, die Szenerie enthüllende, dabei in prächtige Falten fallende, Vorhänge. „Judith und Holofernes“, von Jacopo Tintoretto 1577 gemalt, mag hier beispielhaft für die Alten Meister genannt sein wie für die zeitgenössischen Künstler Cindy Sherman, die sich in der Rolle der Judith in „Untiteld, No.228“ 1990 ablichtete.

 

Hans Holbein d. Ä. Maria mit dem schlafenden Christuskind, um 1520, Öl auf Lindenholz, 73,8 × 55,9 cm
Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Foto: Christoph Schmidt

 

Göttlichkeit Auch das Klerikale nimmt in der thematischen Schau einen breiten Raum ein. Das Schweißtuch mit dem Abbild Jesu der Heiligen Veronika wird von mehreren Künstlern interpretiert gezeigt wie auch unter der Rubrik Offenbarung des Göttlichen ein Gemälde von Hans Holbein d.Ä. mit dem Titel „Maria mit dem schlafenden Christuskind“ von 1520. Engel halten auf diesem ein kostbares Tuch bewahrend um und über Mutter und Kind, wobei dem rechten Engel allerdings ein kleines Missgeschick passiert; er passt nicht auf und ihm entgleitet das Tuch ...

     Claudia Blümle, Professorin an der Humbold-Universität Berlin und kunsthistorische Expertin in diesem Fach, hat die Schau mit Wismer kuratiert. Für sie ist die Ausstellung ebenso eine sinnliche. Etwas, das zuvor verborgen war, sichtbar zu machen, hat seinen Reiz bis heute nicht verloren. 

 

Christo Wrapped Beetle ,1963 (Objekt 2014), 1963 / 2014, Auto, Stoff, Seile, 150 x 158,5 x 414 cm, Im Besitz des Künstlers, © Christo 2014, Foto: Wolfgang Volz

 

Gegenwart Blümle verweist auch auf den zeitgenössischen Teil der Schau. Die Kunstgeschichte ändert sich, sagte sie anlässlich der Präsentation, und damit auch der Umgang der Künstler mit dem Vorhang. Heute sind die Objekte vielfach ganz verhüllt und die Verhüllung selbst wird zum Thema. Und hierfür steht, allen voran, natürlich der Verpackungskünstler Christo (mehr).

 

Tizian Bildnis des Filippo Archinto, Öl auf Leinwand, 114,8 x 88,7 cm © Philadelphia Museum of Art: John G. Johnson Collection, 1917, Foto: Philadelphia Museum of Art

 

 „Hinter dem Vorhang“ ist das letzte von Beat Wismer (mehr), Generaldirektor am Museum Kunstpalast, ideell wie konzeptuell erarbeitete Ausstellungsprojekt für das Haus. Circa zehn Prozent der rund 200 ausgestellten Werke sind aus der eigenen Sammlung. Die Idee zu diesem komplexen Ausstellungsthema wurde konkret, als das Philadelphia Museum of Art zusagte, das Gemälde „Bildnis des Filippo Archinto“ von Tizian auszuleihen, das für Wismer bereits 2009 zum Impulsgeber zu dieser überaus sehenswerten Schau wurde. Es darf als Schlüsselbild der Ausstellung verstanden werden.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Hinter dem Vorhang, Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance“ wird bis zum 22. Januar 2017 gezeigt.
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4 – 5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 56642100
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr
DO bis 21 Uhr

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 


 

  

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