rheinische ART
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rheinische ART 05/2016

Archiv 2016

GALERIE VOSS
Wirklichkeit

 

Sandra Senn deutet mit ihrem Finger auf den dicken Bauch des hohen, fensterlosen, archeähnlichen Schiffes, lässt ihn mit Ruhe kurz kreisen und fragt: „Was würden Sie tun, wenn Sie da drin wären?“

 

Sandra Senn Ohne Titel, Flüchtiges Getriebe, 2014, 103 x 100 cm, Pigmentprint auf Hahnemühlenpapier ©Sandra Senn, Courtesy Galerie Voss


Sandra Senn (*1973 in Baden/CH) ist eine begnadete Verführerin. Spielerisch leicht, mit scheinbar einfachen Mitteln versteht sie es, Türen, ja ganze Tore, im Auge des Betrachters zu öffnen und ihn in seine eigene Erinnerungswelt zu führen. 
     Natürlich muss sich dieser etwas Zeit nehmen, auch Willens sein. Doch lässt sich der Betrachter einmal auf die Fotocollagen der Schweizer Künstlerin ein, mutieren diese zu einem ganz persönlichen Echoraum.

 

Mit den Arbeiten von Sandra Senn, die auch Lyrikerin ist, hat die Galerie mehr als nur fotografische Collagen an die Wände gehängt. „Flüchtiges Getriebe“ titelt die Ausstellung und thematisiert in dieser Serie Senns Sujet – der Grenzgang zwischen Wirklichkeit und Vorstellung - im weitesten Sinne mit Schiffen, Meeren, dem Bleiben und dem Reisen.

 

Sandra Senn Ohne Titel, Flüchtiges Getriebe, 2016, 120 x 80 cm, Pigmentprint auf Hahnemühlepapier, ©Sandra Senn, Courtesy Galerie Voss

 

Mission „Meine Schiffe und Gebäude zeigen sich als multiple Konstruktionen, die etwas von Bricolagen haben“, erzählt Senn. „Sie setzen sich aus unterschiedlichen Teilen zusammen. Die Konstruktionen sind auf dem Meer in einer Mission unterwegs.“
     Die 'Konstruktionen', die Senn anspricht, sind Gebilde, die es so nicht gibt. Die Künstlerin komponiert mit großer Offenheit aus ihrem ganz eigenen Fundus die unterschiedlichsten Arrangements. Da gibt es einen verhüllten Raddampfer auf einem Schiffskörper, eine bergige, grüne Insel auf einem Ponton, der einer abtauchenden Walfischflosse gleicht, ein auf strebenden Stelzen ruhender, rundum geschlossener Betonquader, bedacht mit einer roten, wulstig wie aerodynamisch geformten, glatten Plastikhaube. Auch selbst Gebautes ist mit dabei. Großformatige Holzfaserplatten sind ein Mittel, um Komplexe zu errichten, die im Einklang mit anderen Objekten ideenreiche Konstrukte bilden.

 

Sandra Senn Ohne Titel, Flüchtiges Getriebe, 2016, 160 x 110 cm, Pigmentprint auf Hahnemühlepapier ©Sandra Senn, Courtesy Galerie Voss

 

Undefinierbar sind die Meere; Weite und Tiefe des Wassers sind unergründlich. Auch ist es nie blau oder türkis, auch nicht klar, eher ähnelt es Wasserwüsten. Mit Senn, die ein sehr persönliches Verhältnis zum Meer hat, wird man zum modernen Odysseus. Dieser Eindruck wird noch durch die weiße Rahmung der Arbeiten verstärkt, die die Grenzen zur weißen Wand auflösen und gestatten, die eigene Erinnerungswelt über das Bild hinaus weiterzuleben.

 

Sandra Senn Ohne Titel, Flüchtiges Getriebe, 2016, 150 x 110 cm, Pigmentprint auf Hahnemühlepapier ©Sandra Senn, Courtesy Galerie Voss

 

So phantasievoll sich das Alles auch anhört, Senn ist weniger an der Fiktion als an der Wirklichkeit interessiert. Die hohe Assoziationskraft, die den Werken innewohnt, die Realitätsferne der Objekte, die doch einen Hauch Bekanntheit tragen, lassen Erinnerungen, abgespeichert im Unbewussten, gedanklich konkretisieren. Fiktion und / oder Wirklichkeit? Erinnerungen sind wie eine Selbstbiografie in Bildern, die auch schon mal betrügen können. Erkennen, Erscheinung, Vorstellung, alles verirrt sich in einer, wie Senn sich ausdrückt, „Zwischenwelt“, einem Raum zwischen Phantasie und Wirklichkeit der dem Betrachter die Möglichkeit lässt, seine eigene wahre Wirklichkeit zu finden. Und weil das ein höchst persönlicher Vorgang ist, sind die Gebilde Senns vielleicht auch geschlossen, verhüllt, von außen nicht einsehbar.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Sandra Senn – Flüchtiges Getriebe“ ist bis zum 21.05.2016 zu sehen.
GALERIE VOSS 
Mühlengasse 3
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 13 49 82
Öffnungszeiten
DI - FR 10 - 18 Uhr 
SA 11 - 14 Uhr und nach Vereinbarung

 


 (Foto Ausschnitt)

 

CONCENTRATION

 

CLAUDIA ROGGE

 

27.01.-18.03.2017
 

GALERIE VOSS

 


 

 

 

 

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