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rheinische ART 04/2016

Archiv 2016

WOLFGANG HAHN-PREIS 2016
Philosoph zeitgenössischer Kunst

 

Huang Yong Ping im Museum Ludwig, Foto und ©: Saša Fuis, Köln 

 

In der Power Station of Art in Shanghai, im Grand Palais in Paris und im Museum Ludwig in Köln: Huang Yong Ping. Der chinesische Künstler ist der 22. Träger des renommierten Wolfgang Hahn-Preises der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig. Huang nahm den Preis, der traditionell anlässlich der ART COLOGNE verliehen wird, persönlich entgegen.

 

Huang Yong Ping (*1954), der seit 1989 in seiner Wahlheimat Paris lebt, gilt als Philosoph und zählt zu den Leadern der zeitgenössischen Kunstszene in China. Seine ersten, auch international wahrgenommenen, Aktionen haben erstaunlicherweise mit Dada zu tun.

     1986, sieben Jahrzehnte nach dem künstlerischen Nonsensaufstand gegen den Ersten Weltkrieg in Europa (mehr) veranstalteten Huang und einige Kollegen destruktive Aktionen - so verbrannten sie ihre Arbeiten auf einem Scheiterhaufen vor dem Kulturpalast - in der chinesischen Stadt Xiamen, der Geburtsstadt Huangs. Die Künstlergruppe nannte sich Xiamen Dada und existierte bis 1989. Ihr Motto „Zen ist Dada, Dada ist Zen“.
 

Huang Yong Ping Mémorandum: Bat Project I, II, III, 2001–2003, 2004, Holz, Fotografien, Papierseiten, Modellflugzeug in Kiste: 50 cm (Länge) x 50 cm (Breite) x 100 cm (Höhe). Ausgebreitet: 1200 cm (Länge) x 350 cm (Breite) x 350 cm (Höhe) 
     Ankauf der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V. anlässlich Wolfgang-Hahn-Preis 2016 © Huang Yong Ping, Museum Ludwig und Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V., Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 , Foto: Saša Fuis, Köln

 

Zensur Die im Rahmen der Preisverleihung angekaufte Arbeit für die Sammlung des Museum Ludwig ist ein Schlüsselwerk des Künstlers. Die Arbeit trägt den Titel „Mémorandum: Bat Project I, II, III, 2001-2003“ und handelt vom historischen Zusammenprall eines amerikanischen Spionageflugzeugs und eines chinesischen Militärflugzeugs 2001. Die Arbeit ist Skulptur und Archiv zugleich und dreht sich um Huangs große Bat-Projekte, deren Ausstellungen in China in 2001-2003 aus politischen Gründen verhindert wurden.

 

Huang Yong Ping Mémorandum, Bat Project I – III, 2004 (Detail) 
© Huang Yong Ping sowie Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig / Museum Ludwig / VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Saša Fuis, Köln

  

Huang Yong Ping  Kiosk, 1994 (Detail) , Metall, Beton, Zeitschriften und Zeitungen in Betonmischer behandelt , 240 cm x 265 cm (Fläche), 370 cm (Höhe). 
Sammlung Museum Ludwig, Köln 
© Huang Yong Ping, Museum Ludwig, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 , Foto: Saša Fuis, Köln

 

Mit Huang Yong Ping wird ein Künstler ins Blickfeld gerückt, der weltweit höchste Anerkennung erfährt. Große Ausstellungen an bedeutenden Orten finden auch derzeit statt. Dazu gehören die Power Station of Art in Shanghai und die im Mai beginnende Schau Monumenta im Pariser Grand Palais wird von ihm bestritten. Hier reiht Huang sich ein in eine Liste internationaler Künstler, die keiner Erklärung mehr bedürfen. Zu ihnen zählen Anselm Kiefer (mehr), Richard Serra, Christian Boltanski und Anish Kapoor.

Doryun Chong, diesjähriger Gastjuror des Wolfgang-Hahn-Preises und Chefkurator des M+ in Hongkong über den Preisträger: „Zu meiner Begeisterung hat sich die Jury des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2016 für Huang Yong Ping entschieden. Seine nunmehr drei Jahrzehnte währende Laufbahn begann in den 1980er Jahren in China. In den 1990er Jahren hat er sie in Europa und später weltweit fortgesetzt und ausgedehnt. Er durchquerte viele Länder und Kulturen, und auch sein Werk durchquerte eine fantastische Vielzahl von Gebieten und Zeiten. Sein Œuvre ist eine einzigartige Leistung, bekannt für seine oft ehrfurchtgebietenden Maße, seine erstaunliche Ikonografie und seine strenge Intellektualität. Es hat unseren Blick ebenso verändert wie unser Empfinden dafür, wie wir in Geschichte und Welt existieren. Er ist zugleich ein meisterlicher Bildhauer wie ein Künder unserer Zeit.“

 

Huang Yong Ping Palanquin, 1997, Bambus, Schlangenhaut, Tropenhelm, 400 cm (Länge) , Courtesy of the artist und Galerie kamel mennour, Paris , © Huang Yong Ping, Galerie kamel mennour, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2016  Foto: Saša Fuis, Köln

 

In der, die Preisverleihung begleitende, Ausstellung im Museum Ludwig sind weitere Werke Huangs zu sehen. Doryun Chong beschreibt sie wie folgt: „Palanquin (Sänfte) etwa ist, obwohl eine lyrisch-leichte Skulptur, eine bissige Erinnerung an die Herr-Knecht-Dialektik, während Huit Chevaux de Léonardo de Vinci déchirant un porte-avions (Acht Pferde Leonardos zerren einen Flugzeugträger auseinander) Referenzen auf den Meister der italienischen Renaissance mit einer 'barbarischen' chinesischen Folterung und einem modernen Waffensystem kombiniert, welches für militärische Macht und Zerstörung steht.“

 

Installationsansicht Huang Yong Ping An der Wand hinten: Haymakers (Les Foins) by Jules-Bastien Lepage, 1983 und vorne Huit Chevaux de Léonard de Vinci déchirant un porte-avions, 2004 
© Huang Yong Ping, Sammlung Ludwig, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen / VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Saša Fuis, Köln


rmw / ruwoi

 

Die Ausstellung „Huang Yong Ping – Wolfgang Hahn Preis 2016“ ist bis zum 28. August 2016 zu sehen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon 0221 / 221-26165 
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden ersten DO 10 – 22 Uhr

 

 

 

 

 

 


  

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