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rheinische ART 11/2016

Archiv 2016

KULT UM KÜNSTLICHKEIT

Bling Bling Baby!


Mit ordentlichen Portionen Glitzer, Glamour und Gold spielt derzeit das NRW-Forum Düsseldorf - und flirtet zugleich heftig mit dem Pop. Es ist eine kolossal bunte Welt, die das Haus da aufblättert - und ein großer Spaß!

 

Riesig: Katarina Stupavska Floral City 2 (Design) aus der Serie Dutch Masters (für BN Wallcoverings) ist ein Superlativ in puncto Wandfüllung. Foto © rART 2016

 

Von Glam Fashion bis zur Naturpoesie, von der ironischen Szenerie bis zum Pop-Porträt und zu Busty Balloon Babes – in den letzten Jahren ist ein kurioser wie auch faszinierender Bilderkanon entstanden, der das Künstliche feiert, das Opulente liebt, die Übertreibung inszeniert und auch vor Kitsch keine Angst hat.

 

David Drebin Watch Out, 2015, Courtesy Gallery Camera Work, Berlin © David Drebin

 

Esther Haase Miss Miami Nice, Nico & Anna, Hamburg 2011, © Esther Haase

 

Martin Schoeller Jeff Koons with Floral Headpiece, New York, 2013, © Martin Schoeller, Courtesy Gallery Camera Work, Berlin

 

Zugegeben, er hat etwas dekadentes, dieser „Kult um die Künstlichkeit“. In der Gruppenausstellung „Bling Bling Baby!“ hat das NRW-Forum zahlreiche international agierende Akteure dieser speziellen Fotoszene, darunter auch einige Stars des Genres, versammelt. Es ist eine Fotografie zwischen Kunst und Künstlichkeit, zwischen bonbonbunt, honigsüß und zartbitter, auf jeden Fall unterhaltsam und kurzweilig.

     Ob röhrende Hirsche, plüschiges Interieur, barocke Ornamentik, Alpenglühen oder Sonnenuntergang – seit der Romantik gehört das Stilmittel der Überzeichnung zu einer immer wieder zitierten Spielart in der Kunst, betonen die Düsseldorfer Aussteller. Die Glorifizierung des Trivialen, des Oberflächlichen, des sentimentalen Überschwangs und das zur Schau stellen von Reichtum und Luxus hat auch in der Fotografie zu einer eigenständigen Bildsprache geführt.

 

Vorreiter Der französische Modefotograf Guy Bourdin (1928-1991) war, so das Haus, der erste, der schillernde Farben, skurrile Settings und eine surreale Ästhetik für seine Inszenierungen verwendete. 

     Ein so großer Spaß kann nur mit großem Ernst betrieben werden, sonst bleibt die Professionalität auf der Strecke. Mehrere Kreative befeuerten in den letzten Jahrzehnten im stilistischen Fahrwasser von Bourdin anhaltend den „Kult um die Künstlichkeit“ in der Fotografie. Mit ihrem ausgeprägtem Hang zur grellbunten Farbgestaltung, zu witzigen wie kitschigen Szenerien und surrealen Impulsen brillieren (und sind auch in der Ausstellung zu sehen) unter anderen der US-Fotograf David LaChapelle (*1963), dessen Werke den Einfluss von Dali und Warhol erahnen lassen, der Brite Miles Aldridge (* 1964) und das Künstlerduo Pierre Commoy (*1950) und Gilles Blanchard (*1953), als „Pierre et Gilles“ in der Fotoszene firmierend. Bekannt für spektakuläre Portraits von Persönlichkeiten ist ferner der in New York arbeitende deutsche Fotograf Martin Schoeller (*1968). Sie alle gestalten den Flirt mit der Pop-Art, eine ihrer wichtigsten Inspirationsquelle, auf sehr erfolgreiche Weise.

 

Christto & Andrew Current Obsession, from the series Glory of the Artifice, 2015. © Christto & Andrew / East Wing, Dubai

 

Inka & Niclas „The Belt of Venus and the Shadow of the Earth IV, 2012-2013“, © Inka & Niclas / Grundemark Nilsson Gallery

 

Hassan Hajjaj Mr J. C-Hayford, 2012/143 © Hassan Hajjaj

 

Bela Borsodi The Expandables, Tatler Russia, 2011 © Bela Borsodi 2016

 

Ihnen nachfolgend lässt sich, wie es im NRW-Forum heißt, eine junge Riege an Fotokünstlern ausmachen, die mit viel Fantasie und Farbgewalt die Grenzen des Mediums ausloten.

     Hierzu gehört etwa das Duo Christto Sanz & Andrew Weir, das in Katar lebt und dass ganze Wandwelten mit schrägen Motiven entwirft. Die Fotografien von Christto & Andrew spiegeln vielfach künstlerisch den scharfen Gegensatz von Tradition und Moderne, in der sich das Emirat Katar befindet. 

     Das schwedische Paar Inka und Niclas Lindergårds läßt seine farbig-kitschigen Felsbilder gleich auf die Rahmen überschwappen. Ihr „Gürtel der Venus und der Schatten der Erde“ bezieht sich auf das populäre Motiv Sonnenuntergang. Dabei ist der Venusgürtel der Name für die rosa Glut, die von der Sonne beim Untergang erzeugt wird, der Schatten der Erde die blaue Farbe unter dem Horizont.

     Der Marokkaner Hassan Hajjaj ergänzt in seinen Fotokunstwerken Hipster-Porträts im Mustermix durch gefundene Gegenstände à la Warhol.

     

Von besonderer Qualität sind die bizarren Ballonkreationen des in New York arbeitenden österreichischen Modefotografen und Künstlers Bela Borsodi. Die „Busty Balloon Babes“ sind luftgefüllte Primadonnen, ursprünglich für die russische Zeitschrift Tatler kreiert. Reichhaltig ausgestatte mit allerlei Accessoires wirken sie irgendwie belebend frisch, vermitteln einen Hauch von Frechheit, Erotik und Kühnheit, sind reich an lebendiger Energie und Komik – Borsodi Babes!

     Zu den Spitzenkräften dieser Szene gehört ferner der niederländische Fotokünstler Ruud van Empel. Seine blitzblanken und sittsam gekleideten Idealgestalten postiert er digital vor nicht real existierender Natur - detailgenau und naturgetreu. Die gaukelhaften Bildserien finden weltweit Anerkennung und museale Präsenz.


Kuratorin Nadine Barth bietet mit der Ausstellung „Bling Bling Baby!“ einen breiten Blick auf die interessantesten Ansätze dieser Richtung in der Fotokunst, stellt bekannte und neue Namen vor und entführt in einen surrealen, glitzernden und so unerhört frechen wie amüsanten Kosmos.

 

► Der Titel der Schau ist der Hip-Hop-Kultur entlehnt, in der Bling Bling im negativen Sinne für überladenen Schmuckbehang und Lust am Luxus gilt. Prominentes Opfer dieser Titulierung war im Dezember 2007 Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy. Wegen seiner Neigung zur Welt der Reichen war er für die linksliberale Zeitung Libération "Président Bling-Bling".
cpw/ruwoi


Die Ausstellung „Bling Bling Baby“ kann bis zum 15. Januar 2017 besucht werden.
NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 89 266 90
Öffnungszeiten
MO – SO 11 – 18 Uhr
FR, SA 11 – 20 Uhr

 

 

 

 


 

 

  

KATE WATERS 

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bis 11.11.2017

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