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rheinische ART 02/2016

Archiv 2016

LUCIEN CLERGUE 

Gypsy-Community


Pablo Picasso erkor ihn 1953 zu seinem Schützling und Jean Cocteau sah in ihm den „Dichter mit der Kamera“. Dem 2014 verstorbenen französischen Fotografen Lucien Clergue widmet die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling eine kleine Hommage.

 

 

Lucien Clergue Danseuse gitane (tanzende Zigeunerin), modern print, 1958, 30 x 40 cm, Foto © Beck & Eggeling 2016

 

Damit sind Beck & Eggeling aktuell und in allerbester Gesellschaft. Denn bis Monatsmitte lief im Pariser Grand Palais eine große Retrospektive auf Lucien Clergue (1934-2014). 400 Fotografien zu acht Themenbereichen wurden dort ausgebreitet, ein wahres Clergue-Festival.

     In Düsseldorf titelt die Ausstellung „Lucien Clergue – Les Gitans“. Die Galerie zeigt den Künstler bereits zum dritten Mal und diese kleine Exposition ist ausschließlich auf jene Fotografien konzentriert, die der Autodidakt aus Arles in den 50er und 60er Jahren im südfranzösischen Zigeunermilieu fertigte.

 

Lucien Clergue On forme le cercle (Bildung eines Kreises) 1955, 50x60cm, Foto © Beck & Eggeling 2016

 

 

 

Lucien Clergue Draga en robe à pois (Draga im gepunkteten Kleid), Les Saintes-Maries-de-la-Mer, 1957; tirage moderne argentique; 60 x 50 cm © Atelier Lucien Clergue/ RMN Grand Palais Paris 2016

 

 

Lucien Clergue Jouant enfants gitans (Spielende Zigeunerkinder) 1957, © Atelier Lucien Clergue/RMN Grand Palais Paris 2016

 

Les Gitans Lucien Clergue fotografierte seinerzeit die Zigeuner (Les Gitans) auf ihrer jährlichen Pilgerreise zu Sarah-I-Kalyi, ihrer heiligen Patronin. Ziel der Reise war stets - und daran hat sich bis heute nichts geändert - das kleine Küstenörtchen Les Saintes-Maries-de-la-Mer in der Carmargue, das in den Pilgertagen vor Musik und Tanz pulsiert.

     Es galt als schwierig, einen Blick in die geschlossene Welt der Zigeuner Europas, die in der Pilgerstadt eines ihrer kulturellen Zentren sehen, zu werfen. Clergue gelang es in den Fünfzigerjahren, in seinen schwarz-weißen Fotografien auf sehr eindringliche Weise das Streben dieser Menschen nach Freiheit, nach ungezwungenem Leben und ihre besondere Leidenschaft im Ausdruck einzufangen.

     Da er sich nie als Fotoreporter sondern als Fotokünstler verstand, waren die Aufnahmen aus dem Inneren der „Gypsy-Community“ Südfrankreichs, sowohl aus dem Zigeuneralltag als auch aus den temperamentvollen Pilgerfestivitäten, seinerzeit durchaus auch umstritten.

 

Frühe Motive Clergue veröffentlichte in Laufe der Jahre eine Reihe ungewöhnlicher Foto-Alben, die zum Teil erst spät bekannt wurden. Die Arbeiten zeigen, welches die Leitmotive seiner frühen Werke waren: Ruinen seiner zerbombten Geburtsstadt Arles, Schlachtkörper, die Sümpfe der Carmargue, arme Kinderakrobaten und Zigeuner, Stierkampfszenen... Motive also, die seiner Heimat entstammen und die Verbundenheit mit ihr dokumentieren.

 

Lucien Clergue Nimeño II Pose les Banderilles (Wurf der Banderilles) Feria de Nîmes, Silver Gelatin Print, 30 x 46 cm, Foto © Atelier Lucien Clergue/ RMN Grand Palais Paris 2015 Inventory # 17167

 

Lucien Clergue Nu de la mer, 1956, 800 x 800 Foto © Beck & Eggeling 2016

 

Berühmt wurde er allerdings mit weiblichen Akt-Fotos, die ihre Sinnlichkeit aus dem Spiel von Licht und Wasser gewannen. Die Fotografien entstanden während der sogenannten sexuellen Revolution der 60er und 70er Jahre; die Motive begeisterten seine Mentoren Picasso und Cocteau gleichermaßen. 

 

Freundschaften Lucien Clergue wurde 1934 in Arles geboren. Eine Violinen-Ausbildung musste er aufgeben, da die Familie die Finanzierung nicht sichern konnte. Der junge Clergue war keine zwanzig Jahre alt, als er 1953 nach einem Stierkampf in seiner Heimatstadt dem Arena-Besucher Pablo Picasso (mehr) unvermittelt seine Fotos präsentierte.

 

Lucien Clergue Picasso président de la corrida (Detail), Fréjus, 1962, tirage argentique, 30,7 x 50,2 cm, Foto © Atelier Lucien Clergue/ RMN Grand Palais Paris 2015

 

Der renommierte Maler war beeindruckt und sprach Mut zum Weitermachen aus. Die Begegnung war entscheidend. Picasso wurde Clergues Mentor, später sein Freund, beide arbeiteten bis zu Picassos Tod eng zusammen. Der weltberühmte Maler öffnete dem Fototalent die Türen zu Avantgarde-Kreisen, so etwa zu den Künstlern um Jean Cocteau (mehr). Für Cocteau dokumentierte Clergue Dreh- und Bühnenarbeiten und lieferte Fotomaterial für Bildbände.

     Ähnlich verhielt es sich mit Protagonisten aus der Zigeunerszene. Dort lernte Clergue den virtuosen Gitarrenspieler Ricardo Baliardo und den Flamenco-Sänger José Reyes kennen. Baliardo, ein französischer Roma, gelangte unter dem spanischen Künstlernamen Manitas de Plata zu Weltruhm. Reyes gründete 1975 eine Musikgruppe, aus der sich später die Flamenco-Pop-Gruppe Gipsy Kings („Zigeunerkönige“) formte.

 

Lucien Clergue Jeune gitan portant la statue de Sainte Sara, les Saintes Maries de la mer 1959 Foto © Atelier Lucien Clergue/ RMN Grand Palais Paris 2015

 

Der Provençale Clergue war ohne Zweifel spätestens ab den frühen Siebzigern eine der Schlüsselfiguren im französisch-mediterranen Kulturbetrieb. Er verstand seine Arbeit als Fotograf ein Leben lang als eine der Malerei ebenbürtige Kunst. Picasso verglich die Bildkompositionen und methodischen Konzeptionen Clergues mit jenen der Maler Manet, Renoir und Velàzquesz. In den 60er Jahren kaufte Edward Steichen (mehr), Direktor der Fotoabteilung des Museum of Modern Art (MoMA), Clergue-Fotografien für das New Yorker Museum auf.

     In den letzten zwei Jahrzehnten seines Schaffens änderte Clergue seine Fototechnik. Ein neuer Schwerpunkt war die Fragmentfotografie. Kunstvolle Überblendtechniken, neue technische Raffinessen mit Polaroid-Technologien und surrreale Farbigkeiten waren bestimmende Elemente in seinen späten Werken.


Dokumentarfilmer Weniger bekannt ist, dass Clergue auch ein erfolgreicher Kurz- und Dokumentarfilmer war. Daran erinnerte seine Tocher Anne Clergue in der Tageszeitung „Libération“ anlässlich seines Todes im November 2014. Einer der großen Erfolge in diesem Genre war sein achtminütiger Dokumentarfilm „Delta de Sel“ (1967), der die Salzproduktion im Rhônedelta zum Gegenstand hat. Die Schwarz-Weiß-Dokumentation wurde bei den Filmfestspielen von Cannes ein Jahr später aufgeführt und für den Oscar-Filmpreis in den USA nominiert.


Lucien Clergue
blieb seiner Heimat und der mediterranen Kultur bis an sein Lebensende treu. Sie inspirierten und beeinflussten sein künstlerisches Schaffen maßgeblich, wie eine Gesamtschau auf die Arbeiten deutlich zeigt. 1968 begründete er mit anderen das internationale Fotografie-Festival Rencontres de la Photographie in Arles. Für die zeitgenössische Fotografie hat sich dieses Festival zu einem Fixtermin im Veranstaltungskalender entwickelt. 2007 wurde Lucien Clergue als erster Fotograf Mitglied in der französischen Academie des Beaux-Arts. Sein fotografisches Werk ist in vielen Museen der Welt ausgestellt und in zahlreichen internationalen Publikationen veröffentlicht worden. Die Exposition „Les Gitans“ bei Beck & Eggeling zeigt neben signierten Modern Prints in unterschiedlichen Formaten auch ausgewählte Vintage-Prints.

 

► Zeitgleich mit der Clergue-Ausstellung zeigt die Galerie Beck & Eggeling einen weiteren Meister der Fotografie: Otto Steinert. Anlass ist der 100. Geburtstag des Fotografen und Folkwang-Fotolehrers (mehr). Die Werkschau titelt „Otto Steinert – Galerie Johannes Faber (Wien) zu Gast bei Beck & Eggeling“ und besteht aus Exponaten der genannten Wiener Galerie.
cpw


Die Ausstellung „Lucien Clergue – Les Gitans“ wird bis zum 2. April 2016 gezeigt.
Galerie Beck & Eggeling
Bilker Str. 5 und Bilker Str. 4-6
40213 Düsseldorf
Tel +49 (0)211 491 58 90
Öffnungszeiten
DI-FR 10-13 Uhr und 14-18 Uhr
SA 11-16 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  

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