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rheinische ART 05/2016

Archiv 2016

STADT KÖLN
Restitution

 

Das Gemälde "Blumenstrauß" von Narcisso Virgilo Diaz de la Peña war seit 1960 Teil der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Foto Museum©Wallraf

 

Der Rat der Stadt Köln hat in seiner Sitzung vom 10. Mai 2016 beschlossen, das Gemälde „Blumenstrauß“ von Narcisso Virgilio Diaz de la Peña an die Nachfahren von Felicia Lachmann-Mosse und Walter Westfeld zurückzugeben. Damit erkennt der Rat an, dass sowohl Lachmann-Mosse im Jahr 1934, als auch Westfeld im Jahr 1938 als Opfer des Nationalsozialismus gezwungen waren, das Gemälde zu veräußern. Das Stillleben gelangte im Jahre 1960 als Teil einer Stiftung in die Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums.

 

Kunstsammlung Mosse Das Werk des französischen Malers de la Peña (1807 – 1876) gehörte ursprünglich zur Kunstsammlung des Berliner Verlegers Rudolf Mosse. Der Unternehmer war unter anderem Verleger und Herausgeber des Berliner Tageblatts (1872), der Berliner Morgen-Zeitung (1889) sowie der Berliner Volks-Zeitung (1904). Nach seinem Tod 1920 ging die Kunstsammlung auf seine Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse, verheiratet mit Hans Lachmann-Mosse, über. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und als Eigentümer des liberalen „Berliner Tagesblattes” waren sie Opfer des Nationalsozialismus.
     Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzten Verfolgungsmaßnahmen gegenüber Hans und seiner Frau Felicia ein. Durch Eingreifen des Berliner Polizeipräsidiums und anderer staatlicher Stellen des Nationalsozialismus wurden sie gezwungen, ihr Vermögen in eine Stiftung umzuwandeln. Diese sollte die Rudolf Mosse Handelsgesellschaft verwalten und die Forderungen der Gläubiger befriedigen. Nach der erzwungenen Übertragung der Generalvollmacht an die Stiftung am 15. April 1933 floh das Ehepaar Lachmann-Mosse aus Deutschland. Das Verlagshaus wurde gleichgeschaltet und zerschlagen. Am 29. Mai 1934 wurde im Berliner Auktionshaus Rudolf Lepke die Kunstsammlung Mosse versteigert, ohne dass die Familie etwas vom Liquidationserlös erhielt.
 

Kunsthändler Walter Westfeld Auf dieser Auktion im Jahr 1934 erwarb der Kunsthändler Walter Westfeld das Gemälde. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft gehörte er ebenfalls zu den Opfern des Nationalsozialismus; er ist am 23. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden. Als Jude war es für ihn spätestens ab Mitte der 1930er Jahre nicht mehr möglich, seine Galerie zu führen. Im Rahmen der Verfolgungsmaßnahmen wurde er wegen angeblicher Devisenvergehen inhaftiert und verurteilt. Dabei beschlagnahmte die Devisenfahndungsstelle auch seine Kunstsammlung und damit das Gemälde von de la Peña. Auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft wurde es zur Sicherung der zu erwartenden Geldstrafe am 12./13. Dezember 1939 beim Kölner Kunsthaus Mathias Lempertz zwangsweise versteigert.

 

Wallraf-Richartz-Museum Als Stiftung gelangte das Gemälde 1960 in das Wallraf-Richartz-Museum. Vor diesem historischen Hintergrund wurde seitens des Museums und der Stadt Köln das Restitutionsbegehren der Erbengemeinschaften als berechtigt anerkannt. In einem von Sachverstand, Respekt und Fairness getragenen Verfahren hat sich die Stadt Köln mit den Erben von Felicia Lachmann-Mosse und Walter Westfeld darauf geeinigt, beiden Erbengemeinschaften das Gemälde zu gleichen Teilen zu übereignen.
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