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rheinische ART 06/2016

Archiv 2016

GROSSES KINO!      

Als die Bilder laufen lernten…

 

Das war in Deutschland erstmals am 20. April 1896 der Fall – und zwar in Köln. Die erste öffentliche Kinoaufführung war eine Sensation. Mit dem Kinofilm läutete ein neues Medium seinen Siegeszug ein. Es begann die Zeit der Filmvorführungen, der großartigen Lichtspielhäuser und eleganten Filmpaläste.

 

Peter Fischer Die Hahnentor-Lichtspiele am Rudolfplatz, Fotografie, Köln, 1951. Die „Hahnentor-Lichtspiele“ waren 1948 das erste neu erbaute Kino der Stadt Köln nach dem Zweiten Weltkrieg. 1971 wurde der Betrieb eingestellt, das Gebäude 1986 abgerissen. Heute steht an der Stelle ein Bankhaus. Foto © Historisches Archiv der Stadt Köln

 

An diesen epochalen Sprung in der „Unterhaltungsindustrie“ erinnert derzeit die Ausstellung „GROSSES KINO! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte“ im Kölnischen Stadtmuseum. Die Schau reflektiert 12 Jahrzehnte Filmtheatergeschichte und blickt vor allem auf die Cinema-Historie der größten rheinischen Metropole zurück.

 

Premierenort Wohn- und Geschäftshaus am Augustinerplatz 12, Lichtdruck auf Papier, Köln, um 1900. Kölnisches Stadtmuseum Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Cinématographe Lumière, Frankreich, ab 1895, Nachbau 1980er-Jahre, Leihgabe Filmmuseum Potsdam, Foto © Sammlung Historische Filmtechnik/Filmmuseum Potsdam

 

Abendkleid um 1927, Exponat des Kölnischen Stadtmuseums. In den „Goldenen Zwanzigern“ wurde das Kino zum gesellschaftlichen Ereignis – ähnlich wie der Opern- oder Theaterbesuch. Die wohlhabenderen Kölnerinnen warfen sich dafür in Schale: Schulterlose, gerade geschnittene, aber glamourös mit Pailletten verzierte Kleider waren bei den festlichen Premieren ein regelmäßiger Anblick. Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Premiere Die Großstadt Köln war an jenem 20. April 1896 die Kino-Stadt der ersten Stunde. Im Stadtzentrum, im ersten Stock eines Wohn- und Geschäftshauses am Augustinerplatz 12, heute Hohe Pforte, fand die nachweislich erste öffentliche Vorstellung von „lebenden Photographien“ in Deutschland statt.

     Diese Kino-Premiere war dem Engagement des damals 39-jährigen technikbegeisterten Kölner Schokoladenfabrikaten Ludwig Stollwerck (1857-1922) zu verdanken. Er hatte sich früh die Lizenz zum Deutschland-Vertrieb des Cinématographen der Lumière-Gebrüder gesichert.

     August und Louis Lumière aus Lyon sind als die Erfinder des Films in die Geschichte eingegangen. Aus der Fotoplatten-Produktion im väterlichen Betrieb in Lyon entwickelten sie erstmals bewegte Bilder. Ihr „Cinématographe Lumière“, Filmkamera und Projektor in einem, sorgte für den weltweiten Durchbruch der „lebenden Bilder“ und verhalf dem Kino zu seinem Namen.


Boom-Jahre
Die Kölner staunten wie der Rest der Welt über die neue Technik. Filmwirtschaft und Kinobetriebe etablierten sich rasend schnell. Das erste Kino-Jahrzehnt war weltweit eine wahre Boom-Dekade. 1907 registrierte die Kölner Stadtverwaltung bereits 15 Lichtspielhäuser, Tendenz steigend. Stumm- und Kurzfilme entwickelten sich - zunächst noch begleitet von Kinoorchestern - zu gesellschaftlichen Ereignissen, die in Abendrobe besucht wurden.

     Der Tonfilm brachte neue Besucherrekorde, der Publikumsandrang an den Kassen war legendär, der Film selbst wurde zum Massenmedium. Aus Tanzsälen und Gaststätten wurden immer größere Kinopaläste, pompös, elegant, mit Hunderten von Plätzen: vom „Rasiersitz“ im Parkett bis zum Premiumplatz in der „Loge“.


Kinogeschichte  Die Historie der Kölner Lichtspielhäuser spiegelt die Geschichte der Stadt wider – lokal, regional und international. Viele Themen der Ausstellung weisen weit über den Kölner Kontext hinaus und geben interessante Einblicke in den gesellschaftlichen, aber auch politischen und technischen Wandel in den letzten Jahrzehnten. Für die Kölner ist die Kinogeschichte ein wichtiger Teil ihrer Alltagsgeschichte, ihrer Sozialisation, ihrer Freizeit und – ihrer persönlichen Erinnerungen.
     Über 150 teils noch nie gezeigte Originalobjekte, Fotografien und historische Filme haben das Kölnische Stadtmuseum und der „Köln im Film e.V.“ für die Schau zusammengestellt, sie dokumentieren damit eindrucksvoll die wechselvolle Historie der Kölner Lichtspielhäuser.

     Der museale Bogen wird weit gespannt. Er reicht vom Glamour der 1920er Jahre und dem neuen Kino-Boom nach 1945 (mehr) bis zu den prachtvollen Filmpalästen, von den heute so gut wie unbekannten Wanderkinos auf Volksfesten und Jahrmärkten über die Schachtelkinos mit ihrem Wohnzimmerambiente der 1970er bis zu den fernsehbedingten Kinoschließungen der 1990er Jahre und den heutigen Multiplex- und Filmkunsthäusern. Diese Epochenübersicht in der Exposition lässt damit historische Lichtspieltheater mit großen Namen wie „Scala“ und „Capitol“ wieder auferstehen.

 

Peter Fischer Das Capitol am Ring, Fotografie, Köln 1955. In den 1930er-Jahren war das Capitol am Hohenzollernring 79 eine Kinoadresse ersten Ranges. Nach seiner Zerstörung wurde es 1954 als modernes Erstaufführungstheater mit 1.000 Plätzen wieder aufgebaut – mit schicker Espresso-Bar gleich nebenan und exklusivem Autopflegedienst in der hauseigenen Parkgarage. Foto © Historisches Archiv der Stadt Köln


Rückblick Auch für den nicht-rheinischen Film- und Kinoenthusiasten ist der Rückblick durchaus ein Erlebnis. Denn bekannte Filmstars wie etwa die Stummfilm-Schauspielerinnen Asta Nielsen und Henny Porten sowie der internationale deutsch-französische Filmstar Romy Schneider (mehr) finden in der Ausstellung ihren Platz. Ebenso wie die technische Entwicklung der „lebenden Bilder“: von der Laterna magica über die knatternden Projektoren der Frühzeit bis hin zum digitalen 3D-Erlebnis. Ein weiteres wichtiges Thema: das „Erleben“ im Kino, die optischen Reize, die Geräusche und die - auch kulinarischen - Genüsse.

 

Akhlis Abbis Das Broadway auf der Ehrenstraße, Fotografie, 1991. Ab 1919 gab es auf der Ehrenstraße das „Alhambra-Theater“. Nach der Zerstörung 1945 wurde das Kino fünf Jahre später als „City“ wiedereröffnet und ab 1982 als „Broadway“ geführt. 2001 musste das Programm- und Filmkunstkino mit drei Sälen und rund 440 Plätzen schließen Foto © Akhlis Abbis

 

Lokalkolorit Die Kölner Kinogeschichte weist einige bemerkenswerte Besonderheiten auf. Ein Beispiel ist das „Kino für Jedermann“ der späten 1920er Jahre. Diese einfachen Kinos des Kölner Ingenieurs und Unternehmers Paul Jockel, dessen „Kino für Jedermann GmbH“ bis zu 12 Schausäle betrieb, waren sparsam ausgestattet, der Eintrittspreis war gering und das Publikum konnte, anders als in den großen eleganten Häusern, bei den Aufführungen fröhlich essen, trinken und rauchen.

     Zwischendurch gab es Varietée- und Boxeinlagen, Kino wie in der Frühzeit des Mediums oder wie im Zirkus, zutiefst volkstümlich eben. Und Kölsches Kino hatte natürlich auch Querverbindungen zum Karneval, wie Wagenmotive zeigen. Eine weitere interessante Initiative war das 1968 im Zuge der Fluxus-Bewegung (mehr) gegründete Filmkollektiv „XSCREEN – Kölner Studio für den unabhängigen Film“, das sich unter anderem dem Zeitgeist gemäß Underground-Filmen und filmischen Experimenten widmete.


Rund ums Kino
Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf Werbe-Objekte der Kinogeschichte, wie beispielsweise Leuchtreklamen und Werbeschilder, die lange Zeit die Fassaden der Kinos prägten. Andere Highlights sind - neben einprägsamen Fotografien - historische Filmausschnitte, die wichtige Ereignisse der lokalen Kinogeschichte dokumentieren.

rART/K2M


Die Ausstellung „GROSSES KINO! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte“ wird bis zum 6. November 2016 gezeigt.
Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3
50667 Köln
Tel. 0221 / 22 125 789
Öffnungszeiten
DI 10 - 20 Uhr
MI - SO 10 - 17 Uhr

 

 

 

 


 

 

  

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